15.06.2018 - 12:17 Uhr
FloßOberpfalz

22-Jährige rettet Rehkitz

Louisa Klären findet im Straßengraben ein kleines Reh. Ob es durchkommt, ist ungewiss. Mit viel Geduld und Liebe päppelt die 22-Jährige das Tierchen wieder auf.

Mit großen Augen blickt das kleine Reh in die Welt. Angst vor Menschen kennt es nicht. Auch für die Fotografin steht es ganz still.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

(mic) „Anni“ schnuppert neugierig an den Händen der Besucher. Das kleine Reh scheint keine Angst zu haben. Voller Vertrauen blickt es mit großen Augen in die Welt und läuft Pflegemama Louisa Klären auf staksigen Beinchen hinterher. Vor knapp fünf Wochen hat die 22-Jährige Flosserin das Tier im Straßengraben aufgelesen.

Seitdem päppelt sie das Rehlein mit Hilfe von Freund Josef und Tierarzt Dr. Ulrich Beuther wieder auf. Der Veterinärmediziner bestätigt Louisas erste Vermutung: Die Mutter hat ihr Junges verstoßen. „Ich bin von der Arbeit nach Hause gefahren, als ich am Straßenrand etwas bemerkte“, erzählt die junge Frau. Sie hält an und sieht nach, weil sie zunächst ein Kätzchen vermutet. Das Reh, dass sie vorfindet, schreit jämmerlich. „Es hatte ganz verklebte Augen und konnte nicht aufstehen.“ Als die 22-Jährige das Tier auf den Arm nimmt, hört es auf zu jammern. „Es einfach liegen zu lassen, wäre für mich nicht in Frage gekommen.“ Louisa und Josef bringen das Kitz sofort in die Praxis von Dr. Beuthner. Der schätzt es den Punkten am Fell nach auf etwa 2 Tage. Der Tierarzt vermutet zunächst, dass das Augenlicht nicht mehr zu retten ist.

Doch „Klein-Anni“, wie Louise ihr Findelkind tauft, will leben. Die ersten neun Tage bekommt das Kitz täglich eine Penicillinspritze. Auch die Ersatzmilch zu beschaffen, ist nicht einfach. „Anni“ wird in der ersten Zeit mit Schafsbiestmilch gefüttert. „Die bekommen wir tiefgefroren aus Waldthurn“, erzählt Louisa.

Alle drei Stunden, auch nachts, steht die Studentin auf, wärmt die Milch auf und versorgt ihr Findelkind. Das Rehlein schläft deshalb mit im Haus – auf einem Lager neben Louisa Bett. Der Fläschcheninhalt muss genau die richtige Temperatur haben. „Zwischen 39 und 39,5 Grad. Ist die Milch zu warm, kann man sie wegschütten und nochmal von vorne anfangen.“

Inzwischen ist „Anni“ knapp fünf Wochen alt und wird nachts nicht mehr gefüttert. Die letzte Mahlzeit gibt‘s um Mitternacht und dann wieder früh um 6 Uhr. Tagsüber will das Reh noch alle vier Stunden sein Fläschchen. Biestmilch muss es mittlerweile nicht mehr sein, jetzt trinkt „Anni“ Ziegenmilch aus Woppenrieth. Auch Gräser und Blätter werden interessant. „Sie hat am Anfang nicht kapiert, was sie mit dem Blatt soll. Wir haben es ihr immer wieder hingehalten.“ Fläschchen gibt es noch bis Ende August, dann dürfte das Tier so weit sein, dass auf die Milch verzichtet werden kann.

Auch der Tierarzt ist zufrieden. „Anni“ bringt jetzt 3600 Gramm auf die Waage. Anfangs waren es nur 1000 Gramm. Wie es mit dem Reh weitergeht, wissen Louisa und ihr Freund noch nicht genau. Auswildern kommt aber nicht in Frage, dafür ist „Anni“ viel zu zutraulich. Ob sie in einem Wildgehege untergebracht werden kann oder auf dem Hof in Floß bleibt, wird sich zeigen. „Je nach dem, wie sie sich entwickelt.“

 

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