17.06.2020 - 14:37 Uhr
FensterbachOberpfalz

Sendemast umstritten, aber privilegiert

40 Meter hoch und mitten hineingesetzt zwischen die Dörfer Knölling und Dürnsricht: Der umstrittene Sendemast steht. "Schön ist anders", lautet ein Kommentar des Bürgermeisters.

Da steht er jetzt, der 40 Meter hohe Sendemast. Mitten in der Landschaft und nicht weit weg vom Knöllinger Dorfrand. Doch dazwischen soll sich in der Zukunft noch ein Neubaugebiet schieben.
von Autor HOUProfil

Die Angelegenheit begann vor einem Jahr. Im Sommer 2019 wurden Gemeinderäte plötzlich mit einem Thema konfrontiert, das schon nach kurzer Debatte auf einhellige Ablehnung stieß. Die Deutsche Funkturm GmbH, eine Tochter der Telekom, wollte auf freiem Feld zwischen Knölling und Dürnsricht einen 40 Meter hohen Sendemast errichten. Das Projekt wurde zurückgewiesen. "Mit Entsetzen", wie es in einer Überschrift des Artikels über die Sitzung hieß. Nun steht er.

Ablehnung greift doch nicht

Der Mast, nun wie ein neues "Wahrzeichen" der Gemeinde auf ansteigendem Freigelände stehend, ist ein sogenanntes privilegiertes Bauvorhaben. Mit anderen Worten: Gewählte Gemeinderäte haben nur die Möglichkeit der Zustimmung. Im Grund genommen unvorstellbar. Doch an solchen Projekten, da muss man nur ins Internet schauen, haben sich schon andere Kommunalparlamente die Zähne ausgebissen.

Das Landratsamt Schwandorf machte in der Folgezeit darauf aufmerksam, dass zugestimmt werden müsse. In einer Sitzung des Fensterbacher Bauausschusses wurde daraufhin das Thema Funkmast erneut behandelt. Mit dem Abstimmungsergebnis von 3:3. Dieses Patt musste erneut als Ablehnung gewertet werden. Doch geholfen haben die Bedenken nichts: Der Betonturm wurde genehmigt.

Zerschneidung der Sicht

Im Ohr blieb, was der damals noch amtierende Gemeinderat Carl Graf zu Eltz in die Waagschale warf. Er argumentierte sinngemäß, dass dieses 40 Meter hohe Gebilde die Sicht zwischen den Dörfern von Dürnsricht bis hinüber nach Wolfring zerschneide. Ein Klotz in der Landschaft. Genau so ist es nun gekommen.

Die Gemeinde hatte im Verlauf der für sie ziemlich einseitigen Auseinandersetzung noch einmal nachgelegt. In einem Brief informierte Bürgermeister Christian Ziegler das Landratsamt über ein neues Baugebiet, das nach vollzogenem Grunderwerb durch die Kommune in östlicher Richtung an die jetzige Wohnsiedlung von Knölling grenzen werde. Auch das hatte keinen Einfluss auf die Genehmigung des privilegierten Vorhabens.

Funkmast Thema im Gemeinderat

Fensterbach

Nun steht er also, dieser umstrittene Sendemast. Auf verpachtetem Privatgrund und von Bürgern unterdessen sarkastisch als "neues Wahrzeichen von Fensterbach" beschrieben. Ein Koloss, hoch aufragend in einer von Agrarwirtschaft geprägten Landschaft. Unzweifelhaft dient er der Absicht, Funkverbindungen zu verbessern. Das weiß auch der Bürgermeister. "Jeder will telefonieren", sagt Christian Ziegler. "Aber schön ist das nicht, was man hier gemacht hat."

An dem neuen Baugebiet östlich des Knöllinger Dorfrands hält die Gemeinde fest. "Wir haben sonst kein anderes anzubieten", weiß der Bürgermeister. Nun wird man abwarten müssen, wie sich die Grundstücke mit dem Blick auf den monströsen Betonmast absetzen lassen. Auch zum Thema "privilegiert" hat Christian Ziegler eine Meinung. "Ganz begriffen habe ich das bis heute nicht", sagt er. In dieser Auffassung ist sich das Gemeindeoberhaupt mit vielen Bürgern einig.

Kommentar:

Wenn der Staat den Rücken beugt

Richtig: Wir alle wollen telefonieren und damit teilhaben an einer hochtechnisierten Kommunikationswelt. Doch damit kann es keine unbedingte Freiheit geben für alles, was sich Betreiber so vorstellen.
Allerdings sind sie, wie man schmerzlich erfahren muss, die Privilegierten im Land. Mit anderen Worten: Die Unternehmen schaffen an und der Staat pariert.
Es gibt einen vom Bürger gewählten Fensterbacher Gemeinderat, der mit dem Sendemastprojekt konfrontiert wird und dem vom Gesetz her nichts anderes übrig bleibt, als zuzustimmen. Man glaubt es nicht. Die Volksvertreter fassen sich ein Herz, lehnen ab und werden belehrt wie Schulbuben. Wie zu Kaisers Zeiten. Mit der Maßgabe: Macht was ihr wollt, genehmigt wird auf alle Fälle. Ein Stück aus der unteren Schublade von Demokratie.
Jetzt steht dieser Betonklotz zwischen Knölling und Dürnsricht. Er hätte sicher auch aus der landschaftlichen Deckung heraus seine Funktion erfüllt. Doch da sind Privilegierte, die offenbar nach Gutdünken fuhrwerken können. Egal nun, welche Einsprüche geltend gemacht werden.
Ein Trauerspiel, bei dem der Staat den Rücken beugt.

Wolfgang Houschka

Im Hintergrund sind die aus dem Mittelalter stammende Kirche und das Schloss Wolfring zu sehen. Bisher Wahrzeichen der Gemeinde Fensterbach. Davor der in den vergangenen Tagen aufgestellte Sendemast. Vom Anblick her fast schon an das Stonehenge-Monument in England erinnernd und wie ein Klotz auf freiem Feld aufgestellt.
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