21.12.2020 - 10:50 Uhr
FlossOberpfalz

Heiligabend unter Zeitdruck: Organisten hetzen von Messe zu Messe

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Besinnlich und ohne Stress soll die staade Zeit um Heiligabend sein. In diesem Jahr stehen Organisten und Pfarrer aber extrem unter Zeitdruck. Die einen suchen händeringend musikalische Begleiter, die anderen hecheln von Messe zu Messe.

Organisten haben Weihnachten 2020 alle Hände voll zu tun.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Selbst an Weihnachten gilt: Ausgangssperre ab 21 Uhr. Viele Pfarrer sind deshalb kurz vor Weihnachten gezwungen, ihre Pläne für Heiligabend über den Haufen zu werfen. Eine nächtliche Christmette darf es in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nämlich nicht geben. Diese Entscheidung bringt Pfarrer und Organisten im Landkreis Neustadt/WN allerdings extrem an ihre Grenzen – zeitlich und personell.

Pfarreien in Weiden und im Landkreis Neustadt müssen wegen Ausgangssperre umplanen

Weiden in der Oberpfalz

18 Organisten angefragt

"Ich habe mich so reingesteigert, ehrlich gesagt", gesteht der Flosser Pfarrer Max Früchtl. "Ich glaube, ich habe 18 Organisten angerufen. Jetzt habe ich aber jemanden, Gott sei Dank." Die große Erleichterung ist dem Pfarrer selbst durch den Telefonhörer anzuhören. Drei Tage lang hatte er verzweifelt versucht, einen Organisten für seinen Gottesdienst zu finden, denn in diesem Jahr sind viele Messen wegen der Ausgangssperre nun zeitgleich gelegt worden, oder so versetzt, dass es die Organisten von einer Messe zur nächsten trotzdem nicht mehr schaffen würden. "Das ist alles so komprimiert. Auf der anderen Seite sind wir dankbar, dass es nicht so ist wie an Ostern. Da war ich allein in der Kirche, und das ist ja deprimierend." Früchtl nimmt die ganze Suche mittlerweile auch mit Humor: "Ich habe jetzt eine ganze Liste von Organisten. Wenn wieder so etwas ist, kann ich alle anrufen", scherzt er. Großartig findet er das Engagement der Orgelspieler, die sich fast schon zerreißen müssten und für die vielen Gottesdienste teilweise sogar ihre Familie zurückstellen.

"Ich habe mich so reingesteigert, ehrlich gesagt. Ich glaube, ich habe 18 Organisten angerufen. Jetzt habe ich aber jemanden, Gott sei Dank."

Pfarrer Max Früchtl aus Floß

Pfarrer Max Früchtl aus Floß

Auch in Wurz hat Christa Fischer, die stets die Organisten organisiert, mit diesem Problem zu kämpfen. Wenige Tage vor Weihnachten muss sie sich um einen neuen Orgelspieler kümmern. "Wir haben alles ganz toll organisiert gehabt. Die letzte Messe wäre um 22 Uhr gewesen, da hatten wir schon einen Organisten." Weil diese nun aber nicht stattfinden darf, musste der Gottesdienst vorverlegt werden, doch zu dieser Zeit hat Organist Tom Zilbauer aus Wilchenreuth bereits für eine andere Messe zugesagt. "Hätten wir mehr Orgelspieler, dann hätten wir das Problem nicht. Da werden jetzt die Lücken sichtbar", ist sich Fischer sicher. Das Zeitfenster, in dem die wenigen Organisten nun von Messe zu Messe hecheln müssten, sei außerdem einfach zu klein. Trotzdem hat Fischer es nun aber doch noch geschafft, einen Organisten zu finden und ist sehr froh darüber.

Viele Gottesdienste zeitgleich

Zilbauer selbst findet es schade, dass er einen Gottesdienst absagen musste. "Das ist richtig schwierig. Durch die Sperre wurde alles auf einen Haufen geschoben", sagt er. Nun schafft der 18-Jährige, der schon seit fünf Jahren Orgel und seit zwölf Jahren Klavier spielt, nur noch die beiden Gottesdienste in Neustadt/WN. Von einigen seiner Organisten-Kollegen weiß er, dass es ihnen ähnlich geht. "Aber wir machen alle das Beste aus der Situation." Das sieht auch der Eschenbacher Organist Walter Thurn so. Auch er hat viele Anfragen bekommen, musste aber einige ablehnen. "Teilweise habe ich schon vier Gottesdienste an Heiligabend geschafft, da hatte ich aber dazwischen Zeit", sagt er. "Das Problem ist heuer, dass alles doppelt ist, und Organisten sind leider Mangelware." Um dieses Problem heuer besser in den Griff zu bekommen, hätte seiner Meinung nach auf ein paar Gottesdienste verzichtet werden können. "In diesem Jahr muss man ja auf vieles verzichten."

Während sich andere Pfarreien extrem schwer tun mit der spontanen Organisten-Suche gibt es aber auch Pfarrer, die entspannt sein können. "Ich brauche für Püchersreuth niemanden mehr. Ich bin so dankbar, dass ich einen Organisten habe", freut sich Pfarrer Manfred Wundlechner. In der Pfarrei Sankt Konrad in Weiden hat Dekan Johannes Lukas ebenfalls kein Organisten-Problem. "Wir haben unseren festen Stamm. Es war zwar schon ein bisschen problematisch, insofern, weil es mehrere Gottesdienste gibt, aber es hat funktioniert", informiert er. Selbst, mit der Entscheidung, die Christmette auf 19.30 Uhr vorzuziehen, habe es keine Schwierigkeiten gegeben. Und auch in Grafenwöhr sieht die Lage gut aus: "Wir haben unsere Leute. Die können auch spielen. Es gibt keine Überschneidung", berichtet Pfarrer Bernhard Müller. "Da geht's uns gut, dass wir jemanden haben."

 

 

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