21.06.2019 - 14:44 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Ein "Hasengrill" im Wald

Es gibt viele Gründe, warum Menschen sich für das Geocachen begeistern. Für Udo Zuber jedenfalls ist es mehr als nur eine Schatzsuche.

von PMLProfil

An einem recht kühlen und windigen Mittwoch gegen 12.30 Uhr steht an einem Wegesrand ein dunkles Auto. Darin sitzt der Fahrer. Er hat einen Tag zuvor eine E-Mail geschickt: "N 49 54 757 E 011 54 248 - Ich bringe auch einige passende Caches und etwas Ausrüstung mit. Bis morgen dann. Udo."

Udo Zuber ist Geocacher und bei diesen besser bekannt als "DerFichtelzwerg". Er kommt aus Fichtelberg und ist Lagerverwalter in einem Sanitärbetrieb. Er gehört zu den aktivsten Anhängern dieses Hobbys in der Region: Seit Juli 2010 hat er über 7000 der großen und kleinen Dosen gefunden, an etwa 150 Treffen teilgenommen, selbst über 150 Dosen versteckt und mehr als 60 eigene Treffen und Events organisiert.

In der Nähe des Parkplatzes möchte er einen neuen Geocache auslegen. "Ich fahre hier immer auf dem Weg von und zur Arbeit vorbei und gerade vor vier Wochen habe ich hier durch Zufall im Wald ein Kreuz gesehen", erklärt er auf die Frage, warum er gerade hier einen Cache auslegen möchte. Den Behälter, den man dafür braucht, hat er schon zu Hause vorbereitet. Die gibt es in verschiedenen Größen und Formen. Am häufigsten sind kleine Kunststoff-Vorratsdosen mit Verschlusslaschen am Deckel und Petlinge - kleine Kunststoff-Röhrchen. Sie werden extra für Caches hergestellt und mit einem Schraubverschluss wie bei einer Getränkeflasche verschlossen. In einem Cache-Behälter liegt immer ein Logbuch, oft gibt es Kleinigkeiten zum Tauschen und Sammeln.

Schönheit entdecken

Vom Auto aus läuft Udo Zuber gut 100 Meter an der schmalen Straße entlang, bevor er nach rechts in den Wald abbiegt. Es geht erst bergauf, dann bergab. Ein Weg führt hier nicht hinein. Nach ein paar kleinen Bodenwellen ist hinter einem Baum das Kreuz zu sehen, zu dem Zuber möchte. Es steht gut 30 Meter im Wald. Im Sommer wäre es wohl durch Büsche und Sträucher versteckt. Seine Position gleicht der 44-Jährige zwischendurch mit den Daten auf seinem GPS-Empfänger ab. Der baumelt locker an einem Karabinerhaken am Gürtel. Das trockene Herbstlaub aus dem vergangenen Jahr raschelt, Äste knacken unter den Schuhsohlen. Direkt hinter dem Holzkreuz kniet er sich hin und zieht den Cache-Behälter aus seiner Hosentasche.

Beim Auslegen eines neuen Caches sei es ihm wichtig, dass dieser an einer Stelle liege, die entweder landschaftlich schön ist oder an der es etwas Interessantes zu entdecken gibt. "Ein unberührtes Stück Natur ist mir wichtig", aber dabei behält er auch einen Blick dafür, wie sich der Cache und dessen Versteck auf die Umwelt auswirken wird. "Man muss schon mitdenken, wie es zukünftig mal ausschaut, wenn da mal hundert Mann durch sind und gesucht haben."

Dementsprechend legt er die Caches so, dass sie sich möglichst wenig negativ auf die Umwelt auswirken. Naturschutzgebiete oder Gebiete mit seltenen Tierarten und Pflanzen sowie Verstecke, die schwer zu entdecken sind, sind für ihn tabu: "Ich verstecke meine Caches cachersicher." Sie sollen gut verborgen sein, aber ein Cacher mit etwas Erfahrung soll nicht allzu lange suchen müssen.

"Das ist die älteste Versteckidee: ein Hasengrill", erklärt er weiter, während er den Behälter an einer Wurzel platziert und mit herumliegenden Aststücken abdeckt. Diese bricht er vorher auf etwa die gleiche Länge ab. Die ausgerichteten und aufgestapelten Stöcke sind für Eingeweihte ein eindeutiger Hinweis. Nach einem letzten Blick auf das GPS-Gerät geht es zurück Richtung befestigte Straße. Die Koordinaten, die er hier abliest, braucht er später, um die Registrierung des Caches in einer der Datenbanken abzuschließen.

