23.05.2019 - 08:00 Uhr
FensterbachOberpfalz

Die Steinerfinder

Wer das Stichwort Beton hört, denkt eher an Köpfe aus jenem Material, stur und unbelehrbar, als an Innovation, Ästhetik und Umweltschutz. Zumindest wenn er die Firma Godelmann aus Fensterbach noch nicht kennt.

Familienfoto mit Lkw (von links): Enkel Maximilian, Vater Bernhard junior und Großvater Bernhard Godelmann senior auf ihrem Betriebsgelände.
von mvsProfil

"Wir sind die ,Steinerfinder', weil wir genau das tun: Steine erfinden", beschreibt Geschäftsführer Bernhard Godelmann junior den Geist, der in der 1947 gegründeten Firma schon in dritter Generation weht. Wozu neu erfinden, ist der Oberpfälzer Granit nicht gut genug? "Granit, der heute verbaut wird, stammt längst nicht mehr aus bayerischen Steinbrüchen, sondern günstiger aus Fernost", stellt Godelmann klar, "und auch wenn ,Naturstein' gut klingen mag, sind unsere Steine innovativer, intelligenter und umweltfreundlicher."

Graniteinschlüsse in einem gegossenen Betonstein aus dem Hause Godelmann.

Steinrezepturen

Ökologische Steine von Godelmann sind im Gegensatz etwa zu Granit wasserdurchlässig, "sie speichern das Wasser wie ein Schwamm, und lassen einen Teil direkt an Ort und Stelle versickern. Die neuen Steine der Linie ,Ecosave protect' sind sogar in der Lage, Schwermetalle, Feinstaub und Autoöl herauszufiltern, Gleichzeitig kann das Regenwasser verdampfen", erzählt Godelmann von Flächen, die zu einem positiven Stadtklima beitragen: "Stellen Sie sich eine Wiese nach einem Sommerregen vor. Statt Flächen stupide zu versiegeln, empfinden wir sie mit unserem Klimastein nach."

Nach ungefähr einem Jahrzehnt müssen diese Flächen tiefporig gereinigt werden. Dafür wurde ein spezielles Reinigunsverfahren entwickelt: "Das funktioniert wie ein Nassstaubsauger, nur dass erst Wasser in den Stein hineingepresst, und anschließend mitsamt den Schadstoffen herausgesaugt wird. Diese Technik ist auf Flugzeugrollbahnen üblich und konnte auf unsere Steine übertragen werden."

Auch auf die erhöhten Feinstaubbelastungen in Großstädten reagieren die "Steinerfinder" mit Innovation: "Letztes Jahr wurden in der Großen Langgasse in Mainz gut 14 000 Quadratmeter aus unserer Produktlinie ,Airsave' verlegt. Titandioxyd in der Oberfläche der Steine bindet Stickoxide aus Autoabgasen, ein unendlicher Katalysator. Die Luft ist messbar verbessert." Nachhhaltigkeit spielt im Hause Godelmann, in dem aktuell knapp 400 Menschen beschäftigt sind, eine zentrale Rolle: "Schützen, bewahren, erhalten", bringt Godelmann das Prinzip auf den Punkt. Seit 2015 produziert das Unternehmen CO2-neutral, nachhaltig zu wirtschaften hat Tradition. "Nicht jeder Stein entspricht unseren Qualitätsvorstellungen. Produkte, die nicht verkaufsfähig sind, werden in unserer Brecheranlage aufbereitet und wieder dem Produktionsprozess zugeführt. Unser Gelände hat noch kein Gramm Abfall verlassen." Ende Mai wird die jüngste Investition auf dem Werksgelände vom bayerischen Staatsminister aus der Oberpfalz, Albert Füracker, eingeweiht: die beiden neuen, vollautomatisierten Steinfertigunsgsanlagen nebst hochmoderner Trocknungsanlage. In ihr trocknen die frischen, noch dampfenden Steine wie von selbst und ohne zusätzliches Heizen. "Wir nutzen zu 100 Prozent die Abwärme der Steine, lassen die Luft nur zirkulieren."

Berge von Betonsplit auf dem Gelände der Firma Godelmann.

Ein Spaziergang

Ein Spaziergang durch die Betonmanufaktur: Vorbei an Beton ("so flüssig wie Honig") und versandfertig gestapelten Dielen aus Beton, die Holz täuschend ähnlich sehen. "Für diese Innovation wurden wir 2016 mit dem ,German Design Award' ausgezeichnet", erklärt Bernhard Godelmann stolz. Auf der Freifläche vor dem Firmengebäude ist ein Schaugarten mit Godelmann-Steinen für Bauherren angelegt, in jeder der zahlreichen Fläche ein eigener QR-Code mit weiterführenden Infos für die Generation Smartphone. "In unserem Flagship-Store in Berlin werden Pflaster und Mauern sogar mittels neuester 3-D-Animation innerhalb weniger Klicks täuschend echt dargestellt", erzählt Godelmann von modernster Technik, konzipiert von den Tirschenreuther Architekten Brückner und Brückner.

Da nähern sich schlendernd, mit prüfendem Blick und ins Gespräch vertieft, ein älterer Herr und ein Junge: "Max wird von seinem Opa eingearbeitet, da gehen sie jetzt öfter zusammen durchs Werk." Die vierte Generation läuft sich warm.

In der hochmodernen Trocknungsanlage trocknen die frischen, noch dampfenden Steine wie von selbst und ohne zusätzliches Heizen. „Wir nutzen zu 100 Prozent die Abwärme der Steine, lassen die Luft nur zirkulieren.“
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