Fahrenberg bei Waldthurn
27.05.2018 - 18:29 Uhr

Bärnauer Pilger zeigen Ausdauer

Die Bärnauer Fußwallfahrt auf den Fahrenberg ist seit 200 Jahren ein aktiver Teil der 675-jährigen Geschichte der Stadt Bärnau. Die letzte Etappe von Pleystein aus, reihte sich auch Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer ein.

Zum 200. Mal zogen Pilger aus Bärnau am Sonntag zum Fahrenberg. dob
Zum 200. Mal zogen Pilger aus Bärnau am Sonntag zum Fahrenberg.

(dob) Selbst Petrus schien sich über die Ausdauer und Treue der Wallfahrer zu freuen und schickte strahlend blauen Himmel, angenehme Temperaturen und viele Gläubige auf den heiligen Berg der Oberpfalz. Eine bittere Zeit haben die Bärnauer Anfang des 19. Jahrhunderts erlebt, mit Truppendurchzügen, Hungersnot und Nervenfieber.

Für das Ende dieser schlimmen Jahre dankten die Bürger mit einer Wallfahrt, die bis heute hochgehalten wird. Der Diözesanbischof war sich am Sonntag angesichts der vielen treuen Wallfahrer sicher, dass die Bärnauer auch dem 250. Jubiläum getrost entgegensehen können. Pilgerführer Bernhard Häring führte den Pilgerzug auch in diesem Jahr wieder sicher an, den er unter das Motto stellte: "Tradition bewahren, offen sein für alle, besonders auch für junge Menschen." Bereits am frühen Morgen machten sich die Bärnauer mit dem Bischof von Pleystein aus auf die letzte zweistündige Etappe, nachdem die Wallfahrergruppe die größte Wegstrecke schon tags zuvor am Samstag absolviert hatte.

Pilgersegen und Brotzeit

Den Pilgersegen erteilte der Bärnauer Pfarrer Johann Hofmann in der Heimatkirche St. Nikolaus, bevor sich die Wallfahrer der Pfarreiengemeinschaft Bärnau-Hohenthann-Schwarzenbach, unter denen sich auch der Bärnauer Bürgermeister Alfred Stier befand, über den steilen Anstieg zur Silberhütte und weiter in Richtung Waldkirch und Neuenhammer machten. Dazwischen legten sie eine Rast mit Brotzeit ein und genossen den wunderbaren Blick über die nördliche Oberpfalz.

Beim "Hammerwirt" in Neuenhammer tankten die Teilnehmer Kraft beim Mittagessen für die Wegstrecke nach Pleystein. Dort pilgerten die Bärnauer über die Kreuzwegstationen zur Kreuzbergkirche auf dem Rosenquarzfelsen. Insgesamt legten die Wallfahrer an den zwei Tagen 48 Kilometer zurück.

Die gelb-weißen Kirchenfahnen bewegten sich am Sonntagmorgen im leichten Frühlingswind, als die Wallfahrer an der Dreifaltigkeitskapelle auf dem Fahrenberg eintrafen, deren Patrozinium an diesem Tag gefeiert wurde. Nach einer Andacht zogen die Pilger mit dem Bischof, Priestern und Ministranten unter Glockengeläut in die geschmückte Wallfahrtskirche ein.

Mit dem Bischof zelebrierte der Waldthurner Pfarrer Norbert Götz, dessen Bruder Michael und Ruhestandsgeistlicher Siegfried Wölfl, als frühere Pfarrherren aus Bärnau, die Messe. Außerdem waren Pfarrer Richard Salzl aus Dürnsricht, der Neustädter Pfarrer Josef Häring und der Steyler Missionar Klaus Kniffki aus Tirschenreuth Mitzelebranten am Altar. Den Festgottesdienst gestalteten die Chorgemeinschaften der Pfarrei Bärnau unter Leitung von Organistin Andrea Wein aus Schwarzenbach musikalisch beeindruckend mit.


Bischof geht voran

Bischof Voderholzer sei derjenige, der in der Diözese dem Gottesvolk vorangehe, begrüßte der Waldthurner Pfarrer den Gast aus Regensburg. Im selben Jahr der Wallfahrtsgründung ist in Bärnau der spätere Regensburger Bischof Ignatius von Senestrey geboren worden, der von 1858 bis 1906 Bischof von Regensburg war. Bestimmt sei auch Senestrey einmal auf dem Pilgerweg dabei gewesen, vermutete Voderholzer. Bevor er den Gottesdienst eröffnete, ließ er noch Bänke für die Wallfahrer an den Stufen zum Altar aufstellen.

