17.09.2020 - 16:17 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Musikalische Lücke nicht zu schließen

von Gisela KuhbandnerProfil

Seine "Steirische", vom Vater erlernt, ist verstummt, Gitarre und Geige lehnen in der Ecke und die Lieder der "Fichtelseer Hausmusik" sind verklungen: Willi Vogl, Musiker mit Leib und Seele, Komponist, Kultur- und Volkmusikwart und seit Jahrzehnten Vorsitzender des Heimat- und Volkstrachtenvereins "d'Fichtelseer Neubau", ist am 28. August in Fichtelberg auf tragische Weise ums Leben gekommen. Ein Schock für die ganze Gemeinde.

"Er hinterlässt eine Lücke, die nicht mehr zu schließen ist", sagt stellvertretender Vereinsvorsitzender Reinhold Unterburger, mit dem er seit 30 Jahren Musik machte vom Feinsten, bekannt weit über die oberfränkische Musikszene hinaus. Willi konnte auch Schuhplatteln. Beim Volkstanz lernte er seine Frau Ute kennen. Er hatte "ein absolutes Gehör" bestätigen seine Wegegefährten, war tragende Stimme im örtlichen Kirchenchor, engagierte sich - über die Musik hinaus - für seine Heimat.

Seitenfüllend wäre es, aufzuzählen, wo er mit seiner Steirischen Harmonika alleine oder mit verschiedenen Gruppen aufspielte: Auf Heimat- und Hutzaabenden im Landkreis, Bezirk und in ganz Bayern, auf der Landesgartenschau, in "Unter unserem Himmel" im Fernsehen, im Rundfunk und bei der "Grünen Woche" in Berlin, im Salvator-Keller in München am Vorabend des Oktoberfests, um nur einige Auftritte zu nennen, womit er auch den Namen seiner Heimatgemeinde in die Welt hinaustrug.

Und auf der CD des Bezirks Oberfranken ist er mit Reinhold Unterburger als "Fichtelseer Hausmusik" mit zahlreichen "Selberg'stricktn" vertreten. Kein Wunder, dass Willi Vogl mehrfach mit Ehrenzeichen des Volksmusikverbandes ausgezeichnet wurde. Die erste "Fichtelseer Musikantenstub'n, der mehrere "Wirtshaussingen" folgten, trug seine Handschrift. Bürgerfest und Kirwa hatten er und sein Verein mitgestaltet.

Unvergesslich bleibt auch der "Ludwig-Thoma-Abend" vor zwei Jahren, den er minuziös mitorganisierte und gestaltete mit passender Musik, lustigen Beiträgen und viel Humor, mit dem er auch so manches Treffen kräftig würzte: Auf seine Frage "Kennst den schou?" folgten Witz und Endlos-Lachsalven. Und oft packte Willi spontan seine Steirische aus und griff in die Tasten, dass es in den Beinen kribbelte.

Auch das umfassende Wissen des 65-Jährigen, dem nur ein halbes Jahr Pension gegönnt war, wurde immer wieder gefragt: Beispielsweise im Sachausschuss für Volkslied und Volksmusik im Trachtengauverband Oberfranken. Die örtliche Volkshochschule bat ihn um einen Vortrag über die Volksmusik, der Termin stand schon fest. Dann kam Corona.

47 Jahre war Willi Vogl bei der Firma Rosenthal beschäftigt. In den letzten zehn Jahren als Personal- und Verwaltungsleiter am Standort Selb, zwei Jahre in dieser Position auch in Irland. So flossen in seine Musik oftmals irische Töne mit ein - immer aber Können, Talent und ganz viel Herzblut, was ihn, eine Persönlichkeit über seine Heimat hinaus, unvergessen macht.

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