15.02.2019 - 14:51 Uhr
FlossOberpfalz

Hohe Durchfallquoten beim Führerschein ein Rätsel

Die bundesweiten Durchfallquoten bei theoretischer und praktischer Fahrprüfung steigen. Handys, Stress, Überforderung, fehlendes Interesse und übervorsorgliche Eltern nennen Fahrlehrer als Ursache. Der wahre Grund bleibt wohl ein Rätsel.

Fahrschullehrer Paul Hartmann ist nicht immer mit den Leistungen seiner Schützlinge zufrieden. Aber die 17-jährige Alina Zenger aus Püchersreuth, die gerade ihre Fahrkünste auf Flosser Straßen erprobt, macht ihre Sache gut.
von Stefan NeidlProfil

Fahrschullehrer Paul Hartmann, der in Floß eine Filiale betreibt, stellt selbst eine ähnliche Entwicklung fest. Für ihn ist der Fall klar: "Die Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer. Manche Schüler haben Probleme sich für 45 Minuten auf den Verkehr zu konzentrieren." Dies liege an Schule und Eltern. "Die Jugendlichen müssen heute keine eigenen Entscheidungen mehr selbst treffen. In der Schule wird nur noch Auswendiglernen gefördert. Stehen sie dann, wie am Steuer, alleine da, sind die Schüler überlastet," sagt der 56-Jährige Windischeschenbacher.

Seit 25 Jahren ist er Fahrschullehrer und stellt einen stetigen Rückgang der Leistungsfähigkeit über die vergangenen 10 bis 15 Jahren fest. "Ich sage immer, die Führerscheinanwärter müssen Autofahren. Nicht Autodenken."

Ähnlich sieht es Stefan Tretter aus Weiden. Er unterhält derzeit noch drei Fahrschulen. Seine Filiale in Floß hat er geschlossen, da er nicht genügend Lehrer findet. Viele seiner derzeit 108 Fahrschüler kommen aber nach wie vor aus dem Gebiet und besuchen jetzt seine Fahrschule in Altenstadt/WN. "Die Duchfallquoten steigen auch bei uns. Der Jugend heutzutage fehlt die Beobachtungsgabe. Früher haben sie ihren Eltern am Steuer zugesehen und haben so Grundkenntnisse vom Verkehr entwickelt. Jetzt hängen sie nur noch am Smartphone", bedauert er.

Zudem werde in Prüfungen immer mehr verlangt. Der praktische Teil dauert nach seiner Ansicht immer länger, wodurch auch mehr passieren könne.

Einer Änderung der Prüfungspraxis widerspricht Vincenzo Lucà von der Pressestelle des Tüv Süd: "Anforderung der praktischen und theoretischen Prüfung sind seit Jahren gleich. Der theoretische Fragenkatalog umfasst 615 Grund- und 496 nach Klassen unterteilte Spezialfragen. Diese werden lediglich immer wieder leicht angepasst. Sie können in keinem Fall die steigenden Durchfallquoten erklären."

Eine Aussage, die Geschäftsführer Franz Zielinski von der Fahrschule Raab in Weiden nicht unterschreiben will: "Ich bin seit 20 Jahren Fahrlehrer. Wir dokumentieren alle Prüfungen selbst. Die Maßstäbe werden härter, die Schüler fallen leichter durch", stellt der 50-Jährige klar. Hinzu kommt ein vermehrter Druck von Eltern und Schule, insbesondere seit Einführung des G 8. Einen Anstieg der Statistik führt er auch auf die gestiegene Migration seit 2015 zurück. Sprachbarrieren und ein fehlendes Verständnis für den Straßenverkehr erschwerten Zuwanderern das Bestehen der Fahrprüfung.

Unser Kollege Wolfgang Würth versucht sich nach 20 Jahren erneut an der Führerscheinprüfung

Matthias Ponader hat eine Fahrschule in Weiden. Seiner Einschätzung nach stieg die Anzahl der nicht bestandenen Fahrprüfungen in den vergangenen drei bis vier Jahren um zehn Prozent. "Die Aufmerksamkeitsspanne wird kürzer, die Schüler sind schwerer zu erreichen - obwohl alle unsere Fahrlehrer intensiv pädagogisch geschult sind", sagt er. Dies sei ein Phänomen dieser Generation. Nichts werde mehr selbst, sondern alles nur noch am Handy gemacht. Sie bekäme nichts mehr von der Umwelt mit. So fehlten die Grundkenntnisse vom Verkehr.

Ein Vorwurf geht auch an die sogenannten "Helikopter-Eltern": "Die kümmern sich um alles und fahren ihre Kinder überall hin. Warum sollten die sich dann anstrengen, ihren Schein selber zu machen?" Einen Anstieg der Anforderungen für die Führerscheinprüfung sieht er nicht. Stattdessen werden die Umstände härter: "Es gibt mehr Verkehrsaufkommen, und die anderen Verkehrsteilnehmer sind uneinsichtiger als früher."

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