Begleitet von der Stadtkapelle zogen die Vereine in Mitterteich am Samstagabend zum Kriegerdenkmal. Bürgermeister Roland Grillmeier erinnerte an die „Urkatastrophe des Ersten Weltkriegs“, der viel Leid über die Soldaten und Zivilbevölkerung gebracht habe. Leider sei das bittere Leid nicht genutzt worden, um Grundlagen für den Frieden zu schaffen. Grillmeier zeigte sich überzeugt, dass Deutschland aus seiner Geschichte gelernt hat. „Seit mehr als 70 Jahren ging von deutschem Boden kein Krieg mehr aus. Grillmeier zeigte sich überzeugt, dass dies nicht gelungen wäre, wenn Scharfmacher, wie es sie heute gebe, die Rhetorik vergiftet hätten. Deutschland sei ein anderes Land geworden. Heute sind wir der Friedensbewahrer und Stabilitätsanker in Europa und nicht mehr Aggressor und Kriegstreiber wie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.“ Grillmeier bat: „Arbeiten wir weiter am Frieden in der Welt.“ Stadtpfarrer Anton Witt und sein evangelischer Kollege Martin Schlenk bereicherten mit eigenen Wortbeiträgen die Veranstaltung.
Marsch zum Kalvarienberg
Das Kriegerdenkmal auf dem Kalvarienberg war Schauplatz der Gedenkfeier in Falkenberg. Nach dem Gottesdienst in der Pfarrkirche bewegte sich der Zug hinauf zur Gedenkstätte. Die Ansprache dort hielt Bürgermeister Herbert Bauer, die Andacht am Mahnmal Pfarrvikar Franklin Mboma Emboni. Der Tag sei auch ein Tag des Engagements für ein gelingendes Miteinander in Europa, meinte der Bürgermeister. "Nur Versöhnung, Kooperation und Verständigung schaffen einen dauerhaften Frieden. Der Volkstrauertag bringt uns keinen einzigen Gefallenen zurück. Aber er kann verhindern, dass wir weitere beklagen müssen."
In Friedenfels fanden die Feierlichkeiten zum zweiten Mal nicht mehr auf dem Schusterberg, sondern am Gedenkstein beim Friedhof statt. Nach dem Gottesdienst mit Pater Helmut Stadermann zogen Pfarrangehörige, Gläubige und Vereine zur Gedenkstätte. Bürgermeister Gottfried Härtl erinnerte besonders an die im Ersten Weltkrieg gefallenen 54 Soldaten aus Friedenfels und den Ortsteilen. Sie würden angesichts der vielen Opfer des Zweiten Weltkrieges oft vergessen. Die Jugendblaskapelle Konnersreuth umrahmte die Feier. Zum Gedenken wurden im Auftrag der Soldaten- und Reservistenkameradschaft, des VdK und der Gemeinde drei Kränze niedergelegt.
Eine Verpflichtung
Mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael und einer Feier am Kriegerdenkmal erinnerte die Marktgemeinde Wiesau an die Opfer der Weltkriege und des Terrors. "Wir begehen heute einen Feiertag, den ich persönlich als schwer empfinde", hob Bürgermeister Toni Dutz hervor. "Die Zeitzeugen werden immer weniger. Kaum jemand kann noch von den persönlichen Erlebnissen und Grausamkeiten der Kriegstage berichten." Weltweit dürfe es keine Alternative zum Frieden geben: "Man muss der Jugend begreifbar machen, dass es sich beim Volkstrauertag nicht um ein verstaubtes Ritual aus einer fernen Vergangenheit handelt." Dutz erinnerte an die mehr als 80 Millionen Tote beider Weltkriege. "Das sind etwa so viele, wie Deutschland Einwohner hat. Da läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter."
Auch in Fuchsmühl wurde schon am Vorabend der Opfer gedacht. Dem Gottesdienst mit Pfarrer Joseph folgten mahnende Gedanken, vorgetragen von Andreas Günthner, und Gesänge des Kirchenchors. Bürgermeister Wolfgang Braun erinnerte an die Entstehung des Volkstrauertages. "Das Chaos nach dem Ersten Weltkrieg enthielt bereits die Saat für den nächsten", stellte er fest. Soldatenfriedhöfe seien stumme Mahner. Kriege seien keine Naturkatastrophen. "Die Auseinandersetzungen werden von Menschen gemacht. Wir haben den Auftrag die Zukunft friedvoll zu gestalten."
Bürgermeisterin Friederike Sonnemann machte am Samstagabend in Waldershof in der Neuen Kirche deutlich, dass der Volkstrauertag ein Tag des Nachdenkens sei, "wie wir heute auf Krieg und Gewalt reagieren und was wir ganz persönlich, aber auch als reiches Land in einem freien und friedlichen Europa für Freiheit und Menschlichkeit auf der Welt tun können". Zum Erstarken der nationalistischen Parteien sagte Sonnemann: "Es ist unser aller Aufgabe, diesen undemokratischen Entwicklungen entgegenzuwirken." Zu Europa führte die Bürgermeisterin aus, dass es erstaunlich sei, dass nun schon wieder einige EU-Mitglieder nach vermeintlicher Autonomie streben und den "europäischen Gedanken" aufs Spiel setzten. "Wir müssen uns für den europäischen Gedanken einsetzen, der uns immerhin 70 Jahre Frieden beschert hat."
Es sei ein Tag des Verzeihens, aber nicht des Vergessens, sagte zweiter Bürgermeister Karlheinz Hoyer in Waldsassen. Er schlug den Bogen zur heutigen Welt, wo sich angeblich demokratisch gewählte Staatsoberhäupter als unberechenbare Alleinherrscher darstellten, wo terroristische Attentäter und fanatische Gotteskrieger Bluttaten anrichten. Erst in der Not zeige sich, dass der materielle Wohlstand nicht zu den höchsten Gütern und Werten zähle. Die christliche abendländische Kultur sei ein Eckpfeiler für ein friedliches Miteinander in Europa, sagte Hoyer. Deutschland könne heute auf Jahrzehnte des Friedens zurückblicken. "Aber wir müssen auch den Mut aufbringen, uns dagegen zu stellen, wenn Tendenzen und Gruppierungen zu erkennen sind, die an unserer freiheitlichen Grundordnung rütteln und mit Sprüchen und nicht haltbaren Aussagen Unruhe in der Bevölkerung verbreiten."
Zug zum Kriegerdenkmal
In Konnersreuth zogen die Vereine am Sonntag mit der Konnersreuther Blasmusik von der Pfarrkirche aus zum Kriegerdenkmal am Friedhof. "Es muss uns allen klar sein, der Weg zu einem dauerhaften Frieden kann niemals über den Kampf mit Waffen erreicht werden", sagte Bindl. "Die Welt ist in den letzten Jahren nicht friedlicher geworden, im Gegenteil, es vergeht kein Tag ohne Meldungen über Angriffe, Kämpfe und Vergehen gegen die Menschlichkeit." Bedauerlich fand Bindl, dass manche den Frieden über den Einsatz ihrer Streitkräfte erreichen wollen. "Frieden kann nur durch den Kampf mit Worten erreicht werden." Bindl forderte, die Erinnerung an die Toten der Weltkriege wachzuhalten. "Wer seine Vergangenheit vergisst, setzt sich der Gefahr aus, sie zu wiederholen."













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