Fichtelberg
26.07.2019 - 10:44 Uhr

Tanken wie vor 70 Jahren

Familie Kellner feiert am Sonntag gleich drei Jubiläen: 70 Jahre Tankstelle, 50 Jahre Geschäftsführung und 20 Jahre freie Tankstelle. Doch ein anderer Grund ist noch mehr Anlass zur Freude.

Die Tankstelle im Jahr 1952. Bild: gis
Die Tankstelle im Jahr 1952.

"tanken & mehr" begeht am kommenden Sonntag, 28. Juli, ein dreifaches Jubiläum: 70 Jahre Tankstelle, 50 Jahre Geschäftsführung durch Armin und Monika Kellner und 20 Jahre als freie Tankstelle. Für die Familie kommt aber noch eine vierte, für sie wichtigste Feier hinzu: Die fortschreitende Wiedergenesung von Sohn Uli, der bei einem unverschuldeten Unfall im April lebensgefährlich verletzt wurde. "Dank unseres engagierten, hilfsbereiten Teams - die Familie, drei Festangestellte und sechs Aushilfen -, die mit Händen, Füßen und Kopf arbeiten, können wir den Ausfall stemmen", ist Armin Kellner erleichtert.

Bevor der Firmenchef über markante Daten und Geschichten aus der Vergangenheit berichtet, nennt er den für ihn und den Betrieb wichtigsten Mittelpunkt: seine Ehefrau Monika, "das Herz der Firma, bei der alle Fäden zusammenlaufen, die bei einer 60-Stunden-7-Tage-Woche von Anfang an die Hauptlast trug", während Armin als freiberuflicher Referent und Trainer für die Autohaus-Akademie in München an mehr als 140 Tagen im Jahr unterwegs war - das frühere und teilweise heute noch soziale Engagement beider in Kirche und Vereinen nicht mitgerechnet.

1947 errichtete Armins Vater Christoph Kellner mit viel Einsatzbereitschaft eine Autowerkstatt und nahm die erste Tanksäule mit einer von Hand betätigten Kraftstoffpumpe in Betrieb. Kurz nach der Genehmigung 1949 lief die Tankstelle bereits so gut, dass ein Tankwart eingestellt werden konnte. 1956 kam eine Diesel-Zapfsäule hinzu. Der Auto- und Motorradwerkstatt folgten noch weitere Unternehmen, 1962 die Eröffnung eines Autosalons in Piräus/Griechenland (bis 1973), wo der "Fichtelberger Grieche" Apostolos Makris für den Verkauf von gebrauchten Pkw verantwortlich war.

"Da saß ich schon als 17-Jähriger - meine 14-jährige Schwester auf dem Beifahrersitz - am Steuer eines neuen Fiat 1500 nach Piräus", erinnert sich Armin Kellner. Heute undenkbar; auch, dass er während seiner Lehrzeit bei Audi in Ingolstadt, wo er gleich in der ersten Stunde seine spätere Ehefrau Monika kennenlernte, am Samstag die während der Woche daheim verkauften Autos nach Hause fuhr und am Sonntag dann wieder per Anhalter zurück musste.

Kurz nach seinem Studium zum Diplomingenieur für Wirtschaftstechnik traf die Familie am 17. April 1969 ein harter Schicksalsschlag: Vater Christoph verunglückte tödlich und der erst 23-Jährige Armin übernahm mit seiner Monika, die er kurz darauf heiratete, die Leitung des Betriebs.

In den sieben Jahrzehnten wurde saniert, renoviert und modernisiert, so 1963 von Christoph Kellner ein Reisebüro eröffnet und Omnibusse angeschafft, es wurden Händlerverträge mit DKW Auto Union, mit BMW und Ford abgeschlossen. 50 Jahre bis zum Umbau zur freien Tankstelle 1999 blieben die Kellners ARAL treu. "Es durfte auch kein anderer Sprit verkauft werden. Sogar ein Kaugummi-Automat war dem Kraftstoffriesen im Weg", schmunzelt der Betriebschef heute. 2001 wurden eine Post-Agentur und eine Postbank- Agentur eröffnet.

"Keine Sekunde noch hab' ich in all den Jahren 'sch... Tankstelle' gedacht, obwohl wir, als wir noch im Haus über dem Betrieb wohnten, oft aus dem Schlaf gerissen wurden, weil jemandem der Sprit ausgegangen war", erzählt Armin Kellner, der bereits als "Zehnjähriger schon Sonntagsdienst hatte, als der Liter Benzin noch 54 Pfennige kostete. Das Tanken machte mir keine Mühe" erinnert er sich, "eher schon das Lichter- und Scheibenputzen. Dafür waren manchmal einfach meine Arme zu kurz".

Gefeiert wird am kommenden Sonntag, 28. Juli von 10 bis 16 Uhr mit "Tanken wie vor 70 Jahren".

Monika und Armin Kellner vor ihrer Tankstelle Bild: gis
Monika und Armin Kellner vor ihrer Tankstelle
 
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