16.08.2021 - 12:43 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Wo einst der Komponist Platz nahm: Neu entdeckter Reger-Stein bei Fichtelberg

Lange lief die Suche nach dem Stein, auf dem einst Max Reger Platz genommen hat. Nun hat ihn auf Anregung Landschaftsarchitekt Rainer Küstner auf dem Weg von Neubau Richtung Ochsenkopf ausfindig gemacht.

Bei der Einweihung des Reger-Felses nahmen auf dem Stein Platz Revierleiter und FGV-Ortsvereinsvorsitzender Bernhard Kraus (von links), wie Reger damals auf dem Felsen sitzend Dr. Jürgen Schaarwächter, Peter K. Donhauser und Rainer Küstner mit Musikprofessorin Yamei Yu.
von Gisela KuhbandnerProfil

Blauer Himmel, Vogelgezwitscher, Sonnenschein - so könnte es auch am 14. August 1901 gewesen sein: Vor 120 Jahren brach Max Reger mit seinem Förderer und Lehrer Adalbert Lindner von Mehlmeisel über Fichtelberg entlang der Fichtelnaab-Quelle Richtung Ochsenkopf auf. Mit dabei war Fotograf Holzham. Er machte Aufnahmen, die einmal Reger auf einem Stein sitzend und Lindner auf einem Felsen stehend zeigen.

1996 glaubte Forstdirektor a. D. Anton Böhm, den abgebildeten Granit-Wollsack-Felsen am Kaiserberg beim Fichtelsee gefunden zu haben. Doch viele Argumente, wie die Lage abseits der damals noch nicht durch Wege erschlossenen Strecke Fichtelberg-Ochsenkopf, sprechen dagegen, zudem die fehlende Horizontlinie und die Dimension des Steins. Auch waren die Fotoausrüstungen vor 120 Jahren sperrig und schwer. „Und Holzham konnte damit nicht durchs damalige Unterholz auf den Kaiserberg kriechen“, ist sich Peter K. Donhauser sicher.

Kaum veränderter Weg

Auf Anregung des Gymnasial-Musiklehrers aus Amberg machte sich Landschaftsarchitekt Rainer Küstner aus Warmensteinach auf die spannende Suche nach diesem Stein - und wurde fündig. Am seit 1901 kaum verändert bestehenden Weg vom Ortsausgang Neubau Richtung Ochsenkopf stieß er auf den Felsen. In Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb Fichtelberg, vertreten durch stellvertretenden Leiter Martin Hertel sowie Revierleiter und zugleich FGV-Ortsvereinsvorsitzenden Bernhard Kraus, dem Fichtelgebirgsverein und Sponsoren (Familie Wolfgang Rieger, Braungruppe – Baustoffe aus Stein, Tröstau) wurden die Felsen freigelegt, das Umfeld gestaltet und eine weithin sichtbare Infotafel aufgestellt. Es war eine kleine beschaulich-fröhliche Sternstunde mit Gänsehautmomenten, als der neu entdeckte Stein im Beisein einer kleinen Festgesellschaft am vergangenen Samstag eingeweiht wurde.

Rainer Küstner berichtete von seinen spannenden Nachforschungen, die der wissenschaftliche Mitarbeiter am Max-Reger-Institut, Dr. Jürgen Schaarwächter, und Peter K. Donhauser begleiteten: „Nachdem mir Peter Donhauser einen Floh ins Ohr gesetzt hatte, suchte ich in historischen Karten und Dokumenten, war mit dem Zollstock auf dem einzigen Weg, der 1901 auf den Ochsenkopf führte, unterwegs, bis ich auf eine mit Totholz und Himbeeren bewachsene Geländeerhebung aufmerksam wurde.“ Auch eine identische Scharte im Felsen und der zunächst von Boden bedeckte Stein links daneben stützen die These, dass es sich hier um den echten Stein handelt, auf dem Reger sich vor 120 Jahren fotografieren ließ.

Musik von Reger

Anschließend erzählte Dr. Jürgen Schaarwächter aus dem Leben des großen Meisters als Genie, als Mensch mit seinen Höhen und Tiefen. „Ob die beiden Wanderer den Ochsenkopfgipfel erreichten, wissen wir nicht, auch nicht, ob sie noch von mehreren Personen begleitet wurden“, sagte er. Vielleicht erschließt sich das und Weiteres durch die wissenschaftliche Arbeit von Sebastian Eck, der sich im Weidener Stadtarchiv mit 3000 Schriftdokumenten von Adalbert Lindner befasst.

Und daran hätte auch der große Meister, der zeitlebens keinerlei Aufhebens um seine Person wollte, seine helle Freude gehabt: Yamei Yu, Professorin für Violine an der Musikhochschule Düsseldorf, spielte zwischen den Wortbeiträgen aufgeteilt die drei Sätze der Sonate op. 91/2 in D-Dur. Das Allegro moderato erklang mit Würde und Größe, abgesetzt davon die anmutigen und lieblichen Passagen. Meditativ, nachdenklich, mit berührender Innigkeit interpretierte sie das Larghetto. Regers Denken und Fühlen schienen an diesem besonderen Ort geradezu lebendig zu werden. Den Abschluss bildete das spritzig, mit Temperament, Witz und überlegener Spieltechnik gestaltete Vivacissimo.

Rainer Küstner könne sich, wie er betonte, gut vorstellen, dass der neu aufgefundene Reger-Felsen in den bereits bestehenden Fichtelberger Themenweg „Dichter, Denker, Komponisten“ mit einbezogen wird, der ohnehin nicht weit vom Fundfelsen verläuft. Selbst der nahe Europawanderweg E6 könnte einen Hinweis auf den Komponisten geben.

In einen Dornröschenschlaf wird der Reger-Stein jedenfalls nicht verfallen: Denn zu beobachten war, dass alle Passanten auf dem sehr viel frequentierten Weg stehen bleiben, den besonderen Platz bestaunen und sich an der optimal gestalteten Tafel informieren.

In Weiden laufen die Max-Reger-Tage

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Zur Person Max Reger

  • Max Reger, Sohn des Lehrers Joseph Reger und dessen Gattin Philomena, geborene Reichenberger, kam am 19. März 1873 im damaligen Schulhaus zur Welt.
  • Er zeigte schon in frühester Jugend eine ganz außergewöhnliche Musikbegabung und spielte als Knabe in Weiden, wohin sein Vater 1874 versetzt wurde, meisterhaft die Orgel.
  • Sein großer Genius wirkte sich in der Zukunft auf diesem Instrument in erster Linie aus.
  • In der Literatur wird er als einziger würdiger Nachfolger von Joh. Seb. Bach beschrieben.
  • In 26 Schaffensjahren hat er etwa 1000 einzelne Werke geschrieben, die von der strengen Fachwissenschaft als klassisch anerkannt sind. Sein 100. Psalm und seine Mozart-Variationen haben Ewigkeitswert.
  • Max Reger starb am 11. Mai 1916 in einem Hotelzimmer in Leipzig.

„Nachdem mir Peter Donhauser einen Floh ins Ohr gesetzt hatte, suchte ich in historischen Karten und Dokumenten, war mit dem Zollstock auf dem einzigen Weg, der 1901 auf den Ochsenkopf führte, unterwegs, bis ich auf eine mit Totholz und Himbeeren bewachsene Geländeerhebung aufmerksam wurde.“

Rainer Küstner

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