Fichtelberg
11.09.2024 - 11:54 Uhr
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In 1960er Jahre mit der Zeitkapsel aus Grundstein der Ochsenkopf-Seilbahn

Weit zurück in die Geschichte der Ochsenkopf-Seilbahn. Und noch ein paar 100 Millionen Jahre weiter zurück führt ein historischer Moment im Fichtelgebirge.

Wer am Dienstagvormittag mit der neuen Ochsenkopf-Seilbahn von Bischofsgrün aus zum Gipfel gefahren ist – und das waren gar nicht wenige trotz 9 Grad, Wind und Nebelfetzen – könnte gemeint haben: Er sei im September 2024 unten losgefahren und im September 1968 oben angekommen. Denn: Es fühlt sich an wie eine Zeitreise. Skifahrer im Dress der 1960er Jahre – und noch früher – und eben diese Kupfer-Hülse, aus der Reinhard Pichl aus dem Fachbereich Hochbau des Landratsamts Geschichtsträchtiges zaubern sollte.

Denn man hatte beim Abbruch der Süd-Seilbahn „die Zeitkapsel geborgen“, wie Landrat Florian Wiedemann in seiner Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste und Wegbegleiter der Seilbahn sagt. Die Zeitkapsel, die der damalige Landrat Josef Kohut am 9. September vor 56 Jahren „mit drei kräftigen Hammerschlägen“, wie Wiedemann sagt, im Grundstein für die neue Seilbahn versenkt hatte. Dass man die Kapsel jetzt öffnen muss, hat einen vergleichsweise einfachen Grund: Die Kapsel in ihrer runden, dicken Form hätte nicht „in die Wand über dem Grundstein gepasst, die ist eine Brandschutzwand und da mussten wir etwas Flacheres reinsetzen“, wie Pichl sagt.

So wird aus der Zeitkapsel für die Zukunft eine Art flacher Briefkasten aus Kupfer, der aber all das in sich trägt, was die Zeitkapsel auch als Inhalt hatte: Zwei Ausgaben des „Nordbayerischen Kuriers“, eine handgeschriebene Geschichte der Seilbahn-Entstehung samt der Kosten und der namentlichen Auflistung der damals beteiligten Politiker sowie Planer. Und 8,68 D-Mark in Münzen der unterschiedlichen Stückelung vom Fünf-Mark-Stück bis zum Pfennig.

Mittelstation auf Südseite

Eigentlich, erinnert sich der Bischofsgrüner Karl Heinz Fischer, der Chef der Schneesportschule Nordbayern, zurück an 1968, „sollte die Seilbahn hier die damals längste in ganz Europa werden“. Allerdings hat man sie dann doch in zwei Teilen gebaut, als Zweier-Sesselbahn mit einer Besonderheit auf der Süd-Seite: „Es gab eine Zeit lang, drei, vier Jahre lang, sogar eine Mittelstation, die wie ein Balken angelegt war. Da konnte man hochgehen und dann in den Sessel reinhopsen. Das war vom TÜV abgenommen, wurde dann aber bald wieder abgebaut.“ Woran sich Fischer, dessen Familie „zeitgleich den Gehrenlift gebaut hat“, im Gespräch mit unserer Redaktion noch erinnert: Ähnlich wie heute seien Ende der 1960er Jahre „alle hier froh gewesen, wie das fertig war“.

Der Kreisheimatpfleger Berthold Just ist es, der nicht nur das in der Zeitkapsel gefundene Material sichtet und erläutert. Er bietet auch noch eine launige Zeitreise für die Ehrengäste – Landtagsabgeordnete, Kreisräte, Bürgermeister, Touristiker und viele mehr – an. Die geht weit zurück, denn „schließlich stehen wir hier auf einem Gesteinsbrocken aus der Zeit der variskischen Gebirgsbildung vor 300 bis 400 Millionen Jahren“, sagt Just. Der auch noch – „was vermutlich marketingmäßig eher schlecht war“ – im 15. Jahrhundert „noch Fichtelberg bei dem Ochsenkopf hieß“.

Just lässt die Mythen und Sagen der Namensfindung Revue passieren. Erklärt, warum der Asenturm nach germanischen Gottheiten benannt wurde – „in einer Abstimmung, die 12:4 ausging, weil die Mehrheit nicht wollte, dass er Bayreuther Turm heißt. Was man verstehen kann“ – und macht schließlich einen Zeitsprung nach 1968: Mit der Seilbahn habe der damalige Landrat Kohut „die Hoffnung verbunden, dass sie nicht nur ein finanzieller Gewinn für das gesamte Fichtelgebirge sein werde, sondern dass die rivalisierenden Fremdenverkehrsgemeinden mehr als bisher an einem Seil ziehen werden“. Heute, sagt Just als Seitenhieb, „soll es auch Leute geben, die mit am Seil ziehen, aber mit dem Fichtelgebirge gar nichts am Hut haben“.

Fels für Goethe

Eine Empfehlung hat Just auch parat: Goethe habe hier einen – 1986 wiederentdeckten – Felsen, „nur weil er 1785 mal raufgelatscht ist und eine Zeichnung gemacht hat, hätte er wenigstens was gedichtet“. Aber all jene, die hier Geld besorgt hätten für die Seilbahn-Bauten seit 1968 – Kohut, Simon Nüssel, Klaus-Günter Dietel, Hermann Hübner – hätten auch einen Felsen verdient. Ebenso wie Wiedemann oder Pichl, „der dafür sorgt, dass am Bau alles wie am Schnürchen läuft“.

Nachdem der Dachdecker Nico Bauernfeind auf die Zeitkapsel den Deckel gelötet hat, folgt der nächste historische Moment: Wiedemann und einige der geladenen Gäste greifen zur Kelle, um die kurze Zeitreise der neuen Zeitkapsel wieder zu beenden. Eingemauert ist sie. Unter dem geschichtsträchtigen Satz des Poliers: „Schneller arbeiten, Männer. Das ist Fixbeton.“

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