11.10.2019 - 12:26 Uhr
EtzenrichtOberpfalz

"Ich sehe mich noch als Kind des Nordens"

Cathrin Kube stammt aus Bremen und lebt seit zweieinhalb Jahren in Etzenricht (Kreis Neustadt/WN). In unserer Serie "Zugroast" verrät sie, welche Wörter des Bremer Dialekts sie in der Oberpfalz vermeidet.

Cathrin Kube stammt aus Bremen und lebt seit zweieinhalb Jahren in Etzenricht (Kreis Neustadt/WN).
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Sie stammt aus Bremen, kam der Liebe wegen in die Oberpfalz - und hat dafür eine lange Reise auf sich genommen. Ihren Freund aus Etzenricht hat Kube in Australien kennengelernt und folgte ihm in die Oberpfalz. Die 28-Jährige arbeitet im Kulturamt der Stadt Weiden und ist zuständig für die Partnerstädte. Im Interview erklärt sie, welche Wörter des Bremer Dialekts sie nun vermeidet.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Cathrin Kube: (lacht) Nein, eigentlich nicht. Im Grunde ist der Oberpfälzer das nicht weniger oder mehr als der Bremer.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Vorurteile und Erwartungen hatte ich nicht. Als ich in die Oberpfalz kam, hatte ich zwar schon von Regensburg und Weiden gehört, die Region kannte ich aber nicht. Ich kam ganz unvoreingenommen hierher. Die Leute und den Dialekt habe ich erst mit der Zeit kennengelernt.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie zurück?

Ernsthaft spiele ich mit dem Gedanken nicht. Mir gefällt es ganz gut und ich habe hier so viel um die Ohren, dass der Gedanke erst gar nicht aufkommt. Ich fahre auch nicht oft zurück nach Bremen, nur etwa drei Mal im Jahr - zu Weihnachten, Ostern und besonderen Geburtstagen. Dafür kommen meine Eltern, Freunde und Bekannte auch gerne mal in die Oberpfalz zu Besuch.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Wenn mich meine Eltern besuchen, sind wir gerne in der Weidener Altstadt unterwegs, mit meiner Mama gehe ich gerne frühstücken. Sie kommen auch zu Familienfesten und lernen die Leute kennen, mit denen ich im Alltag zu tun habe. Dann haben sie ein Gesicht von den Menschen, von denen ich ihnen am Telefon erzähle. In Bremen berichte ich davon, dass ich mich hier angekommen fühle, mir die Menschen und die Region gut gefallen. Ich erzähle, dass es so viel Wald gibt, dass man nicht weit fahren muss, um in der Natur zu sein. In der Region um Bremen ist es städtischer. Oder ich erzähle von den Festen in Etzenricht und der Dorfgemeinschaft.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Ja doch, mittlerweile ganz gut. Vielleicht versehe ich noch nicht alles, aber das allermeiste.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzerin?

Nein, das nicht. Aber das ist auch gar nicht schlimm. Ich sehe mich noch als Bremerin oder als Kind des Nordens. Wenn man sich länger mit mir unterhält, hört man auch, dass ich nicht von hier bin. Das "Moin" und "schnacken" habe ich mir aber schon abgewöhnt.

Unsere Serie "Zugroast":

In der Kolumne „Zugroast“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind – und hier eine neue Heimat gefunden haben.

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