Nicht nur Sonnenschein

Auf dem Rückweg zum Auto erzählt er von den negativen Auswirkungen, die mit dem Hobby verbunden sind. "In den vergangenen Jahren hat sich einiges verändert. Leider überwiegend zum Negativen." Gerade die starke Beliebtheit habe für Probleme gesorgt.Vor knapp zehn Jahren, als er mit dem Suchen und Verstecken angefangen habe, gab es noch deutlich weniger Geocaches und die meisten waren wirklich an Orten versteckt, die irgendwie interessant waren. "Jetzt schießen Tradi-Runden aus dem Boden wie Pilze. Vielen geht es nur noch im ihre Statistik und ums Punkte sammeln." Mit "Tradi-Runden" meint er Geocaches, die ohne großen Anspruch oft einfach entlang von Feldwegen versteckt werden und bei denen man sehr schnell sehr viele Funde verbuchen kann.

Im Frühjahr ist der Weg aus dem Wald schnell geschafft. Der Bewuchs ist noch niedrig und ein Pfad zwischen den dornenbewehrten Brombeersträuchern ist auch schnell wieder gefunden. Der Parkplatz ist bergab auf der Teerstraße ebenfalls nicht weit weg und Verkehr ist hier wenig. Zwischendurch kommt lediglich ein kleiner Linienbus vorbei. In der Heckscheibe von Zubers geparktem Autos hängt ein gelbes Schild: "Geocacher im Einsatz."

Gute Schuhe, gute Kleidung, ein Stift und ein gutes GPS-Gerät seien das Wichtigste. Mit dem Smartphone und einer passenden App gehe es genauso, allerdings sei das nichts für ihn. Für bestimmte Caches brauche man noch deutlich mehr Hilfsmittel um sie "zu heben": Taschenlampe, ein kleines Werkzeugset und Magnetangel seien dazu noch sehr wichtig. Manchmal sei auch eine Leiter, Kletterzeug, Wathose oder UV-Lampe nötig. Auf der Internetseite, auf der die Verstecke veröffentlicht werden, sind Hinweise dazu aufgelistet. Daneben gibt es Wertungen für die Schwierigkeit des Geländes und dafür, wie schwer das zugehörige Versteck zu finden ist.

Spaß an Rätseln

"Ich bin wahrscheinlich der einzige, der zum Cachen angefangen hat, nicht um Dosen zu suchen, sondern um Dosen zu legen", meint Zuber lachend. Ihm sei es um die Kreativität gegangen und die Geschichten, die er dabei erzählen kann. "Ich habe, als ich vielleicht zehn Dosen gefunden hatte, meinen ersten Multi-Cache gelegt." Dafür habe er sich eine Geschichte einfallen lassen und diese dann in fünf zusammenhängenden Verstecken erzählt. In jeder der einzelnen Stationen sei dann der Hinweis, in Form einer Tafel, auf die nächste Dose enthalten. Neben Geschichten begeistern ihn vor allem Rätsel, die er gerne löst und gerne selbst austüftelt. "Wegen meiner Rätsel bin ich schon etwas bekannt in der Szene."

Inzwischen hat ihn aber auch der Spaß am Suchen und auch an Gemeinschaftsaktionen erfasst. "Man erlebt viel, man kommt viel rum. Und irgendwie ist es schon einfach ein Abenteuer. Gerade wenn man einen schönen Multi mit kniffeligen Stationen hat. Das ist dann schon ein Highlight." Selbst hat Zuber inzwischen auch schon gut 60 Events organisiert. Einen Tipp für jeden, der mit dem Geocachen anfangen möchte, hat er auch: "Einfach mal auf ein Treffen, ein Event, kommen und sich dort mit den Cachern unterhalten." Kontakte zu knüpfen und mit erfahrenen Cachern mitzugehen, erleichtere den Einstieg. Hintergrund

Info:

Was braucht man zum Geocachen?

Beim Cachen, oder Geocachen, geht es ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd darum, einen kleinen, verborgenen "Schatz" zu finden. Und wer mit dem Geocachen anfangen möchte, braucht nicht viel: Ein Smartphone, ein Stift, gute Schuhe und passende Kleidung sind das Wichtigste. Und natürlich muss man wissen, wo so einen Geocache überhaupt zu finden ist. Dafür gibt es im Internet Websites über die man auf entsprechende Datenbanken zugreifen kann. Die größte und bekannteste davon ist www.geocaching.com. Dort sind meisten in Deutschland versteckten Geocaches gelistet. Alternativ gibt es auch noch www.opencaching.de, wobei dort das Angebot deutlich schmaler ist.

Auf beiden Websites registriert sich, wer seine Funde zu "loggen" möchte. Wobei die Registrierung bei beiden kostenlos ist. Geocaching.com bietet eine Premium-Mitgliedschaft mit Zusatzfunktionen an, die dann jedoch einen regelmäßigen Beitrag kostet und durch die auch weitere exklusive Caches freigeschalten werden.

