10.09.2021 - 14:39 Uhr
Brand bei MarktredwitzOberpfalz

Ex-Marktredwitzer bewältigt extremen Ultralauf

Zwei Tage nonstop über den härtesten Trail: Der aus Brand bei Marktredwitz stammende Thomas Walther bewältigt ein 174-Kilometer-Rennen in den Alpen. Dabei kommt es zu einer ungewöhnlichen Begegnung.

Auch eine Kuh interessierte sich in den Alpen für den Extremläufer Thomas Walther.
von Autor FPHProfil

Es regnet. Und das schon gut 160 Kilometer vor dem Ziel. Schlechter hätte Thomas Walthers Traum nicht beginnen können. Doch am Ende kommt alles anders. Aus dem möglichen Alptraum wird ein Erlebnis, das der 37 Jahre alte Athlet nicht vergessen wird. Thomas Walther hat den KAT 100 bewältigt. Die "100 Miles" führen rund um die Kitzbüheler Alpen in Tirol und gelten als der härteste Trail-Run im deutschsprachigen Raum.

Als Walther nach 45 Stunden, 31 Minuten und 46 Sekunden ins Ziel in dem Dorf Fieberbrunn einläuft, hat er nicht nur eine Extremleistung vollbracht, er hat auch einen Freund gefunden - und hierbei spielt Marktredwitz eine tragende Rolle. Doch dazu später.

"Sportler des Jahres"

Der 37 Jahre alte Diplom-Pädagoge und Lehrer lebt zwar mittlerweile in Regensburg, ist aber in seiner eigentlichen Heimatstadt Marktredwitz in Sportler-Kreisen bestens bekannt. 2014 wählte eine Jury den damaligen Athleten des TSV Brand und der Leichtathletikgemeinschaft Fichtelgebirge zum Sportler des Jahres. Unter anderem hatte der Brander damals den Ironman in Regensburg gemeistert.

Thomas Walther kommt zum Gespräch in der Eisdiele des Einkaufszentrums KEC. Wann immer möglich, verbringt der zweifache Familienvater Zeit in Marktredwitz. "Ich bin ein absoluter Familienmensch", sagt er und hält so während des Interviews ganz nebenbei seine dreijährige Tochter Hannah und den fünfjährigen Felix bei Laune.

Doch zurück in die Kitzbüheler Alpen. Kaum fällt der Startschuss für den legendären KAT 100, fallen die ersten Tropfen auf die Erde. KAT bedeutet Kitzbüheler-Alpen-Trail, und die 100 steht für die hundert Meilen, also 174 Kilometer, die die Läufer vor sich haben. 90 Athleten machen sich an jenem Donnerstagabend im August auf den Weg. Vor ihnen liegen 9996 Höhenmeter, sieben extreme und viele weitere kleinere Zacken. Das Sägezahn-Höhenprofil hat es in sich: Permanent geht es rauf und runter, etwa von 650 auf 2100 oder von 800 auf 2300 Meter Höhe - ein brutaler Rundkurs. Am Ende werden von den 90 Startern 31 ins Ziel kommen.

120 Kilometer in der Woche

Thomas Walther war zwar mal Sportler des Jahres in Marktredwitz, ist aber heute purer Amateur. "Ja, ich bewege mich unheimlich gerne. Einen Trainingsplan verfolge ich nicht, versuche aber, so zwei-, dreimal die Woche zu laufen. Es gibt auch Wochen, in denen ich 80 bis 120 Kilometer unterwegs bin." Dem Leiter eines Internats in Regensburg und Familienvater wirbelt der Alltag eh alle ehrgeizigen Sportpläne durcheinander. Daher nimmt es der 37-Jährige, wie es kommt. Wann immer es seine Zeit erlaubt, bewegt er sich. "Ich habe wahrscheinlich Glück, dass ich ziemlich fit bin."

Einmal im Jahr versucht er sich an einem Trail-Run in den Alpen. Unter anderem hat er laufend die Zugspitze und den Großglockner bezwungen. Wichtig ist Walther auch die legendäre Zwölf-Gipfel-Tour im Fichtelgebirge. "Auch diese gehört jedes Jahr zu meinem Programm." Seine weiteren Lieblingsstrecken in der Region sind übrigens an der Kösseine oder am Ruheberg bei Brand gelegen. Der KAT 100 ist im Vergleich dazu eine andere Hausnummer.

