(wro) 46 obdachlose Familien und 183 Falkenberger Bürger, die seinerzeit bei einem Großbrand ihr Hab und Gut verloren hatten, waren der erschütternde Auslöser, dass sich am 16. Februar 1873 rund 60 Freiwillige dafür aussprachen, im Ort eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Noch im gleichen Jahr wurde die bereits vorhandene Spritze durch ein neues Löschgerät ersetzt.
145 Jahre sind vergangen. Überschattet wurde der Jubiläums-Vormittag, nur wenige Minuten nach dem Dank- und Festgottesdienst, von einer Alarmierung aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls, der sich am Ortseingang ereignet hatte und zu dem die Einsatzkräfte aus Falkenberg und Gumpen hinzugerufen wurden (wir berichteten).
Strahlender Sonnenschein, die Falkenberger Blasmusik unter der Leitung von Franz Stierstorfer, Vertreter der Kommune, der umliegenden Wehren und alle Falkenberger Vereine mit Fahnenabordnungen begleiteten den Kirchenzug, der sich in den frühen Vormittagsstunden in der Wiesauer Straße formiert hatte. Empfangen wurde der Festmarsch von Pfarrer Maximilian Roeb und seinen Ministranten. „Liebe Jünger des heiligen Florian“, begrüßte er besonders die Mitglieder des Jubelvereins. „Was macht den Menschen zum Menschen?“, fragte der Seelsorger im Gottesdienst die Gläubigen. In den Mittelpunkt seiner zum Anlass passenden Festpredigt rückte Roeb die „Verantwortung“, die Menschen übernehmen können. Gerade diese Eigenschaft sei es doch, dass aus einem von Gott geschaffenen Lebewesen ein wahrer Mensch wird. "Verantwortung in vielen Bereichen übernehmen die Freiwilligen von der Feuerwehr", rückte der Geistliche den besonderen Einsatz der Uniformierten als dafür geeignetes Beispiel ins Blickfeld. Weiter betonte er: Verantwortung übernehmen müsse man lernen. „Das fällt einem nicht in den Schoß. Dazu braucht es Vorbilder.“ Diese finde man bei der Feuerwehr. „Ihr seid verantwortungsvolle Menschen, die zweifellos aufrecht vor Gott stehen können“, fasste er zusammen. Die Michael-Haydn-Messe, die die Feier im Gotteshaus begleitete, wurde von der Blasmusik gespielt. Die Tageslesung und die Fürbitten wurden Vorstandsmitglied Roland Höcht anvertraut.
„Ich freue mich jetzt auf das Weißwurstessen und erlaube mir, Sie alle im Namen des Vereins dazu einzuladen“, bat Pfarrer Roeb um Teilnahme am Frühschoppen und zum gemeinsamen Zug an das Gerätehaus, wo bereits die Bierkrüge vorgeschenkt und die Weißwürste heiß gemacht worden waren. Nachgerückt war auch die Falkenberger Blasmusik, um mit schmissigen Melodien das bereits gestartete Fest auf ihre Art kurzweilig zu gestalten. Kaffee und Kuchen wurden zu passender Zeit im Obergeschoss des Gerätehauses angeboten. Falkenberger Zoigl floss aus dem Zapfhahn. Am Grill brutzelten Bratwürste und Steaks und fanden laufend Abnehmer.
Martinshörner und eintreffende Feuerwehrfahrzeuge rissen um 14 Uhr die Gäste erneut aus ihrer Stimmung. In schneller Fahrt und mit Blaulicht eilten Wiesauer Einsatzkräfte zum nahen Gemeindebauhof. Nach Informationen von Kommandant Thorsten Meiler hatte sich dort ein schwerer Verkehrsunfall mit zwei Schwerverletzten ereignet. Das Unfallfahrzeug drohe in Brand zu geraten, lautete die zusätzlichen Information an die Feuerwehrleute. Ein vorsorglich über die Straße gespanntes Sperrband hielt die Neugierigeren, die sich bereits versammelt hatten, vom "Unfallort" zurück. Anders als sonst waren Zuschauer aber diesmal ausdrücklich erwünscht. Als „Geburtstagsgeschenk“ hatte die Wiesauer Wehr eine Schauübung versprochen. Kommandant Meiler erläuterte die Arbeiten, bei denen mit geeignetem Werkzeug – Löschwasser stets bereit - die eingeklemmten Falkenberger zu befreien waren. Mit geleitet wurde der Übungseinsatz vom zweiten Kommandanten Christian Blohmann. Das Geschehen verfolgte auch der erste Kommandant der Falkenberger Wehr, Andreas Zölch. Nach eindrucksvollen 20 Minuten waren die „Verletzten“ geborgen. Die Gefahr eines Kfz-Brandes war gebannt. Der verdiente Lohn: Mit Falkenberger Zoigl und einer Brotzeit durfte weitergefeiert werden.





















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