Wer mit dem Smartphone auf Cache-Suche gehen möchte, dem hilft eine eine Caching-App. diese bieten oft deutlich mehr Funktionen als die klassischen Navigations-Apps und sind in kostenlosen Versionen und von verschiedenen Anbietern verfügbar. Unter Android-Nutzern ist "c:geo" sehr beliebt. Für Apple-Geräte (für Android ebenfalls) ist die App von "Groundspeak Inc." eine gute Option. Ein "echtes" GPS-Gerät lohnt sich für alle, die das Hobby intensiver betreiben wollen. Navigationsgeräte fürs Auto sind dagegen weitestgehend ungeeignet.

Info:

Der erste Cache!

Handy, Stift und Schuhe stehen bereit? Die App ist installiert und man hat sich auch schon auf einer der Websites registriert? Wie geht es jetzt weiter?

Grundsätzlich ist es so, dass Geocaches nicht unter normalen Adressen zu finden sind, sondern unter Koordinaten. Die Apps und GPS-Geräte führen einen dann zu diesen. Dabei schwankt die Genauigkeit, die bei der Zielführung möglich ist teilweise deutlich. Die Geräte sind auf einen guten Empfang der Satelliten-Signale angewiesen und dichte Bäume und hohe Gebäude wirken sich hier negativ aus.

Am besten sucht man sich zu Hause einen einfachen Geocache in der Nähe als erstes Ziel aus. Dabei gibt es ein paar Punkte zu beachten, aber auch viele nützliche Infos in den Datenbanken.

Zum einen gibt es verschiedene Geocache-Typen, von traditionell bis virtuell: für den Anfang eignet sich eine "Tradi(tioneller)". Das ist ein einfacher Cache, eine Dose, an einem Punkt. Daneben sind "Multicaches" (um zum Ziel zu gelangen muss man mehrere Stationen absolvieren) und "Mystery-Caches" (hier muss man erst einmal Rätsel lösen, um überhaupt die Koordinaten zu erhalten) die häufigsten Typen. "Earth-Caches" (der Cache liegt an einem Punkt, der geologisch etwas besonderes ist), virtuelle Caches und Webcam-Caches gibt es auch immer wieder, allerdings nicht so häufig.

Neben dem Cache-Typ hat jeder Ceocache auch eine Gelände(Terrain)- und eine Schwierigkeitswertung (Difficulty). Dabei steht "1" immer für die einfachste Stufe und "5" für die höchste, schwierigste, Stufe. Die Schwierigkeitswertung kann dabei dafür stehen wie gut ein Cache versteckt ist oder dafür, wie schwer das Rätsel ist, das für einen Mystery zu lösen ist. Dabei sollen sich Geocacher möglichst unauffällig verhalten und so sicher stellen, dass sich nicht von einem "Muggle" beobachtet werden. Als "Muggle" werden Nicht-Cacher bezeichnet.

Ein Cache mit einer Geländewertung von "1" liegt direkt an einem Weg und ist einfach zu erreichen. Teilweise sogar als "Drive-In", der direkt mit dem Auto angefahren werden kann. Bei einem mit "5" bewerteten Terrain muss man entweder klettern (teils mit professioneller Ausrüstung) oder tauchen. Dementsprechend anspruchsvoll kann man dieses Hobby betreiben.

Es gibt aber auch eine Reihe von Attributen, die der Verstecker dem Cache zuweist und die auf Besonderheiten hinweisen, etwa ob ein Cache rollstuhl- oder kinderwagentauglich ist, ob man mit Dornenbüschen rechnen muss oder ob man den Cache jederzeit erreichen kann.

Hat man sich für einen Cache entschieden, empfiehlt es sich das Listing genauer durchzulesen. Oft sind auch bei leichten Caches Hinweise enthalten, die einem bei der Suche helfen (sogenannte "Hints" in Textform oder als Hinweisbilder). Anschließend sollte man sich die Informationen in der Caching-App speichern, um sie auch bei schlechtem Netz zur Verfügung zu haben. Gerade in ländlichen Regionen ist nicht immer eine schnelle Internetverbindung möglich. Ist das erledigt, kann es losgehen.

Vor Ort heißt es dann suchen, auf ungewöhnliches achten und nicht aufgeben. Auch erfahrene Geocacher finden die Verstecke oft nicht beim ersten Anlauf. Denn theoretisch kann sich in fast allem ein Geocache verbergen. Die Palette der Verstecke reicht von Schraubenköpfen, Schneckenhäusern, Straßenschildern, über die klassischen Brotzeitdosen, die in Steinen oder als Holzstücke getarnt sein können, bis zu Stromkästen und Munitionskisten. Oft liegen die Caches aber an markanten und auffälligen Stellen. Und falls man einmal nicht weiterkommt, gibt der "Owner", der Cache-Besitzer, gerne hilfreiche Tipps. Man braucht sich also nicht zu scheuen, diesen zu kontaktieren. Und wenn es am Anfang gar nicht klappt: einfach mal ein Cachertreffen besuchen. Dort wird man schnell Anschluss finden und kann so unter Anleitung seine ersten Erfolge verbuchen.

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