Die erste Nacht, irgendwo auf einem Kuhsteig in den Kitzbüheler Alpen. Die ersten Extremsportler sind schon enteilt. Thomas Walther läuft in seinem Wohlfühl-Tempo. Doch von Wohlfühlen kann angesichts des Regens keine Rede sein. Das Trikot klebt am Körper, und die Schuhe werden immer schwerer. Mit der Stirnlampe leuchtet er den Weg aus und kämpft sich voran. Wie Oliver Kahn kennt er jetzt nur noch ein Motto: Weiter, immer weiter.

Reissuppe und Zucker-Cola

"Meine Motivation ist, zu sehen, was eigentlich möglich ist", sagt er beim entspannten Kaffeetrinken in der Eisdiele. Vor wenigen Wochen in den Alpen standen Reissuppe, Kuchen und immer wieder zuckriges Cola auf seinem "Speiseplan". "Ich habe mich jeder Verpflegungsstelle entgegengesehnt. Ein Extrem-Trail-Run ist vor allem eine mentale Herausforderung. Klar, man muss natürlich zunächst mal fit sein. Aber am Ende entscheidet der Kopf." Thomas Walther hat sich die 174 Kilometer in die zu bezwingenden Gipfel aufgeteilt. Jeden, den er abhaken kann, ist ein Erfolg.

Nur kurze Schlafpausen

In den knapp zwei Tagen gönnt sich der ehemalige Marktredwitzer zwei Schlafpausen. Einmal 30 Minuten und einmal 20 Minuten. "Meine Frau Susanne hat mich dann aufgeweckt und angespornt, weiterzulaufen." Ohne seine Susanne hätte Thomas Walther nicht durchgehalten. Mehrfach erwähnt er, wie dankbar er ihr ist, dass sie ihm den Ultralauf ermöglicht hat. "Ihr Support war entscheidend."

In Kitzbühel lernt Walther Renaud Grasset-Bourdel kennen. Der zwei Jahre jüngere Franzose ist ihm von Anfang an sympathisch. "Wir sind uns an der Verpflegungsstelle begegnet und beschlossen, ein Stück gemeinsam zu laufen." Was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen, ist, dass sich auch die beiden Ehefrauen unterwegs kennengelernt haben.

Auch in der zweiten Nacht regnet es. Thomas Walther hat das zweite Paar Schuhe geschnürt. Am Ende wird er drei Paar aufgearbeitet haben. Der Ex-Marktredwitzer und der Franzose laufen, unterhalten sich und vergessen so die Strapazen. Zusammen meistern sie auch die berüchtigte Streif und überqueren Gipfel um Gipfel. Den Läufern stehen zwar keine technisch schweren Klettersteige im Weg, aber trittsicher und konzentriert müssen sie sein.

"Fichtelmountains"

Irgendwann erklärt Walther seinem Laufpartner, dass er aus den "Fichtelmountains" stammt. Renaud Grasset-Bourdel berichtet seinerseits, dass seine Frau aus der Nähe von Karlsbad stamme und er selbst ebenfalls immer wieder beruflich in einer bayerischen Stadt zu tun habe. Sie heiße Marktredwitz und liege ganz im Norden, an der Grenze zu Tschechien. Wie sich herausstellt, ist der Franzose etwa alle drei Wochen in einem Unternehmen in Marktredwitz.

"Es ist schon erstaunlich. Da fährt man in die Tiroler Alpen, um an einem Extrem-Lauf teilzunehmen, kommt mit einem französischen Sportler ins Gespräch und dann stellt sich heraus, dass wir beide einen Bezug zu Marktredwitz haben", sagt Walther. Demnächst planen die beiden, sich hier zu treffen. "Was als sportlicher Wettkampf begann, entwickelt sich zur Freundschaft."

Sport steht in den kommenden Wochen für Walther wieder im Hintergrund. Er organisiert den Schuljahresbeginn im Regensburger Internat. Für 70 Kinder und Jugendliche ist er zuständig. "Wir wollen für unsere Bewohner eine Art Familienersatz sein. Mir ist wichtig, dass der Gruppenzusammenhalt passt, sich hier jeder wohlfühlt und das Beste aus sich machen kann", sagt Walther, der noch an einer Fachoberschule unterrichtet und in der Geschäftsführung des Schul- und Internatsanbieters tätig ist.

Mit Demut auf Körper achten

Welcher Lauf als nächstes ansteht, kann der ehemalige Marktredwitzer nicht sagen. "Ich habe nichts Konkretes geplant. Man muss den Sport mit Demut betreiben und auf seinen Körper achten." Irgendwo in den Alpen wird Thomas Walther aber auch kommendes Jahr wieder auf einer Startlinie stehen und sein nächstes Abenteuer bestreiten.

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"Klar, man muss natürlich zunächst mal fit sein. Aber am Ende entscheidet der Kopf."

Extremläufer Thomas Walther

 

 

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