23.04.2019 - 14:10 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt

Wer Adrian Roßner kennt, der weiß: Der Abend mit ihm wird mit großer Sicherheit kurzweilig. Frisch von der Leber weg plauderte der Historiker aus Zell bei der KEB aus dem oberfränkischen "Nähkästchen".

Adrian Roßner zeigte sich von der historischen Wirtsstube im „Roten Ochsen“ begeistert.
von Werner RoblProfil
Zur Heimat gehören auch die überlieferten Bräuche, die – so Adrian Roßner – von Region zu Region verschieden sein können.

Für den Vortragsabend "Heimat hat viele Gesichter" hätte man kaum einen besseren Ort als den historischen Gasthof "Zum Roten Ochsen" aussuchen können. "Dahaam is für jeden wos ander's", nannte Referent Adrian Roßner als Untertitel seines rund 60-minütigen Vortrags und bediente sich der Mundart, die rund um den Waldstein üblich ist. Zu einem 59stel sei er auch ein Oberpfälzer, sogar mit adeligen Wurzeln., aber dazu müsse man schon sehr weit zurückgehen. "Machen wir uns doch einmal auf die Suche nach unserer Identität", verließ er gedanklich flugs den Vortragsort Falkenberg und machte sich auf in Richtung Fichtelgebirge. "Wie's bei euch war, weiß ich leider nicht." Adrian Roßner nimmt beim Erzählen gerne auch die Mimik und beide Hände zu Hilfe. Das Manuskript hatte er auf einem Tablet-PC gespeichert. "Ich red aber lieber frei. Ich mog' halt des Gwaaf, wie's mir einfällt." Von der Fichtelgebirgsheimat erzählte der Referent, den man auch vom Bayerischen Fernsehen kennt ("Adrians G'schichtla"), beleuchtete ausgiebig die Mittelgebirgslandschaft mit seinen Höhen, Tälern, Burgen und Turmhügeln. Die Mönche hätten wohl maßgeblich dazu beitgetragen, dass kleine Ansiedlungen entstanden, um sich - mal mehr, aber auch mal weniger - zu Orten oder Städten zu entwickeln. "Man zog halt da und dort hin und blieb dort haften, wo man gut leben konnte", fasste Roßner zusammen. "Heimat war da, wo man sich wohlfühlte." Wer einen gemütlichen Ausflug in die angeblich heile Welt des Mittelalters oder der Romantik erwartet hatte, sah sich getäuscht. "Die rosarote Brille trügt. Das Schöne von früher wurde von den Menschen erfunden", sprach er entsprechende Stimmungsbilder von Malern wie Caspar David Friedrich an. Beim Stichwort "Minnesänger" merkte Roßner an: "Das glauben Sie doch selber nicht, dass die Burgherren im Fichtelgebirge - ohne beheizbare Stuben und ohne elektrisches Licht - von der Liebe gesungen haben?" Damit hatte er nicht zum ersten Mal die Lacher auf seiner Seite. "Heimat ist mehr als nur eine Region", erklärte er. "Heimat ist, wo Freunde und gute Nachbarn wohnen." Heimat sei zudem ein probates Mittel, Kraft zu tanken. Schließlich nannte der Heimatforscher noch einen Lieblingssatz: "In einem vielfältigen Land ist kein Platz für Engel." Diese Vielfalt gelte es zu erhalten.

Zur Person:

Der 1991 geborene Adrian Roßner studierte nach dem Abitur am Gymnasium Münchberg an der Bayreuther Universität Anglistik und Geschichte, legte das Staatsexamen in Schulpädagogik ab. 2017 folgten die Examen in Europäischer Geschichte und Anglistik. In seiner Dissertation befasste er sich mit der Textilindustrie in Oberfranken. Der Fachbuch- und Roman-Autor ist auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Qualitätsoffensive für Lehrerbildung tätig. Roßner ist stellvertretender Vorsitzender des FGV-Hauptvereins.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.