15.09.2020 - 11:29 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Freudenfest für Pilzsucher

Jetzt ist wieder „Schwammerzeit“. Bernhard Kraus, Förster am Forstbetrieb Fichtelberg, gibt Hinweise für die erfolgreiche und legale Suche nach leckeren Pilzen im Wald.

Förster Bernhard Kraus von den Bayerischen Staatsforsten mit dem Objekt der Begierde für alle Pilzfreunde: zwei Steinpilze
von Externer BeitragProfil

Pilz-Profis wissen es längst: Die „Schwammerzeit“ hat wieder begonnen. An vielen Stellen schieben sich jetzt Pilzkappen in rot, braun und anderen Farben aus dem Boden. Entsprechend viele „Schwammerer“ sind im Wald unterwegs – auf der Jagd nach Steinpilz, Marone und Pfifferling.

Bernhard Kraus, als Mitarbeiter bei den Bayerischen Staatsforsten zuständig für das Revier Vordorf und von Berufs wegen viel im Wald unterwegs, kennt sich gut mit Pilzen aus und hat einige Tipps parat: „Unsere heimischen Speisepilze leben davon, dass sie abgestorbenes Holz zersetzen und verdauen. Deshalb sind sie für den Kreislauf der Natur sehr wichtig. Wenn nach einer Holzernte Äste und Gipfel im Wald liegen bleiben und langsam verrotten, ist das die Lebensgrundlage der Pilze. Am besten wachsen sie an nicht zu nassen, aber auch nicht zu trockenen Stellen.“

Wo genau, will Bernhard Kraus natürlich nicht verraten. „Das müssen die Pilzsucher schon selbst herausfinden.“ Das Wissen über gute Pilz-Standorte wird höchstens in der Familie weitervererbt.

Der Pilz, den wir kennen und essen, ist nur der Fruchtkörper. Bei feucht-warmer Witterung wächst er innerhalb von zwei bis fünf Tagen zu seiner vollen Größe heran. Dann entlässt er die Pilzsporen in die Umgebung, mit denen sich der Pilz weiterverbreitet. Der eigentliche, lebende Pilzorganismus besteht aus einem Geflecht von feinen, fadenförmigen Zellen, dem sogenannten Mycel. Dieses erstreckt sich über viele Quadratmeter im Humus unter der Bodenoberfläche.

„Dieses Mycel sollten wir beim „Schwammern“ möglichst nicht beschädigen.“ Deshalb empfiehlt der Experte, die Pilzkörper an oder knapp unter der Oberfläche mit einem scharfen Messer abzuschneiden oder vorsichtig herauszudrehen, ohne das Pilzgeflecht herauszureißen „Danach sollte man das entstandene Loch wieder sorgfältig abdecken, um das Mycel vor dem Austrocknen zu schützen. Gleichzeitig tarnt man so die erfolgreiche Fundstelle vor den Blicken anderer Schwammerer.“

Die Reste vom Pilz-Putzen empfiehlt der Experte, zu Hause im Garten an schattig-feuchter Stelle abzulegen. Wenn daraus Sporen ausfallen, können in Zukunft hier neue Pilze wachsen.

Darf sich jedermann ausgestattet mit scharfem Messer und Korb auf die Pilzsuche machen? Dazu Bernhard Kraus: „In Bayern ist das Pilze sammeln im Wald generell erlaubt. Ein paar „Spielregeln“ sind aber schon zu beachten: Pilze dürfen nur für den Eigenverbrauch gesammelt werden – kein Verkauf – und nur in haushaltsüblichen Mengen, also maximal ein bis zwei Kilogramm. Und bitte nur die Pilze sammeln, die Sie kennen – alle anderen bitte stehen lassen. Denn für die Natur sind alle Pilze wichtig, auch die ungenießbaren!“

Woher weiß denn der Förster Kraus so viel über die Pilze? „Mein Opa war der „Sachsen-Heiner“, ein in der Region bekannter Waldläufer, Freund der „freien Wildfleisch-Beschaffung im Wald“ und erfolgreicher Schwammerer“ wie sein Enkel mit Augenzwinkern erzählt. Von ihm hat er viel über Wald und Natur gelernt. Und das Wissen über den einen oder anderen guten Pilz-Standort wird er ihm auch vererbt haben.

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