22.12.2019 - 14:29 Uhr
FensterbachOberpfalz

Die stade Zeit muss sich gedulden

Die stade Zeit beginnt für Sandra Schieder am 25. Dezember. Silvester vor der Dürnsrichter Kirche Sekt auszuschenken und eine Sternsinger-Gruppe zu bekochen, ist für die 43-Jährige weder Stress, noch bringt es sie ins Rotieren.

Ein Team studiert das Krippenspiel ein. Sandra Schieder kann sich auf Manuela Butz (vorne), Beata Zaremba (rechts) und Sabine Hauselr (nicht im bild) verlassen.
von Irma Held Kontakt Profil

Der kirchliche Arbeitsschwerpunkt der Pfarrgemeinderatssprecherin liegt im Advent auf dem Krippenspiel. Der Wolfringerin ist es peinlich, ihr ehrenamtliches Engagement in den Mittelpunkt zu rücken. Sie erwähnt, beim Krippenspiel zum Beispiel, mehrmals ihre nicht minder engagierten Mitstreiterinnen, Sabine Hausler, Manuela Butz und Beata Zaremba. "Hier kommt auch die Ökumene zum Tragen, Beata Zaremba ist evangelisch", sagt die Mutter von zwei Kindern und lacht.

38 Sprechrollen

38 Grundschulkinder spielen die Geburt Jesu am Nachmittag des Heiligen Abends nach. Jedes Kind hat eine Sprechrolle und jedes Jahr wird das Weihnachtsevangelium neu in Szene gesetzt. Da muss nach den Worten von Sandra Schieder schon auch umgeschrieben werden, denn eine Vorlage mit 38 Sprechrollen ist nirgendwo zu finden. Ende November beginnen die Proben. Sandra Schieder zufolge herrscht bisweilen Chaos. Am Probenabend am 16. Dezember ist gerade einem Erzengel etwas langweilig. Er überlegt, was er anstellen könnte. Die Engelschar feixt in einer Ecke, weshalb bleibt ihr Geheimnis. "Am Heiligen Abend reißt sich jeder zusammen." Die 43-Jährige hat es noch nicht erlebt, dass ein Krippenspiel in der Pfarrei Dürnsricht-Wolfring in die Hose gegangen ist.

Die Wolfringerin ist diesbezüglich aber auch die Gelassenheit in Person. Schließlich spielt sie seit ihrer Landjugendzeit Theater. Diese Saison endet mehr oder weniger, wenn die heiße Phase für Weihnachten beginnt. Damit hätte jeder andere zusätzlich zu Beruf, Familie und Haushalt beschäftigungsmäßig ausgesorgt. Sandra Schieder aber nicht. Sie singt im Chor "Charisma" - seit der Landjugendzeit. Im Pfarrgemeinderat sitzt sie - seit der Landjugendzeit.

Bei der Rockweihnacht schenkt sie alle Jahre wieder für den Theaterverein Glühwein aus. Das tut sie auch nach der Christmette am 24. Dezember. Für das Rorate am 17. Dezember wird ein eigener Projektchor gegründet. Ein Chor für eine Messe. Der Pfarrgemeinderat traf sich auch noch vor Weihnachten zu einer Sitzung. Ihr Mann trägt das alles mit und ihr gefällt es, "meinen Kindern mal mehr, mal weniger, aber sie sind damit groß geworden", ergänzt sie und bringen sich mit ein. Die Tochter sang beim Rorate mit, der Sohn ministriert. Nicht mehr aktiv ist die Wolfringerin im Familiengottesdienst-Team seit ihre Kinder dem Grundschulalter entwachsen sind.

Keine Weihnachtsbäckerei

Ihr ehrenamtliches Engagement ist für die 43-Jährige auch eine Frage des Miteinanders. "Die Pfarrei ist gut aufgestellt. Es sind viele Leute, die mit organisieren." Die Arbeit sei auf viele Schultern verteilt. Abstriche muss auch Sandra Schieder hie und da machen. "Plätzchen habe ich keine gebacken. Das bleibt auf der Strecke", sagt sie, macht aber nicht den Eindruck als würde sie das in eine Sinnkrise stürzen. Dann fällt ein Satz der ehrlich gemeint ist und aufhorchen lässt. "Weihnachten ist für mich am ersten Weihnachtsfeiertag, wenn ich für alle kochen darf. Ab diesem Zeitpunkt ist Ruhe." Für ihre Eltern, ihre Familie und die Familie ihrer Schwester zu kochen, stört sie gar nicht, im Gegenteil, das macht ihr Freude. Am 31. Dezember schenkt sie mit den Pfarrgemeinderatsmitgliedern nach dem Jahresabschlussgottesdienst noch Sekt aus. Die Sternsingergruppe bekommt heuer von ihr nichts zu essen. Familie Schieder ist nicht da.

Sandra Schieder kleidet einen der Weisen aus dem Morgenland ein.

Weihnachten ist für mich am ersten Weihnachtsfeiertag, wenn ich für alle kochen darf.

Sandra Schieder

Sandra Schieder

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