08.11.2018 - 11:16 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Berührende Erinnerungen eines KZ-Überlebenden

Friedrich Werner Graf von der Schulenburg wurde am 10. November 1944 hingerichtet. Das Gedenken an den Widerstandskämpfer gestalten diesmal Jörg Skriebeleit und Jan Svimberský. Sie stellen ein berührendes Buch vor.

Zum Gedenkabend zum Todestag Graf von der Schulenburgs begrüßt Bürgermeister Herbert Bauer (Mitte) Jörg Skriebeleit (links) und Jan Svimberský (rechts).
von Werner RoblProfil

In den Mittelpunkt der vorgezogenen Gedenkstunde rücken die Erinnerungen eines Tschechen und seine schrecklichen Erlebnisse im Pilsener Gefängnis, später in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Flossenbürg. Gemeinsam mit Christa Schikorra, die aus zeitlichen Gründen am Mittwochabend nicht anwesend sein kann, haben der Kulturwissenschaftler und Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skriebeleit, sowie der aus Böhmen stammende und in Bremen aufgewachsene Volontär Jan Svimberský ein Buch veröffentlicht: „Pilsen – Theresienstadt – Flossenbürg“.

Das Werk beschreibt die Überlebensgeschichte Fridolín Macháceks, der – wie Skriebeleit in seiner Einführung betont – ein Nationalist, auch ein begeisterter Sportsmann war. Der Direktor des Pilsener Stadtmuseums war zudem auch Historiker, Denkmalschützer, Heimatforscher, Kulturförderer, Lehrer und Redakteur. „Vor allem aber war er ein Intellektueller“, so Skriebeleit. 1944 wird Machácek von der Gestapo verhaftet und ins Gefängnis seiner Heimatstadt Pilsen gesteckt.

Nach Theresienstadt folgt das Konzentrationslager Flossenbürg. Machácek überlebt dort nur dank der Hilfe seiner tschechischen Mithäftlinge. Wenige Monate nach Kriegsende bereist der Tscheche, zusammen mit dem Pilsener Fotografen Mirko Kren, die Oberpfalz. Sein erstes Ziel ist der Flossenbürger Friedhof. Macháceks Reisenotizen und Krens Bildaufnahmen dienten als Grundlagen für einen Erinnerungsbericht, der 1946 erstmals erschien und seit rund einem Jahr auch in deutscher Sprache vorliegt.

Die regelmäßigen Besuche zum Todestag von Friedrich Werner Graf von der Schulenburg seien alles andere als eine Pflichtübung, betont Skriebeleit, der zusammen mit Svimberský den Abend im Tagungszentrum der Burg Falkenberg gestaltet. „Wir wollen uns verstärkt den Kapiteln zuwenden, die Flossenbürg behandeln.“ Die Herausgeber untergliedern in Abschnitte: Der Verhaftung folgen Eindrücke aus dem Lager. Die Todesmärsche und schließlich die Befreiung bilden einen düsteren Abschluss.

Ungewöhnlich für ein Werk dieser Art sind die darin enthaltenen Landschaftsmalereien und Ortsbeschreibungen. „Machácek war ein Heimatforscher“, verweist Skriebeleit auf die Passagen, die den Parksteiner Basaltkegel oder die Bergrücken des Böhmer und Oberpfälzer Waldes bildreich beschreiben. Erzählt wird auch von der Burgen- und Ruinenvielfalt, Straßen und alte Häuser zeichnen ein ungewöhnliches Stimmungsbild. Mehr und mehr aber wandelt sich der Erzählstil. Fast im Stakkato nähert sich Machácek den Todesmärschen. Die Fliegerangriffe mehren sich. Provozierend schreibt Machácek in der tschechischen Erstausgabe: „Die Deutschen sind keine Menschen.“ Das Buch wurde auch im Nachbarland vorgestellt. Die Resonanz war eher negativ, blickt Jörg Skriebeleit auf die Buchpräsentation in Tschechien zurück.

Einige der von Kren gemachten Bilder, ebenso dazu passende Zeichnungen Ota Matouseks aus dessen Bilderzyklus „Konzentrationslager“ ergänzen die rund 90-minütige Gedenkveranstaltung im Tagungszentrum der Burg. „Warum ich mich erinnere?“ zitiert Jörg Skriebeleit den tschechischen Intellektuellen, der in der Originalausgabe ergänzte: „Weil es unmöglich ist zu vergessen.“

Hintergrund:

„Pilsen – Theresienstadt – Flossenbürg“: Die von Jörg Skriebeleit, Jan Svimberský und Christa Schikorra herausgegebene und von Kathrin Janka übersetzte Überlebensgeschichte eines tschechischen Intellektuellen ist im Wallstein-Verlag am 27. Februar 2017 erstmals erschienen und zum Preis von 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. (ISBN 9783835318861).

Man habe sich auf die Fahne geschrieben, zum Gedenken an die Hinrichtung des Grafen, jährlich eine Gedenkveranstaltung anzubieten, so Bürgermeister Herbert Bauer (vorne), als er Jörg Skriebeleit (links) und Jan Svimberský (Zweiter von links) begrüßt.
Abwechselnd lesen Jörg Skriebeleit (links) und Jan Svimberský aus ihrem 2017 erschienenen Werk.

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