20.08.2021 - 11:38 Uhr
FlossOberpfalz

600 Jahre Kirchweih in Floß

Bis 2019 haben die Flosser ihre Kirwa groß gefeiert. Seit Corona ist alles anders, auch heuer. Die Kirchweih selbst kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Zur Kirwa gibt die Flosser Landwehr auch heuer auf dem Marktplatz Salutschüsse ab.
von Fred LehnerProfil

Das kleine, bei der ersten Heimattagung am 1. und 2. August 1926 vom damaligen Festausschuss herausgegebene und von Oberlehrer Leonhard Bär verfasste Büchlein „Der Markt Floß - in Vergangenheit und Gegenwart" ist heute noch ein reicher Fundus der Ortsgeschichte. Bär hält darin unter anderem fest: „In Floß wurde anfangs wahrscheinlich nur eine Kirchweih mit Jahrmarkt abgehalten, nämlich am Tage des Kirchenpatrons 'Johannes Baptista'; die zweite Kirchweih im Markt wurde vermutlich seit 1421 am Tage St. Bartholomäus (24. August) gefeiert. Das aus weitem Umkreise fleißig besuchte Flosser Kirchweihfest findet noch jetzt am 4. Sonntag im August statt. (...) Nur an den Markttagen durfte von auswärts Bier eingeführt und im Freien verzapft werden."

Bis 2019 wurde im über 3000-Personen großen Festzelt auf einer Wiese bei Oberndorf die „Flosser Kirwa" als überregional bekannte Veranstaltung gefeiert. Aber wie war das früher? Vor allem die ältere Generation denkt gerne an vergangene Kirchweihfeste zurück. Noch zu Beginn der 20. Jahrhunderts gab es im Marktzentrum viele Tanzsäle und Wirtshäuser. Gäste und Besucher aus Nah und Fern waren gekommen. Der Drei-Königs-Saal, dort wo die „Burschengesellschaft Cylinder-Club 1889" geboren wurde, beim „Höchtnschneider-Toni" (heute Gasthaus Goldener Löwe), im „Kellerhäusl" und auf der „Drehscheibe" wurde ebenso kräftig Kirchweih gefeiert wie im früheren Bahnhofssaal. Von den nahezu 30 Wirtshäusern und Zoiglstubn im Markt einmal ganz abgesehen. Die Flosser Kirchweih war über Jahrhunderte in aller Munde und Anziehungspunkt für Jung und Alt. Auch in Kalmreuth, Diepoltsreuth, Bergnetsreuth, Schlattein, Plankenhammer, Hardtheim, Grafenreuth, Steinfrankenreuth und später Würzelbrunn feierten die Gäste.

Im Herzen des Markts

Die Jahrmärkte hatten im Herzen des Marktes, dem Paradeplatz und der heutigen Marktplatzanlage ihren festen Standort. Dort bot unter anderem der „Billige Jakob" (Familie Huber aus Fürth) auf seine Art mit viel Witz und Humor seine angeblich spottbilligen Waren an und fanden reißenden Absatz. Auch das Schaustellerunternehmen „Rößler" mit Kettenkarussell, Schiffschaukel und Zweistock-Karussell mit Sofasitzen war legendär. Später hatte das Unternehmen Walter Blum aus Weiden einen festen Standplatz in Floß. Gastfreundschaft und Gemütlichkeit, dazu Kirchweihspeisen wie Geflügel aller Art, Getränke, Kaffee und Gebäck, dazu die berühmten Kirwakücheln hatten es den Kauflustigen angetan. Freilich, auch das hat es gegeben: Keine Flosser Kirwa ohne einer, teils auch kräftigen Streiterei und Rauferei, vor allem auf den Tanzböden, mit denen selbst das Neustädter Amtsgericht zu tun hatten. Der Gerstensaft zeigte Wirkung. Darüber wird heute noch an Bier- und Gesellschaftstischen erzählt.

