25.09.2018 - 16:13 Uhr
FensterbachOberpfalz

Kampf um die "Window Creek Dusttrails"

„Eigentlich habe ich meine gesamte Jugend hier im Wald verbracht", sagt Kilian Kemptner aus Fensterbach. Er hat mit Freunden die Mountainbike-Anlage "Window Creek Dusttrails" geschaffen. Doch die ist nun bedroht.

Kilian Kemptner hat sich einem atemberaubenden Hobby verschrieben. Auf den Rampen geht es hoch hinaus.
von Externer BeitragProfil

Um seinem Hobby nachgehen zu können, hat er lieber gemeinsam mit seinen Freunden den Wald umgegraben und eine Mountainbike-Anlage geschaffen. Jetzt ist der Erhalt des selbsterbauten Werks bedroht.

Mit zwölf Jahren wurde Kilian Kemptners Neugierde auf den Radsport in einem Magazin geweckt. Seine Liebe zum „Freestyle Mountainbike“ entwickelte sich von einfachen Bergabfahrten im Wald bis hin zu ausgetüftelten Sprüngen über Schanzen und Hindernisse. „Leider gibt es in der Region keine wirklichen Möglichkeiten, um diesem Hobby nachzugehen“, erklärt der gelernte Schreiner. „Und deshalb haben wir angefangen uns selbst die Hindernisse im Wald aufzubauen.“ Mit der Erlaubnis eines befreundeten Landwirts begannen Kilian Kemptner und seine Freunde in einem Waldstück bei Fensterbach mit Erde und Schaufel die „Trails“ im Wald anzulegen. „Es gab nie wirklich eine Planung dafür, wie das ganze einmal ausschauen sollte. Nach und nach haben wir immer mehr dazugebaut und die Strecken erweitert“, berichtet Kemptner von der Entstehung. Über mehr als zehn Jahre verlief dieser stetige Ausbauprozess und heute sind die Trails bestückt mit meterhohen Schanzen, die zum Teil aus Holz gefertigt werden – alles in eigener Handarbeit.

Wer einmal inmitten der Hindernisse und Holzkonstrukte im Wald steht, der erkennt, dass hier nicht nur mit viel Kraft und Schweiß gearbeitet – sondern auch gelebt wurde. Für Kilian Kemptner sind die „Window Creek Dusttrails“- der Name des Parks, der sich übrigens aus dem englischen „Fensterbach“ ableitet - sein zweites Zuhause: „Meine Freunde und ich haben hier quasi unsere gesamte Jugend verbracht. Jeden Tag nach der Schule sind wir hier her und haben weitergebaut oder sind unsere Strecken gefahren und haben trainiert. Die Window Creek Dusttrails sind mittlerweile auch innerhalb der Freestyle-Mountainbike-Szene bekannt und geschätzt, denn der Waldboden auf dem sie sich befinden ist zum Fahren besonders gut geeignet und die Schanzen, sind dank Kemptner und seinem besten Freund, die beide beruflich als Schreiner tätig sind, alles andere als amateurmäßig.

„Wenn jemand bei uns fahren will, geht das in der Regel nicht, ohne dass man sich vorher mit uns in Verbindung setzt. Hier fahren nur Leute, wenn einer von uns auch hier ist und ein Auge auf das Geschehen hat“, teilt der Mountainbiker mit. Sowohl der Grundstückseigentümer, als auch die Gemeinde und ihre Bürger haben das Treiben im Wald, so Kemptner, jahrelang geduldet und kamen auch ab und zu selbst vorbei, um den Jungs auf ihren Fahrrädern bei ihren Stunts zuzusehen.

Doch all dem wurde nun ein Ende bereitet. Denn da Kilian Kemptner und seine Freunde keine Baugenehmigung für den Park haben, musste er – nachdem er zufällig von einem Mitarbeiter des Landratsamtes entdeckt wurde – geschlossen werden. Das Holztor mit der Aufschrift „Window Creek Dusttrails“, durch das man in dem Park gelangt, ziert nun ein rot-weiß-gestreiftes Absperrband mit einem „Benutzung verboten“ -Schild.

Hans Prechtl, Pressesprecher vom Landratsamt Schwandorf erklärt: „Das Problem bei der Sache ist, dass der Bauprozess so schleichend voranging und im Laufe der Jahre immer mehr dazugebaut wurde. Jetzt sind wir an einem Punkt, dass aufgrund der Dimension des Parks, das Landratsamt die Augen nicht mehr davor verschließen kann.“

Kilian Kemptner kann die Maßnahmen des Landratsamtes nachvollziehen, trotzdem will er die Anlage nicht ohne Weiteres aufgeben. In einer Online-Petition wendet er sich an das Landratsamt: „Mit der Petition möchte ich einfach zeigen, dass es viele Stimmen gibt, die sich gegen die Schließung der Trails ausprechen und ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe.“, begründet der Schreiner seine Maßnahme. Seine Petition hat bereits mehr als 2500 Unterstützer, die für den Erhalt der Window Creek Dusttrails sind. „Dass ich mich dafür einsetze, die Trails zu erhalten ist nicht nur eigennütziges Interesse. Hier in der Gegend kann man diesem Sport sonst nicht wirklich nachgehen. Deshalb wär es schön, wenn wenigstens diese eine Anlage für Anhänger der Szene zur Verfügung steht und die ihr Hobby hier ausleben können.“

Hintergrund:

Laut Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamtes Schwandorf, läge die Lösung der fehlenden Baugenehmigung für die Trails in der Aufstellung eines „vorhabenbezogenen Bebauungsplans“, der vom Gemeinderat Fensterbach beschlossen werden müsste. „Das letzte Wort hat hier der Gemeinderat Fensterbach, der für den Kampf zur Erhaltung der Anlage mit ins Boot geholt werden muss.", bekräftigt der Pressesprecher und fügt hinzu: „Nachdem im Gemeinderat über einen Entwurf für den Bebauungsplan abgestimmt worden ist, müssten außerdem noch diverse Träger öffentlicher Belange ‒ in diesem Fall zum Beispiel der Naturschutz oder der Forstschutz – über das Vorhaben informiert werden. Diese können dem Gemeinderat dann ihre Bedenken mitteilen, woraufhin über verbesserte Pläne abgestimmt wird.“

Das Bebauungsplan-Verfahren ist laut Prechtl ein mehrmonatiges Verfahren, bei dem nicht von heute auf morgen Entscheidungen fallen werden. „Von Seiten des Landratsamtes wird da nichts scheitern, sofern der Gemeinderat den Erhalt bestimmt und regelt.“, bestätigt Hans Prechtl.

Auch Kilian Kemptner lässt sich von den endlosen komplizierten Verfahren nicht einschüchtern: „Ich bin zuversichtlich, dass die Kooperation mit den Behörden und Ämtern funktioniert und wir das hinkriegen, dass unsere Anlage bestehen bleibt.“ Für ihn und seine Mitstreiter beginnt nun ein langer Weg der Bürokratie. Doch mit seiner Liebe zum Mountainbiken und der Entschlossenheit, die er mitbringt, wird er hoffentlich auch sein Ziel erreichen und bald wieder über die Schanzen auf den Window Creek Dusttrails hinunterjagen.

Viel Arbeit haben Kilian Kemptner und seine Freunde in die Anlage investiert.

Für die Anlage fehlt die baurechtliche Genehmigung

Mit der Kamera werden die Sprünge festgehalten, um später Korrekturen vorzunehmen.

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