17.08.2020 - 13:58 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Fichtelbergs Bürgermeister seit 100 Tagen im Amt: Fell schon dicker geworden

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„Der junge Kerl - schafft er denn das?“ Das musste sich Bürgermeister Sebastian Voit, CSU, mit 29 Jahren jüngster Bürgermeister im Landkreis Bayreuth, des Öfteren anhören. Dass er´s schafft, will er jetzt allen beweisen.

Fichtelbergs Bürgermeister Sebastian Voit beim Hausumbau mit Freundin Carina.
von Gisela KuhbandnerProfil

Und zwar nicht nur den Zweiflern und jenen, die ihn nicht gewählt haben, sagt er. Und er ist auf gutem Weg dazu, wie ihm viele Stimmen aus der Bevölkerung bestätigen.

Sein „Fell“ sei während der vergangenen 100 Tage schon dicker geworden, verrät er, und aus den 100 Prozent, die er versprach, für seine Gemeinde zu geben, seien mittlerweile 110 geworden. Dass er seine „aufregende, spannende Aufgabe“ motiviert, dynamisch und gerne angeht, steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Gut aufgelegt sitzt er im Chefsessel, weißes Hemd statt (früher) T-Shirt, vor sich seine digitale Projektmappe. Sebastian Voit klickt Fotos von der Ortsverschönerungsaktion im Juni an. 35 Leute hatten Blumenbeete vom Unkraut befreit, die Fichtelnaab gesäubert, Gebäude freigeschnitten, lockere Pflastersteine wieder befestigt und vieles mehr. Oder vom gemeindlichen Bauhof, dessen Arbeiten sich nicht immer in der Öffentlichkeit abspielen, wie beispielsweise die aufwendige Reparatur eines Fahrzeugs: Auftrag erteilt, abgeschlossen, Foto hochgeladen, abgehakt. Das sind kleinere Dinge, die ihm aber von der Bevölkerung schon viel Lob eingebracht haben, sagt er. "Das schöner gewordene Ortsbild sollen auch die derzeit zahlreichen Touristen mit nach Hause nehmen und dann gerne wiederkommen“, wünscht sich der junge Rathauschef.

Schwere Gemeinde-Vergangenheit

Viel beschäftigt sich Sebastian Voit mit der Vergangenheit der Gemeinde, „die ja bekanntlich nicht einfach war“. „Das haben wir 30 Jahre lang so gemacht“ lässt er nicht immer gelten, sondern sucht auch nach neuen Wegen. Wichtig ist ihm auch, im Gemeinderat und mit den Bürgern parteiübergreifend zusammenzuarbeiten. Sehr am Herzen liegt ihm die Dorfjugend, die er auch mit für die Gemeinde sinnvollen Spenden aus seiner Aufwandsentschädigung unterstützt. Große Wertschätzung bringt er zudem den beiden Feuerwehren für ihren wichtigen, ehrenamtlichen Dienst entgegen.

Das schöner gewordene Ortsbild sollen auch die derzeit zahlreichen Touristen mit nach Hause nehmen und dann gerne wiederkommen.

Sebastian Voit, Bürgermeister von Fichtelberg

Er gibt zu, „dass ich noch nicht alles wissen kann", und bittet, ihm noch eine Einarbeitungszeit zu gönnen. Rat holt er sich beim ehemaligen Zweiten Bürgermeister Karlheinz Glaser, der in den vergangenen zwei Jahren den Ersten Bürgermeister vertrat, und bei Verwaltungsleiter Thomas Förster, der ihn gerne unterstützt.

Sebastian Voit freut sich auf sein neues Amt

Fichtelberg

Kleine Dinge hin und her: Aber ganz oben steht jetzt der bisher noch nicht genehmigte Haushalt. Und da hofft er bis Ende August auf ein Ende dieser belastenden Situation.

Das Funktionsgebäude am Skigelände an der Bleaml-Alm muss endlich realisiert werden, sagt der Bürgermeister, und die Brücke am Fichtelsee bis Ende des Jahres fertig sein: „Da telefoniere ich mit den Beteiligten so lange, bis ich ihnen auf die Nerven gehe“, gesteht er. Ein Anliegen ist ihm auch die wirtschaftliche Neugestaltung des Thermengeländes. Ideen für das Schamott-Areal hat er längst im Kopf. Und versprochen ist, unbedingt dran zu bleiben an der sozialverträglichen Umsetzung der Kanalarbeiten in Hüttstadl. Auch wenn Voit weiß, dass es, es allen recht zu machen, eine Kunst ist, die niemand kann, hat er das Gefühl, dass das Miteinander in der Gemeinde wächst.

Auszeiten gönnen

Von positivem Stress spricht der Bürgermeister und ist gar nicht unglücklich darüber. Dennoch „muss ich mir Auszeiten gönnen, um den Kopf freizubekommen“, weiß er. Und da läuft er mit seiner Freundin Carina um den Fichtelsee, legt ganz bewusst sein Handy eine Zeitlang aus der Hand. Und sein Training Samstagfrüh und Donnerstagabend mit seiner Eishockeymannschaft Bullhead versäumt er nur sehr ungern.

Und dann wird daheim das Haus umgebaut. Samstags hilft die ganze Familie mit, „auch mein 83-jähriger Opa“, freut sich Sebastian Voit. Tatkräftig anpacken aber wird er auch am 22. August beim freiwilligen Arbeitseinsatz rund um den Fichtelsee: "65 Helferinnen und Helfer haben bereits auf Facebook zugesagt“, informiert der Bürgermeister nicht ohne Stolz über diesen Erfolg.

Für mich steht die Erzielung eines genehmigten Haushalts an erster Stelle. Nur so können angefangene und neue Projekte umgesetzt werden.

Sebastian Voit, Bürgermeister von Fichtelberg

Der setzt sich fort im Online-Auftritt der Gemeinde: Die Zahl der Facebook-Abonnenten hat sich in seinen 100 Tagen Amtszeit fast verdreifacht – dank seiner intensiven Nutzung von Social Media, die aber die bisherigen Medien wie den Ortskurier nicht ausschließt.

Zukünftig soll durch eine verbesserte Zusammenarbeit mit den Gemeinderatsmitgliedern und Bürgern mehr Transparenz geschaffen werden. "Für mich steht die Erzielung eines genehmigten Haushalts an erster Stelle. Nur so können angefangene und neue Projekte umgesetzt werden." Priorität hat auch die Sanierung der maroden Straßen. Außerdem bedürfe es des Ausbaus der digitalen Infrastruktur.

Auf der Agenda stehen auch die Stärkung des Tourismus durch vermehrte Kooperation der Ochsenkopfgemeinden und die Umsetzung von „Leuchtturmprojekten“ wie dem Funktionsgebäude in Neubau sowie eine wirtschaftlichen Neugestaltung des alten Thermengeländes.

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