10.11.2020 - 10:16 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Ein Ärgernis vom Tisch, ein anderes bleibt

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Die Einbahn-Regelung für die Loipen rund um den Ochsenkopf gehört der Vergangenheit an. „Keiner braucht das“, sagt Andreas Munder. Am unteren Ring besteht Handlungsbedarf.

So schön kann das Langlaufen auf den Fichtelgebirgs-Loipen sein.
von Autor FPHProfil

Von Peter Perzl

So richtig glücklich wurde mir ihr keiner und sie hatte seit ihrer Einführung im Jahr 2019 für mächtig Ärger gesorgt: die Loipen-Einbahnregelung rund um den Ochsenkopf. Und so gehört sie denn ab diesem Winter endgültig der Vergangenheit an. Die Schilder, die gegen den Uhrzeigersinn unterwegs befindlichen Aktiven in doch recht deutlichen Worten auf ihre „Vergehen“ hinwiesen, sind längst eingemottet und sollen es auch in Zukunft bleiben. Das verspricht Andreas Munder, der Geschäftsführer der Tourismus & Marketing GmbH Ochsenkopf. „Das Ganze war vollkommen überzogen und braucht keiner“, stellt der 62-Jährige im Nachgang klar. „Die Schilder standen quasi über Nacht, und ich war damals selbst vollkommen überrascht.“ Auf alle Fälle werde er „alles dafür tun“, dass so etwas nicht mehr passiere. Wer das letztendlich entschieden und durchgedrückt habe, könne er gar nicht sagen. Er wisse nur, dass die Schilder der Zweckverband zur Förderung des Wintersports im Fichtelgebirge aufgestellt hat.

„Ich poche lieber auf Rücksichtnahme"

Auch Thorsten Hager, stellvertretender Betriebsleiter der Seilbahnen und zuständig für das Spuren für einen großen Streckenteil, weiß darauf keine Antwort: „Auf wessen Bestreben das passiert ist, kann ich wirklich nicht sagen.“ Für ihn sei es eine Frage der Verhältnismäßigkeit. „Ich poche lieber auf Rücksichtnahme und Vernunft. Richtig durchsetzen konnte sich diese Maßnahme ohnehin nicht, weil sie kaum zu kontrollieren war.“ Dafür sorgte sie für die eine oder andere auch mal heftiger ausfallende Auseinandersetzung in der Loipe. Eingeführt wurde sie offenbar aus Sicherheitsbedenken und um Regress-Ansprüchen bei Unfällen vorzubeugen. Hager vermutet, dass der allgemeine Schneemangel mit den Ausschlag gegeben habe. „Wir hatten damals in tieferen Lagen keinen guten Winter und so waren unsere schneesicheren Loipen auf einmal von allen Seiten hochfrequentiert.“

Alles im Uhrzeigersinn

So richtig an die Verbote gehalten hatte sich allerdings ohnehin nur ein Teil der Hobby-Sportler, die das knapp 30 Kilometer lange Loipennetz vorwiegend nutzen. Stattdessen besteht von nun an eine Empfehlung, die Loipen im Uhrzeigersinn herum zu nutzen. „Wenn dabei jeder auf den anderen Rücksicht nimmt, kann bei zwei Spuren auch bei Gegenverkehr nichts passieren“, meint Munder, zumal am sogenannten unteren Ring, der sich in Höhenlagen von 720 bis 830 Meter durch die Landschaft schlängle, ohnehin kaum steilere Passagen zu bewältigen seien. Der „Profi“ nutze ohnehin meist anderes Terrain wie die Königsheider- oder die Brandweg-Loipe. Gerade für Einsteiger und Familien sei der untere Teil des Ochsenkopf-Netzes ideales Gelände. Diese Leute wollten halt mal zwei Kilometer in die eine und in die andere Richtung fahren. Bei einer Einbahn-Regelung wären sie gezwungen, die 14,6 Kilometer lange Schleife des unteren Rings in Gänze zu bewältigen, was für die meisten eine echte Herausforderung darstellen dürfte. „Wir müssen doch auch den Bedürfnissen unserer Urlauber gerecht werden und wollen sie nicht verprellen, weil wir ihnen vorschreiben, wohin sie laufen müssen“, verdeutlicht der Tourismus-Geschäftsführer.

Kritik am Zweckverband

Eine Problemstelle bleibt allerdings weiter bestehen: der Bereich des sogenannten „Felsensträssls“. „Eine relativ empfindliche Stelle“, erklärt Thorsten Hager, weil hier der Weiße Main die Loipe unterirdisch kreuzt, es durch dicke Felsen links und rechts sehr beengt zugeht und wenig Alternativen gibt.“ Edgar Eckert, der frühere deutsche Meister und Betreiber einer Langlauf-Schule mit Sportgeschäft in Neubau-Fichtelberg, kämpft seit geraumer Zeit um eine Verbreiterung und Sanierung des unteren Rings von vier auf üblicherweise sieben Meter. Auf geschätzt einem Kilometer Länge sehe er dringend Handlungsbedarf: „Der Forst hat uns da immer geholfen, wo es für ihn möglich war, auch mal einen Bagger zur Verfügung gestellt.“ Gleichzeitig übt er Kritik am Zweckverband: „Von der Seite ist seit Jahren nichts passiert. Da wünschen wir uns deutlich mehr Engagement.“ Für Eckert, der übrigens auch die Beendigung des Loipen-Einbahnverkehrs begrüßt, sei es unabdingbar, dass neben der gewalzten Skating-Spur jetzt die Strecke eine zweite klassische bekomme, um den Begegnungsverkehr bei steigendem Fremdenverkehrsaufkommen zu erleichtern. Auf einigen Abschnitten besteht nur eine Loipe für beide Richtungen. Meist werde diese einzige klassische Spur trotz bester Präparierung am Morgen auch noch recht schnell durch ungeübte und breitbeinig agierende Skater zerstört. Auch hier bittet er um gegenseitige Rücksichtnahme.

Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, hat er einen bebilderten Ordner mit entsprechenden Texten bestückt und Vorschläge unterbreitet, wie das Nadelöhr aus der Welt zu schaffen wäre. Die habe er dem Bayreuther Landrat vorgelegt, der seine Vorschläge bereits befürwortet habe. Es liege nun an den Gemeinden, die Maßnahme anzupacken und sie dann im Frühjahr oder Sommer umzusetzen. Für diesen Winter ist es allerdings zu spät.

Während es in den Alpen bereits bis in mittlere Lagen geschneit hat, lässt der Winter im Fichtelgebirge noch ein bisschen auf sich warten. So habe der Forst bis Ende November, wie Andreas Munder erklärt, die Möglichkeit, sein Holz aus dem Wald zu transportieren. Es sei vereinbart, dass die Maßnahmen bis 30. November abgeschlossen sind, um bei einem verfrühten Wintereinbruch durchaus schon spuren zu können. Der offizielle Wintersportbeginn steigt allerdings erst am 18. Dezember - vorausgesetzt die Corona-Lage lässt es zu - mit Aktionen an der Seilbahn-Station der Südabfahrt in Bischofsgrün.

Zitat: „Das Ganze war vollkommen überzogen“ – Andreas Munder, Geschäftsführer Tourismus & Marketing GmbH Ochsenkopf.

Jetzt folgt das bange Warten auf die weiße Pracht

Mehlmeisel
Statt der Verbotsschilder werden künftig große Hinweistafeln des Deutschen Skiverbandes an den Loipen angebracht, um deren Beschaffung sich Edgar Eckert gekümmert hat. Die Langläufer können sich so an den Einstiegen über die FIS-Verhaltensregeln informieren.

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