Floß
18.03.2021 - 10:01 Uhr

Wieder keine Feierstunde in der Flosser Synagoge

Bereits zum zweiten Mal in Folge kann in der Flosser Synagoge die Feierstunde zur Woche der Brüderlichkeit nicht begangen werden. Die erneute Absage ist der Coronapandemie geschuldet.

Zuletzt wurde die Woche der Brüderlichkeit 2019 mit Pfarrer Max Früchtl, Kantor Alexander Zakharen. Werner Friedmann, Pfarrer Wilfried Römischer und Pfarrer Alfons Forster (von links) gefeiert. Bild: le
Zuletzt wurde die Woche der Brüderlichkeit 2019 mit Pfarrer Max Früchtl, Kantor Alexander Zakharen. Werner Friedmann, Pfarrer Wilfried Römischer und Pfarrer Alfons Forster (von links) gefeiert.

Das Jahresthema 2021 zur Woche der Brüderlichkeit lautet: "... zu Eurem Gedächtnis – Visual History". Jedoch kann die Feierstunde in der Flosser Synagoge wieder nicht begangen werden. Dabei hat sie für die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Weiden, die Jüdischen Gemeinde in Weiden sowie den Markt Floß große Tradition.

Im Mittelpunkt der Woche der Brüderlichkeit stehen in diesem Jahr einerseits die Opfer der Geschichte, derer wir gedenken (zu Eurem Gedächtnis), gleichzeitig mahnt es alle "Euch ins Gedächtnis" und fordert Gedenken ein. Und ein dritter Gedanke: Erinnerung bedeutet mehr als bloß rückwärtsgewandtes Gedächtnis. Erinnerung macht nur Sinn, wenn sie zu Handeln und gesellschaftlicher Verantwortung hier und jetzt führt.

Damit das Menschenverbrechen der Shoah nicht wieder geschieht, muss erinnert werden, auch wenn es bald keine Zeitzeugen mehr geben wird. Visuelle Medien, die Vermittlung von Erinnerung über statische, dynamische sowie digital erzeugte Bilder, werden dabei zukünftig eine immer stärkere Bedeutung gewinnen. Sie dienen dazu, das Geschehen zu vergegenwärtigen und es dem Vergessen zu entreißen. All dies wolle das Jahresthema aufgreifen und reflektieren, heißt es in einer Mitteilung der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Es war einst eine Anregung des Gründungsmitgliedes der Gesellschaft, dem damaligen Bürgermeister Fred Lehner aus Floß, eine Feierstunde in der Synagoge in Floß während der Woche der Brüderlichkeit zur festen Einrichtung werden zu lassen. So kam es auch. Die erste Feierstunde als ökumenischer Gebetsgottesdienst fand vor 30 Jahren, am 3. März 1991, unter Mitwirkung von Werner Friedmann (Jüdische Gemeinde Weiden), Pfarrer Alfons Forster aus Michldorf für die katholische und Dr. Ludwig Rösel aus Weiden für die evangelische Religionsgemeinschaft statt.

Das Jahresthema lautete damals „Wenn wir in Frieden leben wollen, müssen wir gegenseitig die Grenzen des anderen respektieren". Konstanze Schöner aus Weiden hatte als Gründungsmitglied der Gesellschaft die Feierstunde eröffnet Friedmann, Rösel und Forster sprachen Gebete und Fürbitten. Ehrengäste waren bei der ersten Zusammenkunft Dekan Rudolf Zeller, die beiden Ortspfarrer Josef Most und Klaus Stolz. In seinem Schlusswort regte Lehner an, dieses Gedenken fortzusetzen und immer wieder zu erneuern.

Floß18.03.2021
Hintergrund:

Woche der Brüderlichkeit in Floß

  • Die Woche der Brüderlichkeit gibt es seit 1952 jährlich im März. Sie wird unter einem wechselnden Jahresmotto von den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in ganz Deutschland mit Veranstaltungen begleitet.
  • Die erste Veranstaltung in der Synagoge in Floß fand am 3. März 1991 mit Werner Friedmann, Dr. Ludwig Rösel und Pfarrer Alfons Forster statt. 2019 waren Pfarrer Max Früchtl (katholisch), Pfarrer Wilfried Römischer (evangelisch) und Kantor Alexander Zakharen beteiligt.
  • Die Feierstunde besuchen in normalen Jahren bis zu 100 Teilnehmer. Unter den Ehrengästen sind Abgeordnete des Bundes, Landes und des Bezirks, Vertreter des Landkreises, der Stadt Weiden und des Marktes Floß sowie der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Weiden.
  • Die letzten beiden Jahresthemen lauteten: 2020: "Tu deinen Mund auf für die anderen"; 2019: "Mensch, wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft".
  • Das Schlusswort in der Veranstaltung ist jeweils dem Bürgermeister des Marktes Floß vorbehalten.
Die erste Feierstunde vor 30 Jahren in der Flosser Synagoge am 3. März 1991 während Woche der Brüderlichkeit gestalteten Werner Friedmann, Dr. Ludwig Rösel und Pfarrer Alfons Forster (von links). Bild: le
Die erste Feierstunde vor 30 Jahren in der Flosser Synagoge am 3. März 1991 während Woche der Brüderlichkeit gestalteten Werner Friedmann, Dr. Ludwig Rösel und Pfarrer Alfons Forster (von links).
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.