21.06.2018 - 13:47 Uhr
Oberpfalz

Fahrbericht BMW X2

Wenn Designer den kühnen Schnitt wagen, wird's meist teuer: Traditionell kosten Coupés mehr als ihre Basis, da macht der BMW X2 keine Ausnahme. Eine Sache aber, stellt er auf den Kopf.

Der in Regensburg gebaute X2 ist rund 1700 Euro teurer als der X1, der ja auch nicht gerade ein Schnäppchen ist.
von Michael Ascherl Kontakt Profil

Der in Regensburg gebaute X2 ist rund 1700 Euro teurer als der X1, der ja auch nicht gerade ein Schnäppchen ist. Unser galvanic-goldener Testwagen startet mit serienmäßigem Allradantrieb bei 43 800 Euro, inklusive aller Extras sind es stattliche 61 790 Euro. Viel Geld für einen Kompaktwagen.

Schönheit hat auf der anderen Seite ihren Preis, und man muss ja nicht alle Häkchen im Konfigurator setzen. Ein paar aber schon: Das für die Rückfahrkamera und den Parkassistenten zum Beispiel, denn die Sicht nach hinten ist wegen des schmalen Heckfensters, der abfallenden Dachlinie und der breiten C-Säule stark eingeschränkt. Trotz seines coupéhaften Zuschnitts verlangt der X 2 den Insassen keine allzu großen Kompromisse ab. Zwei Erwachsene sitzen hinten noch ganz ordentlich, auch wenn's Riesen um den Scheitel schon ein bisserl eng wird. Der Kofferraum ist mit 470 Litern ordentlich dimensioniert und dank Sandwichboden und vertikaler Abtrennung gut nutzbar. Die Lehnen klappen durch Zug an einer einfachen Schlaufe - nicht gerade Premium.

Kräftiger und sauberer Diesel

Freude am Fahren vermittelt dagegen der 190 PS starke Diesel, der seine Kraft im Spitzenmodell 20d auf alle vier Räder verteilt. Im Testwagen war das Steptronic-Sportgetriebe verbaut, das die acht Gänge sehr fein sortiert. Auf die manuelle Bedienung über den gut zur Hand liegenden Schalthebel oder die Paddels am Lenkrad kann man ohne weiteres verzichten. Der Ärger über das im Stand sehr wahrnehmbare Arbeitsgeräusch des Diesel-Aggregats verfliegt beim Fahren. Der 190-PS-Motor geht mit Vehemenz zur Sache, treibt den immerhin fast 1,7 Tonnen schweren BMW ruck-zuck auf Autobahntempo und überrascht mit zurückhaltenden Trinksitten. BMW reinigt die Abgase doppelt: Mit Harnstoffeinspritzung und NOX-Speicherkat. So erfüllt der Wagen die Top-Abgasnorm Euro 6d-TEMP und schützt sich vor Fahrverboten in Innenstädten.

Wie fährt sich das SUV-Coupé? So wie wir es von einem BMW erwarten: Kurvengierig, präzise zu dirigieren, eher hart als komfortabel. Der Pilot sitzt tiefer als im X1, aber deutlich höher als im normalen 1er BMW. Leider reicht die adaptive Geschwindigkeitsregelung ("Abstandsradar") nur bis 140 Kilometer pro Stunde. VW bietet hier zum Beispiel für den Tiguan 160 Sachen an. BMW ist in Sachen Bedienung und Konnektivität auf Höhe der Zeit. Das Navigations-Plus-Gerät des Testwagens (2890 Euro) reagiert intelligent auf Sprachbefehle, sucht sich Adressen aus dem Netz und vervollständigt diese selbstständig. Beispiel: "Navigation Sibyllenbad" wird als Zielführung nach Neualbenreuth, Kurallee 1, umgesetzt. Ein Quantensprung. Verkehrsstörungen kommen in Echtzeit, Umleitungsempfehlungen ebenso.

Reverenz den alten Coupés

Die breite C-Säule des Wagens schmückt das Markenemblem; das kennen BMW-Fans von den echten Coupés BMW 2000 CS und 3.0 CSL aus den 60 er und 70er Jahren. Und noch eine Gag haben sich die Designer erlaubt: Sie haben die Niere, den BMW-typischen Kühlergrill, auf den Kopf gestellt.

Demjenigen, der sich einen X2 in den Garage stellt, wird's recht oder zumindest gleichgültig sein. Nicht aber die Tatsache, dass er einen kompakten, feinen Wagen sein eigen nennen wird, der nicht an jeder Ecke parkt und dennoch gute Alltagstauglichkeit bietet. Gut abgeschnitten, BMW!

Bildergalerie

Der Pilot sitzt tiefer als im X1, aber deutlich höher als im normalen 1er BMW.

Bis zu 1355 Liter steckt der Kofferraum des X2 weg.

Datenblatt BMW X2

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