29.07.2021 - 12:33 Uhr
FlossOberpfalz

Flosser Schreinerei eine der ältesten im Landkreis Neustadt

In der mittlerweile siebten Generation hält Kurt Wirner eine alte Handwerkstradition aufrecht. Seit 250 Jahren gibt es seine Schreinerei nun schon. Dabei wäre es fast nicht so weit gekommen.

Schreinermeister Kurt Wirner und seine Ehefrau Kerstin führen den Traditionsbetrieb in siebter Generation.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Schreinermeister Kurt Wirner und seine Ehefrau Kerstin sitzen in ihrer überdachten Outdoor-Küche vor einem dicken Ordner voller historischer Dokumente. Seit 1997 betreiben sie in ihrem Anwesen an der Vohenstraußer Straße die Schreinerei, die auf eine 250-jährige Tradition zurückblicken kann. Der Betrieb ist damit einer der ältesten im Landkreis Neustadt und der älteste in Floß. In dem Ordner ist unter anderem auch der große Stammbaum der Wirners abgeheftet, ein Original aus dem Jahr 1935. Die Wurzeln reichen bis 1280 und in den Flosser Ortsteil Würnreuth zurück, wobei der Familienname Würner dem katholischen und Wirner dem evangelischen Glauben zuzurechnen ist, weiß Kurt Wirner.

Schreinerei 1771 gegründet

1771 hatte Erhard Wirner, Sohn des Ellenbacher Bauern Johann Leonhard Wirner, die Schreinerei am jetzigen Standort erbaut und sich damit selbstständig gemacht. Damit gründete er eine Handwerkstradition, die bis heute andauert. Und die auch schon einige Krisen überstanden hat, nicht nur Corona. Am 1. Februar hatten Kurt und Kerstin Wirner die Schreinerei von Kurts Vater Albert übernommen, der sie zuvor fast 45 Jahre geführt hatte. Die Übergabe war allerdings keine Erbschaft, sondern erfolgte nicht kostenfrei, betont Kurt Wirner.

Vor über elf Jahren hätte die Bankenkrise dann beinahe das Aus der Schreinerei bedeutet. Aber in dieser Zeit hätten sich die wahren Freunde gezeigt. Zusammen mit seiner Frau hat Kurt Wirner es schließlich geschafft, den Betrieb zu retten. Die Krise hat das Ehepaar, das schon vorher gut zusammengehalten hatte, sogar "noch enger zusammengeschweißt", sagen beide. Sie haben ihre Nische gefunden: Möbelrestauration, Möbel nach Maß, Holz-Alu-Fenster, Türen, Innenausbau oder Wintergärten. Spezialanfertigungen wie Fenster für Altbauten gibt es nicht im Baumarkt. Kerstin Wirner übernimmt die Beratung und Ehemann Kurt die Ausführung, der Kundenstamm reicht bis nach Vorbach und Schlammersdorf.

Kein Nachfolger

Das Jubiläum macht Kurt Wirner, der seit 1996 Schreinermeister ist, aber auch ein bisschen nachdenklich: "Man weiß nicht, was die Zukunft bringt." Ein Nachfolger ist nämlich nicht in Sicht. Sohn Dennis und Tochter Selina helfen zwar manchmal mit, haben aber andere Pläne. Die Schreinerei wird es daher wohl nur noch so lange geben, wie Kurt und Kerstin Wirner den Beruf ausüben können. "Nachwuchs zu finden, ist ganz schwierig, sowohl in der Familie als auch externe Interessenten", weiß Alexander Stahl, Geschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Niederbayern-Oberpfalz. Hier spiele auch Corona eine große Rolle, denn gerade in Pandemiezeiten wolle sich niemand selbstständig machen.

Ehrenblatt in Gold

Stahl ist aber aus einem erfreulicheren Anlass aus Regensburg nach Floß gekommen: Er überreicht dem Ehepaar das Ehrenblatt in Gold, um so die 250-jährige Geschichte der Schreinerei Wirner zu würdigen. "Mehr als 100 Jahre sind wirklich eine starke Leistung", betont er. "Ein Geschäft zu eröffnen ist leicht, es geöffnet zu halten ist schwierig." Mit diesem chinesischen Sprichwort spielt Stahl auch auf die wechselhafte Geschichte des ältesten Flosser Betriebs an. Der HWK-Geschäftsführer zollt dabei jedoch dem "klugen Unternehemertum" sowie dem "Mut und Ehrgeiz, auch in Krisenzeiten" seinen allerhöchsten Respekt. "Die Handwerkskammer ist stolz darauf, einen solchen Betrieb in ihren Reihen zu haben."

Besonders beeindruckt ist Stahl auch von der Tatsache, dass die Wirners keinen Internetauftritt haben - und ihn auch nicht brauchen. Ihre Schreinerei "lebt von der Mund-zu Mund-Propaganda, die gute Arbeit spricht sich herum", freut sich der gebürtige Weidener.

Wie sich ein Handwerksbetrieb in Zeiten von Corona der Öffentlichkeit präsentiert

Schwandorf
Alexander Stahl (links), Geschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, überreicht Kerstin und Kurt Wirner das Ehrenblatt in Gold für das 250. Betriebsjubiläum.
Hintergrund:

Ehrenblatt der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz

  • Ehrenblatt in Silber für mindestens 25 Jahre alte Betriebe
  • Ehrenblatt in Gold ab 100 Jahren Betriebsgeschichte

"Die Handwerkskammer ist stolz darauf, einen solchen Betrieb in ihren Reihen zu haben."

Geschäftsführer Alexander Stahl

 

 

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