Zeugnis des Glaubens

Da die Wallfahrer an diesem Sonntag zum 200. Mal auf den Fahrenberg kamen, dürften sie dieses leibhaftig immer wieder neu als pilgerndes Gottesvolk und betend mit einem Ziel vor Augen erleben, hob der Bischof hervor. "Danke ihnen für dieses Zeugnis des Miteinanders, der Stadt und Pfarrei."

Zeugnis des Glaubens

Gerne komme er an diesen Ort, an dem die Gottesmutter Maria als Königin des Friedens auf dem Dach der Wallfahrtskirche angebracht ist und man einen weiten Blick hinein nach Böhmen in die Heimat seiner Mutter hat. "Nehmen Sie die Anliegen des Bischofs mit hinein in ihre Wallfahrt", bat Voderholzer.

"Beten wir darum, dass auch in Zukunft der Herr junge Menschen in seine besondere Nachfolge ruft. Vielleicht ist ja ein späterer Bischof mitgegangen bei dieser Wallfahrt?" Mit dem "Großer Gott wir loben dich" endete der Pilgergottesdienst.

Zum 200. Wallfahrtsjubiläum kam Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zum Fahrenberg. dob
Zum 200. Wallfahrtsjubiläum kam Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zum Fahrenberg.
Die Pilger zogen betend in die Wallfahrtskirche ein. dob
Die Pilger zogen betend in die Wallfahrtskirche ein.
Das Fest &quot;200 Jahre Wallfahrt von Bärnau zum Fahrenberg&quot; wurde mit vielen Gläubigen gefeiert. Dobmayer, Elisabeth [DOB] (<a href=DOBVOH[at]T-ONLINE[dot]DE)" title="" width="805" height="453" loading="lazy" decoding="async" class="img-responsive"/>
Das Fest "200 Jahre Wallfahrt von Bärnau zum Fahrenberg" wurde mit vielen Gläubigen gefeiert.
Dr. Rudolf Voderholzer (Mitte) zelebrierte den Jubiläumsgottesdienst mit seinen Mitbrüdern Pfarrer Richard Salzl aus Dürnsricht, dem Styler Missionar Pater Klaus Kniffki aus Tirschenreuth, dem Waldthurner Pfarrer Norbert Götz, dessen Bruder Michael und Ruhestandsgeistlicher Siegfried Wölfl, die beide Pfarrer in Bärnau waren und Stadtpfarrer Josef Häring aus Neustadt/WN (von links nach rechts). Dobmayer, Elisabeth [DOB] (<a href=DOBVOH[at]T-ONLINE[dot]DE)" title="" width="805" height="453" loading="lazy" decoding="async" class="img-responsive"/>
Dr. Rudolf Voderholzer (Mitte) zelebrierte den Jubiläumsgottesdienst mit seinen Mitbrüdern Pfarrer Richard Salzl aus Dürnsricht, dem Styler Missionar Pater Klaus Kniffki aus Tirschenreuth, dem Waldthurner Pfarrer Norbert Götz, dessen Bruder Michael und Ruhestandsgeistlicher Siegfried Wölfl, die beide Pfarrer in Bärnau waren und Stadtpfarrer Josef Häring aus Neustadt/WN (von links nach rechts).
Der Regensburger Diözesanbischof Rudolf Voderholzer gab den Gläubigen Gedanken über die Dreifaltigkeit mit auf dem Weg. dob
Der Regensburger Diözesanbischof Rudolf Voderholzer gab den Gläubigen Gedanken über die Dreifaltigkeit mit auf dem Weg.
200 Jahre Wallfahrt von Bärnau zum Fahrenberg dob
200 Jahre Wallfahrt von Bärnau zum Fahrenberg
Mit dem &quot;Großer Gott wir loben dich&quot; endete der Jubiläumsgottesdienst mit den Pilgern aus Bärnau, die heuer zum 200. Mal zum Fahrenberg kamen und so ein Gelübde der Stadt aus dem Jahre 1818 einlösten. dob
Mit dem "Großer Gott wir loben dich" endete der Jubiläumsgottesdienst mit den Pilgern aus Bärnau, die heuer zum 200. Mal zum Fahrenberg kamen und so ein Gelübde der Stadt aus dem Jahre 1818 einlösten.
200 Jahre Wallfahrt von Bärnau zum Fahrenberg Dobmayer, Elisabeth [DOB] (<a href=DOBVOH[at]T-ONLINE[dot]DE)" title="" width="805" height="453" loading="lazy" decoding="async" class="img-responsive"/>
200 Jahre Wallfahrt von Bärnau zum Fahrenberg
Die Ministranten erhielten ein Geschenkandenken vom Bischof. dob
Die Ministranten erhielten ein Geschenkandenken vom Bischof.
Info:

