22.11.2021 - 11:26 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Seilbahn-Projekt Ochsenkopf: Abgespeckte Pläne, aber dicke Kosten

Immer noch zu teuer: 32,9 Millionen Euro soll der Neubau der Seilbahnen am Ochsenkopf kosten. Das ist zwar weniger, als noch im Jahr 2019 veranschlagt war, stößt aber vor allem einem Verbandsrat bitter auf.

Der Sessellift soll weichen: Bald könnten die Touristen in Gondeln auf den Ochsenkopf fahren.
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Er wird das so nicht mittragen. Das macht Verbandsrat Hans Hümmer (FW) gleich zu Beginn der jüngsten Sitzung des Zweckverbands zur Förderung des Tourismus und des Wintersports im Fichtelgebirge klar. Die Kosten in der Höhe seien für den Landkreis nicht schulterbar. „Ich möchte daran erinnern, dass wir Anfang des Jahres einen Kostendeckel beschlossen haben“, sagte Hümmer. Der liegt bei 25 Millionen Euro – mehr sollen die neuen Seilbahnen und die dazugehörigen Stationsgebäude nicht kosten.

Zuvor hatte Architekt Alexander Dorfmann die aktuelle Kostenberechnung im Detail vorgestellt. „Abgespeckt“, wie es der Bayreuther Landrat und Verbandsvorsitzender Florian Wiedemann (Freie Wähler) nennt, haben vor allem die beiden Talstationen, die Zwischenstation und die gemeinsame Bergstation der Seilbahnen. Sie sollten 2019 noch über 15 Millionen Euro kosten. Jetzt sind die Gebäude „funktional, kostenbewusst und passen in die Landschaft“, sagte Dorfmann. Und sie sind mit rund 8,8 Millionen Euro vor allem eines: wesentlich günstiger.

Die Seilbahnen selbst kosten jetzt wahrscheinlich drei Millionen mehr als noch vor zwei Jahren. Grund dafür: die steigenden Preise für Baumaterialien. Ganz im Detail würden sich die Kosten für die Seilbahnen aber sowieso nicht ausrechnen lassen, machte der Architekt den Verbandsräten klar. Das hänge von vielen verschiedenen Faktoren ab.

Eventuelle Sanierung

Für Hümmer alles zu unsicher. Kurz vor der Zielgeraden stellte er das ganze Projekt nochmal in Frage. Ob es denn wirklich Zehnergondeln sein müssen? Und ob es nicht reichen würde, die bestehenden Sessellifte zu sanieren? Er habe sich von der Kranzbergbahn in Mittenwald inspirieren lassen. Die sei vor 70 Jahren gebaut und erst kürzlich saniert worden.

Über eine Sanierung habe man in der ersten Planungsphase auch schon nachgedacht und sich dagegen entschieden, sagte Andreas Schreyer, Betriebsleiter der Seilbahnen am Ochsenkopf. Der große Vorteil der geplanten Gondeln sei die Barrierefreiheit. Zum Thema Gondelgröße: „Sechsergondeln werden heute so gut wie nicht mehr gebaut, weil sich die größeren bewährt haben“, sagte Alexander Dorfmann.

Für Jens Stenglein (SPD), der in Vertretung für den Bischofsgrüner Bürgermeister Michael Schreier an der Sitzung teilnahm, ist klar: „Wenn das Projekt Seilbahn stirbt, dann sterben auch alle anderen touristischen Projekte im Fichtelgebirge.“

Ob die Mehrkosten die Kommunen Bischofsgrün, Warmensteinach und Fichtelberg auch tragen können? Das wollte Verbandsrat Günter Pöllmann (CSU) wissen. Das sei schon eine Belastung für die drei Konsolidierungsgemeinden, die die Kosten anteilig durch eine Umlage mittragen, waren sich die Bürgermeister Axel Herrmann (Warmensteinach, FW) und Sebastian Voit (Fichtelberg, CSU) einig. Aber eben auch eine Investition in die Zukunft des Fichtelgebirges.

Förderung bis Ende 2021

Florian Wiedemann erinnerte daran, dass die 30-Prozent-Förderung der Regierung von Oberfranken zum 31. Dezember dieses Jahres ausläuft. „Klar schmecken die Mehrkosten nicht, aber es schmeckt erst recht nicht, wenn die Förderung ausläuft und damit das ganze Vorhaben wackelt.“ Denn mit der nötigen einstimmigen Entscheidung des Zweckverbandes für die „endgültige Baudurchführung“ war in dieser Sitzung nicht mehr zu rechnen. Letztendlich einigten sich die Verbandsräte darauf, die Verwaltung damit zu beauftragen, noch weiteres Einsparpotenzial zu suchen. Außerdem wird es in der nächsten Sitzung eine Kosten-Gegenüberstellung geben: Von einer neuen Sesselbahn, der geplanten Zehnergondel-Bahn und einer möglichen Sanierung der bestehenden Seilbahn. Möglichst zeitnah muss dann eine Entscheidung her, sonst war es das mit der Förderung.

Erst vor Kurzem ging es in der Sitzung um Umwelt und Natur

Fichtelberg

„Ich möchte daran erinnern, dass wir Anfang des Jahres einen Kostendeckel beschlossen haben.“

Hans Hümmer

„Wenn das Projekt Seilbahn stirbt, dann sterben auch alle anderen touristischen Projekte im Fichtelgebirge.“

Jens Stenglein

„Klar schmecken die Mehrkosten nicht, aber es schmeckt erst recht nicht, wenn die Förderung ausläuft und damit das ganze Vorhaben wackelt.“

Bayreuths Landrat Florian Wiedemann

 

 

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