08.08.2019 - 11:04 Uhr
FlossOberpfalz

14 Dollar von jedem Gast

Das Brautpaar wird mit Reis überschüttet und schon ist man verheiratet. Familie Hanthavong berichtet beim Seniorenkreis über ihre Heimat.

Gerlinde Engel zeigt zwei handgewebte Tücher, die heute nicht mehr hergestellt werden, weil mit der Lupe gearbeitet werden muss.
von Fred LehnerProfil

Ehemann Boonthee, genannt "Bonti", ist Kinderarzt und Ehefrau Bouangeun, "Linda" ist Lehrerin, Mit dabei hatten die beiden Sohn Natiphong, "Tony". Sie zeigten wie man im Tempel sitzt und wie bei Festen und Hochzeiten getanzt wird. Jede Frau in Laos, auch eine sehr arme, besitze ein selbst gewebtes Festkleid aus Seide. In jedem Bauernhaus gibt es einen Webstuhl.

Gerlinde Engel zeigte zwei kleine Kostbarkeiten, die kaum mehr gewebt würden, weil man dazu eine Lupe brauche. "Das können nur noch wenige Laoten." Hochzeiten in großen Sälen mit 1000 Leuten sind keine Seltenheit. Jeder Gast muss 14 US-Dollar mitbringen und wird auf seinen Platz geführt. Manche Brautpaare können zwei Jahre von diesem Geld leben. Der Bürgermeister leitet die Zeremonie, bei der das Brautpaar mit Reis überschüttet wird. "Dann ist man verheiratet."

Ziel der Stiftung "Angels for Children" sei der Zugang zur Bildung für jedes Kind, gleich wo es geboren sei. Das ist auch die Prämisse von Gerlindes Schwägerin Ingrid. Aus einem Schulhaus wurden nunmehr zwei Volksschulen und eine Mittelschule. 19 Lehrer bezahlt die Stiftung. Ein Lehrer verdient rund 200 US-Dollar im Monat, der Mindestlohn für Arbeiter und Angestellte liegt in Laos bei 150 US-Dollar. Näherinnen verdienen mit Akkordlohn mindesten 200 US-Dollar im Monat.

Die neue Mittelschule in Laos. Sie wurde 2011 durch die Stiftung "Angels for Children" gebaut. Gerlinde Engel ist im Stiftungsvorstand tätig.

Die Stiftung habe auch Interesse, dass die Kinder eine Ausbildung bekommen, einen Beruf erlernen können. Nach der Mittelschule können sie nach einem Test in das College gehen, Elektriker und Metaller werden. Drei Jahre Lehrzeit zahlen sich aus, zumal die Stiftung Taschengeld bezahlt, damit die jungen Leute den täglichen Reis kaufen können. Derzeit werden auch zwei Lehrlinge aus Laos in Weiherhammer ausgebildet.

Gerlinde Engel wird nach der Feier ihres 81. Geburtstages am Samstag, 10. August, wieder nach Laos zurückkehren und weiter helfen. Engel hat im 24.000 Kilometer entfernten Ban Sikeud eine zweite Heimat gefunden. Nach knapp 55 Jahren Arbeitsleben engagiert sie sich nun für die Stiftung "Angels for Children" und hat im Stiftungsvorstand Sitz und Stimme.

Es ist erstaunlich, welche Vitalität die Seniorin ausstrahlt, wenn sie davon spricht, dass sie in wenigen Wochen wieder nach Laos zurückkehrt. "Meine Kinder brauchen mich, sie haben blindes Vertrauen zu mir." Ihre Lebensaufgabe und ihr Lebenswerk unter dem Motto: "Heute ein Lachen, morgen eine Lebenschance" setze sich mit der Stiftung "Angels for Children" fort. Wie lange noch? "Das liegt in Gottes Hand", lächelt die humorvolle Flosserin.

Es war ein freudiges Wiedersehen. Leiterin Marlene Noetzel begrüßte Gerlinde Engel mit einem Wort von Martin Luther: "An Frieden denken heißt an Kinder denken" und hieß auch die Familie Hanthavong herzlich willkommen. Von links: Marlene Noetzel, Gerlinde Engel, Tony, Linda und Bonti Hanthavong.

Auf Anregung von Leiterin Marlene Noetzel berichtete Engel mit einem Bildervortrag beim katholischen Seniorenkreis über ihre Arbeit in Laos. Noetzel war im Dezember mit Ehemann Thomas für drei Wochen in dem asiatischen Land.

"Wir mussten handeln, weil wir nicht mehr mit ansehen konnten, unter welch primitiven und katastrophalen Verhältnissen die Kinder zur Schule gehen." Es gab keine Bücher, kein Schreibzeug, nur wackelige Gestelle als Bänke. Es fehlte an Kleidung. Gerlinde Engel schilderte den Bau einer Grundschule durch die Stiftung von der Planung bis zur Einweihung 2005.

Eigentlich wollten die Kinder weiße Schuluniformen tragen, doch Gerlinde Engel setzte durch, dass die Kinder auch blaue Kleidung tragen dürfen: "Die weiße Kleidung wird durch Mekongwasser braun."

Bezaubernd schön ist der vom Ehepaar Hanthavong aufgeführte Tanz.
Stichwort: Laos:

„In ganz Laos, das seit 1975 Demokratische Volksrepublik ist, gibt es nur eine Zeitung. Landwirtschaft prägt das Land und ist zentraler Faktor. Tierhaltung in Kästen, die auch in Städten aufgestellt werden, gehört zum täglichen Leben. Das Land ist dünn besiedelt. Über 60 Prozent der Bevölkerung ist unter 25 Jahre. 80 Prozent der Einwohner leben von der Landwirtschaft und Fischzucht. Das Einkommen eines Fabrikarbeiters liegt bei etwas über 100 US-Dollar monatlich. Über 70 Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten.

Klebereis gehört zur Hauptspeise. „Mehr als einen Dollar pro Tag können die Menschen für Essen nicht ausgeben.“ Schwierig sind die klimatischen Verhältnisse mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von 22 bis 40 Grad. Ban Sikeud, wo Engel seit 24 Jahren lebt, zählt über 1500 Einwohner. Die Kluft zwischen Arm und Reich – Laos gehört zu den ärmsten Ländern der Welt – wird immer größer. Viele Laoten, die im Dschungel leben, hätten von Geld keine Ahnung. Ihre Mentalität aber sei nie verletzend oder beleidigend. „Das unterscheidet sie von den Chinesen“. (le)

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