Die Bärnauer Fußwallfahrt zu "Unserer lieben Frau auf dem Fahrenberg" ist seit 200 Jahren ein aktiver Teil der 675-jährigen Geschichte der Stadt Bärnau. Die Wallfahrer haben stets die Anliegen der Bürger der Stadt Bärnau zur Muttergottes auf den Fahrenberg gebracht. Als Ursprung der Wallfahrt nennt die Chronik den 18. September 1818. Damals zog die Pfarrgemeinde Bärnau mit "Dankgebeten und mit der Bitte um Abwendung fernerer Teuerung in geordneten Prozession nach der Wallfahrtskirche zu Unserer lieben Frau auf den Fahrenberge". Vorausgegangen waren schwere Jahre für die Bärnauer: Am 23. März 1800 der große Stadtbrand, bei dem 98 Bürgerhäuser, die Pfarrkirche mit Turm sowie der Pfarrhof abbrannten; 1809 gab es Truppendurchzüge während der napoleonischen Kriege; 1814 wütete das Nervenfieber; 1816 und 1817 folgten Getreideteuerung und Hungersnot aufgrund nasskalter Witterung. Nachdem es 1818 wieder reichen Erntesegen gab, beschlossen die Bärnauer, die Wallfahrt auf den Fahrenberg zur Danksagung einzuführen. Ganz ohne Leid gingen die folgenden beiden Jahrhunderte nicht an den Menschen vorüber. So kennt die Geschichte die schweren Zeiten während des ersten und zweiten Weltkriegs. In den Kriegsjahren wurde die Bärnauer Fußwallfahrt ausgesetzt. Seit jeher beten die Fußwallfahrer, wenn sie am Dreifaltigkeitssonntag, an dem die Wallfahrt nun seit vielen Jahrzehnten stattfindet, wieder Abschied nehmen von der Mutter Gottes auf dem Fahrenberg mit tief bewegter Seele: "Oh Mutter, wie wird uns beim Scheiden so weh ums Herz! Wir müssen wieder hinaus in die Gefahren der Welt. Wie wird es uns gehen!" Aber nicht nur Not und Gefahren waren die Grundlagen der Wallfahrt. Mit viel Freude pilgern die Menschen und tragen betend und singend den lebendigen Glauben an Gott durch die Straßen und Fluren der Heimat, so steht es in der Broschüre zur Jubiläumswallfahrt. In dem kleinen Heftchen finden sich auch zahlreiche Bilder von Wallfahrten der vergangenen Jahre. Viele Seiten füllen könnten die Erinnerungen der Pilgerführer. Josef Gmeiner war der erste Pilgerführer, auf ihn folgten Nikolaus Haas und Josef Frötschl sowie Bernhard Häring. Der weist auch darauf hin, dass die Wallfahrt ein gesellschaftlicher Anlass ist. Beim Aufenthalt in Pleystein dürfe deshalb das gesellige Beisammensein nicht zu kurz kommen. Immerhin haben die Pilger bis zu diesem Ziel schon etliche Kilometer zurückgelegt. Dabei geht es singend und betend überwiegend auf Waldwegen fast 24 Kilometer über Naab, Silberhütte, Waldkirch und Neuenhammer (Mittagspause) bis zur Kreuzbergkirche in Pleystein. Der Weg selber sei für die Teilnehmer ein besonderes Erleben der Natur, versichert der Pilgerführer. Dabei könne das Wetter am Dreifaltigkeitssonntag auch schon mal für Überraschungen sorgen. Vor ein paar Jahren etwa erlebten die Wallfahrer Schneefall auf der Altglashütte, erinnert sich Häring. Einer der noch besser über die Wallfahrten Bescheid weiß ist Max Kumeth. Seit 41 Jahren dokumentiert er die Wallfahrten in einer Chronik. Insgesamt legen die Wallfahrer an den beiden Tagen rund 48 Kilometer zurück. Seit vielen Jahren haben die Pilger auch aufmerksame Begleiter. So kümmern sich Helfer des Roten Kreuzes, von der Feuerwehr sowie von der Stadt Bärnau um die Wallfahrer. "Dieses 200-jährige Jubiläum der Bärnauer Fußwallfahrt zur Muttergottes auf den Fahrenberge möge in uns allen ein unvergessliches Andenken hinterlassen", wünschte sich Häring.

 
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