02.04.2019 - 11:04 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Mit dem Herzen in der Arktis

Für Birgit Lutz ist die Arktis wie ein zweites Zuhause. Wenn sie nicht dort ist, hält sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz Vorträge über die faszinierende Eiswelt. Auch in Falkenberg begeistert sie ihr Publikum.

Die Arktis hielt viele Hindernisse für das Team bereit: Auch gebrochenes Eis musste überwunden werden.
von Redaktion ONETZProfil

Mit einem Besuch auf einem Eisbrecher fing alles an: Birgit Lutz verliebte sich in die arktische Welt. Sie wechselte Berufe, machte vier Touren durch das Eis, schreibt seitdem Bücher über ihre Erfahrungen und hält audiovisuelle Vorträge zu ihren Erlebnissen. So auch im Tagungsraum der Burg Falkenberg.

Möglich gemacht hat das Peter Bork, dritter Vorsitzender von "Forum Falkenberg – Freunde der Burg". Er lernte Lutz auf einer Schiffsexpedition nach Spitzbergen kennen, ihrem heutigen Arbeitsplatz. Nachdem Bork dort einen ihrer Vorträge gehört hatte, lud er die gebürtige Neumarkterin kurzerhand nach Falkenberg ein.

In ihrem anderthalbstündigen Vortrag erzählte Lutz von ihrer ersten Tour durch die Arktis im Jahr 2010. Zwei Jahre dauerte die Vorbereitung auf den Trip: Training von Fitness und Stärke, Planung, Listen schreiben. Dann ging es los: Erst nach Longyearbyen in Spitzbergen, von dort weiter nach Barneo, ein Forschungslager nahe des geographischen Nordpols. Gemeinsam mit einem Team aus vier weiteren Leuten unter der Leitung von Thomas Ulrich, einem erfahrenen Arktis-Guide, startete die Tour. Beginn: der 89. Breitengrad. Das Ziel: der Nordpol. Der Plan: In sechs Tagen die 110 Kilometer dorthin mit Skiern bestreiten.

Dabei musste die Gruppe mehrere Probleme bewältigen: negative Drift, gebrochenes Eis, Unstimmigkeiten untereinander, offenes Wasser und Sturm. "Thomas sagte danach immer, diese sei mit Abstand die anspruchsvollste Tour gewesen, die er je gemacht hat", erklärte Lutz in ihrem Vortrag. Der Anstrengung und den dauerhaften Rückschlägen durch die Drift, der dynamischen Bewegung des Eises, die die Abenteurer nachts immer weiter vom Nordpol entfernte, konnten nicht alle standhalten. Zwei Mitglieder des Teams ließen sich bereits während der Tour von einem Hubschrauber abholen.

"Der Wille, das zu schaffen, muss tief in einem drin sein", so Lutz. "Wenn dieser Wille nicht da ist, wird man auf so einer Tour sehr leiden." Auch sie hatte Angst und Zweifel: "Bin ich zu langsam? Bin ich stark genug?" Solche Gedanken hatte auch sie. "Vor allem als einzige Frau in einer Männergruppe."

Birgit Lutz erzählte aber auch von der Kameradschaft, die sich unter den drei verbliebenen Team-Mitgliedern entwickelte, und brachte Anekdoten ein, die zum Schmunzeln anregten. "Wenn wir während des Tages Pausen machten, dauerten die zehn Minuten", berichtete sie. "Da muss man so viel essen, wie geht. Da stopft man sich schon einmal 200 Gramm Speck und eine Tafel Nussschokolade rein."

Am fünften Tag schlug Thomas Ulrich einen Strategiewechsel vor: Ab sofort schliefen die drei Abenteurer nur noch sechs Stunden bei gleichem Arbeitsaufwand, um die Drift überwinden zu können. Ein Sprint zum Nordpol - die einzige Möglichkeit, in diesem Jahr die Tour noch vollenden zu können. "Das war brutal anstrengend", erinnert sich Lutz.

Sie schafften es. Anstatt der geplanten sechs Tage brauchten sie zwölf. Sie waren in diesem Jahr allerdings das einzige Team, das es schaffte - alle anderen mussten vorher aufgeben. Am Nordpol waren sie wegen der Drift insgesamt zirka fünf bis zehn Minuten, vermutet Lutz. Gelohnt habe es sich aber auf jeden Fall. Bereits im Jahr darauf machte sie die Tour ein zweites Mal. Und blieb mit dem Herzen in der Arktis hängen.

Birgit Lutz an ihrem Lieblingsort: mitten in der Arktis.
Birgit Lutz zog auf ihren Skiern einen Schlitten mit bis zu 50 Kilogramm Gewicht, beladen mit allem, was sie während der Tour brauchte, hinter sich her.
Birgit Lutz las während ihres Vortrags auch aus ihrem Buch "Unterwegs mit wilden Kerlen".
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.