Das alles hat sich ab der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gewaltig geändert. Tanzsäle und Gasthäuser reichten nicht mehr aus, um Gäste und Besucher, vor allem die tanzlustige Jugend, unterzubringen. Die Idee, die Flosser Kirwa in der 1972/1973 gebauten Chipsihalle, wo viele Tausend Besucher Platz hatten, zu feiern, geht auf die Initiative der Männer des Cylinder-Clubs zurück. 1972 war es soweit. Waren es früher drei Tage (Samstag, Sonntag und Montag), so kam im Laufe der Jahre der Freitag als Vorkirchweihtag noch hinzu. Richtigen Volksfestcharakter hatte die Flosser Kirwa. Die Gäste verglichen sie gerne mit den großen Bierzeltfesten in Straubing und Kulmbach. Der legendäre, bis zum frühen Abend anhaltende Frühschoppen am Kirchweihmontag wurde längst zum arbeitsfreien Festtag. Namhafte Bands aus dem süddeutschen Raum, Schlagerstars und Blaskapellen, die mit dem Flosser Marsch Nummer 18 die Stimmung richtig anheizten, gaben sich ein Stelldichein.

Brandursache nie geklärt

Als die Chipsihalle am 18. Juni 1995 einer Feuersbrunst zum Opfer fiel – bis heute kennt man die Brandursache nicht – war der Cylinder-Club obdachlos. Mit dem Ländlichen Burschenverein Floß und Umgebung wurde ein Freundschaftsverbund geknüpft. Beide Vereine wechselten sich Jahr für Jahr als Veranstalter ab. Einige Jahre klinkten sich der Turnverein 908 und der Fischereiverein als Veranstalter mit ein. Inzwischen ist der Festplatz bei Oberndorf. Und das Kirchweihfest im Marktzentrum und im Flosser Land? Seit den Großveranstaltungen in der Chipsihalle und jetzt im Zelt hat der Zuspruch der Besucher in den noch vorhandenen Gasthäusern merklich nachgelassen.

Beide Konfessionen feiern seit Jahrhunderten am Sonntag mit den Gläubigen das traditionelle Kirchweihfest mit Jahrmarkt. In der katholischen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer kamen meist Festmessen bei den Eucharistiefeiern zur Aufführung, während in der evangelischen Pfarrkirche St. Johannes Baptista am Kirchweihmontag die "Wittmann’sche Betstunde" abgehalten wurde. Eine weitere Attraktion war am Kirchweihsonntag der Aufmarsch der Flosser Landwehr auf dem Marktplatz mit Salutschießen. Auch das Standkonzert mit zünftiger Blasmusik ist längst zur Tradition geworden. Beim Frühschoppen gab es immer Freibier. Und zum Jahrmarkt kamen nach wie vor viele Fieranten.

Die Corona-Pandemie hat allen Fest- und Feierlichkeiten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Marktplatz war bei der Kirchweih 2020 menschenleer. Auch heuer gibt es weder Festzelt noch Tanzveranstaltungen. Das Kirchweihfest im Marktzentrum beschränkt sich auf eine "kleine Wirthauskirwa" durch die Gastronomie. Küche und Keller sind bestens gerüstet. Außerdem soll es unter Einhaltung der Corona-Bestimmungen ein Standkonzert ab 11 Uhr und einem Auftritt der Flosser Landwehr mit Salutschießen in der Marktplatzanlage geben.

Flosser Kirwa 2021 abgesagt

Floss
Hintergrund:

Kirwasonntag in Floß

  • Festgottesdienste: 9 Uhr in der evangelischen Kirche St. Johannes Baptista, 10 Uhr in der katholischen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer
  • Marktplatz: 10.30 bis 12 Uhr kleines Konzert der Flossenbürger Blaskapell'n, 11.10 Uhr Salut der Landwehr, Freibier vom Brauhaus, gesponsert von der Landwehr
  • Bahnhof: 13 bis 18 Uhr zur Serenade des Cylinder-Clubs mit den "Woihauser Straßenmusikanten", Gegrilltes, Kaffee und Kuchen

 

 

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