29.05.2020 - 15:47 Uhr
FlossOberpfalz

Geschichte wieder aufgefrischt

Geschichtsbewusstes Denken und Handeln braucht keinen Auftrag oder eine Bitte, das kommt von selbst. Das ist Teil echter Heimatliebe. Beim früheren OWV-Landschaftsschutzwart Siegfried Schell ist dies der Fall. Er greift zum Pinsel.

Heimatfreund Siegfried Schell hat sich an die Arbeit gemacht und die Inschrift am Gedenkstein am Münchhof lesbar erneuert. Und nicht nur das: Auch die Inschriften an den Gedenksteinen am Schwarzenbächlein und an der Richtstätte „Am Galgen" finden durch neuen Anstrich eine Auffrischung.
von Fred LehnerProfil

Siegfried Schell, wusste, dass die Farbe in der vom früheren Bürgermeister und Steinmetzmeister Hans Ruckdäschel im Gedenkstein am Münchhof eingemeißelte Inschrift kaum mehr lesbar war. Die Wanderer und Spaziergänger bedauerten dies. Die Anlage am Münchhof wurde vom OWV-Zweigverein Floß und Umgebung im Einvernehmen mit dem Markt errichtet. Stets hat sich der OWV der Pflege und Unterhaltung öffentlicher Plätze und Anlagen, sowie der Förderung des Brauchtums und der Tradition gewidmet. Heimatfreund Schell nahm kurzerhand Pinsel und Farbe zur Hand, machte sich auf den Weg zum Münchhof und erneuerte gekonnt mit schwarzer Abtönfarbe die Inschrift. Jetzt kann sie wieder deutlich gelesen werden. Dort heißt es: „Hier stand der Münchhof 1124/1125 – 1540, 1670 – 30. Mai 1977".

Die reich, über 1072-jährige Ortsgeschichte erzählt, dass der Münchhof augenscheinlich aus den ersten Besitzungen hervorgegangen ist, die das Augustiner Chorherrenstift in Berchtesgaden von den Salzburgern 1124/1125 geschenkt erhielt. Es handelte sich um die einträglichen Güter Trievenreuth und Trevenreuth. 1540 wird der Münchhof an Herzog Philipp von Neuburg veräußert. Das Ende des Münchhofs kam im Jahre 1670, wo der Markt Floß die „Mayerey Münchshoff" am 30. Mai kaufte.

Der OWV-Zweigverein Floß und Umgebung auf onetz.de

Der Kauf des Münchhofs ist ein Markstein in der Geschichte des Marktes, der in der Mitte des 17. Jahrhunderts wirtschaftlich so stark geworden war, dass er jetzt die ihm von Anfang an auferlegten Fesseln sprengen konnte. Die im schlechten Zustand befindlichen Gebäude wurden abgebrochen, die Familien nach Floß versetzt und für sie die ersten Häuschen „In der Wieden" (das Gebiet der heutigen Flossenbürger Straße und Eigenheimsiedlung) errichtet. Grund und Boden wurden unter den Flossern verteilt und kultiviert. Es war jene Zeit in der die ersten „Gemeindenutzungsrechte" entstanden sind. Der sogenannte Zehentstadel im Münchhof ist auf der Vogel’schen Karte aus dem Jahre 1600 noch deutlich zu erkennen.

Auf Anregung von Heimatforscher und Ortschronisten, Landgerichtspräsident Adolf Schuster aus Weiden wurde auf dem Münchhof ein Gedenkstein aufgestellt. Gesucht und gefunden hatte den Granitblock im Flosser Amt der frühere Vorsitzende Josef Plödt vom OWV-Zweigverein. In einem feierlichen Festakt und in Anwesenheit von Vertretern des Marktes Berchtesgaden und des Bayerischen Staatsarchivs Amberg wurde am 30. Mai 1977 der Gedenkstein eingeweiht.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.