Erinnerungen an Alwine Duberg: Wie eine streitsüchtige Frau in Falkenberg für Ärger sorgte

Falkenberg
18.11.2022 - 15:27 Uhr

"Die schönste Frau von Teheran" – so lautete jetzt der Titel eines Vortrags in Falkenberg. Politikwissenschaftler Stefan Piasecki beleuchtete das Leben von Alwine Duberg und ihre Beziehung zu Friedrich Werner Graf von der Schulenburg.

Am 10. November 1944 wurde Friedrich Werner Graf von der Schulenburg in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Anlässlich des 78. Todestages widmete sich Politikwissenschaftler Stefan Piasecki in einem rund zweistündigen Vortrag in Falkenberg der Lebensgefährtin des Grafen: Alwine Duberg.

Als Friedrich Werner Graf von der Schulenburg die Burg Falkenberg 1936 erwarb, war sie eine Ruine. Das Ziel, sie zu sanieren, konnte er verwirklichen. Nicht aber den Traum, gemeinsam mit Alwine Duberg dort den Lebensabend zu verbringen. Wer aber war diese schillernde Person und woher stammte sie? Wie war das Verhältnis zu Schulenburg und den Einwohnern von Falkenberg? Auf Einladung des Vereins "Forum Falkenberg - Freunde der Burg" lieferte Stefan Piasecki umfassende Informationen in seinem Vortrag mit dem Titel "Alwine Duberg, die schönste Frau von Teheran". Dahinter müsse man aber ein Fragezeichen setzen, meinte der Referent. "In Teheran gibt es viele schöne Frauen."

Stefan Piasecki ist Professor für Soziologie und Politikwissenschaften an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Duisburg. Wichtige Stationen seiner Laufbahn waren von 2016 bis 2019 die National School of Cinema Teheran und Universitäten in Zandschan und Teheran. Piasecki wolle, so versprach er eingangs, "Legenden und Mythen zerstreuen" und das Land Persien (heute Iran) und dessen Hauptstadt näherbringen.

Keine Heirat möglich

Friedrich Werner Graf von der Schulenburg habe Alwine Duberg bei seiner Tätigkeit als Botschafter in Teheran kennengelernt. Dorthin sei die aus bürgerlichen Verhältnissen stammende gebürtige Petersburgerin ausgewandert. Ihr Vater sei Schneider gewesen und habe ein Pelzgeschäft geführt. 1918 habe Duberg einen spielsüchtigen Kaufmann geheiratet, nach dem Aus der Ehe nach fünfeinhalb Jahren hätten sich Duberg und Schulenburg ineinander verliebt. 20 Jahre lang sollte die Beziehung dauern. "Sie blieb die ewige Braut, weil der Graf sie nicht heiraten konnte", sagte Piasecki und schob nach: "Alwine war ja keine Reichsdeutsche."

Mit Blick auf seine Recherchen gestand der Referent: "Was ich immer überraschend finde, ist die Erkenntnis, dass die Menschen vor 100 Jahren genauso waren wie wir." Ergänzt von zeitgenössischen Fotos und kopierten Dokumenten mit Zitaten (darunter verwendete Kosenamen) beleuchtete Piasecki Dubergs und Schulenburgs Beziehung, die sich in täglichen Briefen widerspiegelte. Sicher sei, so Piasecki, dass Duberg keine Adelige gewesen sei. Den Namenszusatz "von" habe sie von ihrem Geliebten geschenkt bekommen. Angesichts ihrer Zweifel an der Rechtmäßigkeit dieses Schritts habe Schulenburg gesagt: "Niemand fragt danach und dir ist es doch egal."

In Falkenberg habe Alwine Duberg den Wiederaufbau der Burg überwacht. Doch hier sei die alkoholabhängige Frau ein Fremdkörper gewesen. In einem Brief an Schulenburg, den sie direkt an die Moskauer Botschafts-Adresse schickte, schrieb Duberg: "Bring mir eine Pulle Cognac mit. Das Bier schmeckt nicht." In einem späteren Schreiben bat von Schulenburg seine Geliebte: "Bitte, tu mir den Gefallen, nicht mehr zu trinken." Und weiter: "Man behauptet, dass du schon im ganzen Stiftlande als die betrunkene Baronin bekannt seiest." Das Schreiben endet mit der Bitte: "Tausend herzliche Grüsse an die Falkenberger."

Aus dem Ort geworfen

Piasecki fuhr fort: "Die streitsüchtige Frau machte Schulenburg zu einem Sicherheitsrisiko und ganz Falkenberg struppig." Die Leute hätten mit Sturheit gekontert. Duberg habe die Falkenberger "schrecklich" gefunden und sich nicht an das dörfliche Leben gewöhnen können. Schulenburg, der mit den Falkenbergern gut zurecht gekommen sei, habe Duberg ermahnt, sich mit ihnen zu versöhnen. 1941 sei die Wahl-Falkenbergerin denunziert und aus dem Ort geworfen worden, kurz darauf sei sie inhaftiert worden. Nur unter größten Mühen sei es Friedrich Werner Graf von der Schulenburg gelungen, sie wieder frei zu bekommen.

Im April 1944 wurde Alwine Duberg erneut verhaftet, kurz darauf starb sie unter ungeklärten Umständen. Vermutet wird, so Stefan Piasecki, dass sie wie auch der Graf von den Nationalsozialisten umgebracht wurde. Ihre letzte bekannte Adresse lautete Nassauische Straße 43 in Berlin-Wilmersdorf.

 
 

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