26.08.2020 - 12:34 Uhr
FlossOberpfalz

"Es kommt jeden Tag etwas Neues"

Er ist keiner von den Lauten. Von denen, die sofort auf alles eine Antwort haben. Robert Lindner, seit etwas mehr als 100 Tagen Bürgermeister von Floß, hört erst einmal zu, sammelt Informationen und Meinungen.

Robert Lindner am Baimandl unterhalb des Rathauses. Der neue Bürgermeister von Floß mag den Blick von hier oben auf den Markt.
von Gabi EichlProfil

Bei seiner ersten Trauung war der neue Flosser Bürgermeister Robert Lindner er mindestens so aufgeregt wie das Brautpaar, das vor ihm stand. In Kürze steht die dritte Trauung an, die Aufregung hat sich gelegt. Die ersten 100 Tage im Amt sind vorbei. Der ehemalige Medizin-Controller am Klinikum Weiden hat sich eigenen Worten zufolge schon wiederholt beruflichen Veränderungen gestellt, das neue Amt im Rathaus bezeichnet er als „sportliche Herausforderung“.

Einarbeiten muss man sich in jede neue Aufgabe, aber nur wenige Aufgaben dürften derart komplex sein wie der Beruf eines Bürgermeisters. „Es kommt jeden Tag etwas Neues“, sagt Lindner. Das macht die Sache spannend und abwechslungsreich, Langeweile kann da per se schon nicht aufkommen, aber ein Neuer im Amt stellt auch schnell fest, wo seine Grenzen sind. Noch. Wie gut, wenn man dann auf erfahrene Vorgänger im Amt zählen kann, wenn ein kurzer Anruf genügt, um Hintergründe zu erhellen. Lindner hat eigenem Bekunden nach ein gutes Verhältnis zu beiden Vorgängern, zu Günter Stich wie Fred Lehner. Und er sieht sich mindestens das erste Jahr lang im Amt als Lernender. Nicht als Lehrling, das nicht, denn als langjähriger Marktrat hat er durchaus eine Ahnung vom Geschäft, aber als einer, der vor allem das Spinnen dieses feinen Netzes lernen muss, mit Hilfe dessen ein Bürgermeister mehr oder weniger über alles und jeden in seiner Gemeinde Bescheid weiß. Lindner sieht sich als ein solchermaßen Lernender getragen von großem Verständnis auf Seiten der Bevölkerung.

Weil sein Talent nicht die eine staatstragende Rede sei, sondern vielmehr das Gespräch mit vielen kleineren Gruppen, sieht Lindner sich auch in erster Linie als Vermittler zwischen widerstrebenden Interessen. Wohlwissend, dass ein Bürgermeister es niemals jedem recht machen kann.

Auf seinem Schreibtisch hat er im Moment als vordringliche Projekte die Endphase des Neubaus des Feuerwehrgerätehauses liegen, die Sanierung der Grund- und Mittelschule und die Planungen im Rahmen der Städtebauförderung.

Repräsentativ für den neuen Beruf des Bürgermeisters sind die ersten gut 100 Tage nur bedingt. Ohne die Coronapandemie wäre Lindner nicht halb so oft abends zu Hause gewesen. Von seinem vorhergehenden Beruf am Weidener Klinikum weiß er aber, wie das Coronavirus wüten kann und wie wichtig die Vorsichtsmaßnahmen sind, die Absage der Flosser Kirwa schmerze dennoch sehr, sagt er.

Sebastian Hartl ist einer der jüngsten Bürgermeister im Landkreis Neustadt/WN. Auch er ist neu im Amt

Luhe-Wildenau
Wünsche, Anträge, Sonstiges:

Fünf Antworten

Das habe ich mir anders vorgestellt:Dass es wegen Corona keine Begegnungen, Feierlichkeiten, Vereinssitzungen gegeben hat und damit das öffentliche Leben nur auf Sparflamme läuft, dass das Bürgerfest und Flosser Kirwa ausfallen müssen. Auch die Städtepartnerschaft mit Tlucna leidet leider unter Corona, aber sobald es möglich ist, werden wir sie wieder aktivieren. Die Umsetzung von Maßnahmen zieht sich hin, Beschlüsse müssen gefasst werden, das Warten auf Bescheide oder Reaktionen.

Meine größte Aufgabe wird sein: Ich halte es mit dem Zitat von Reinhold Niebuhr: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Aufgaben und Herausforderungen gibt es genug.

Viel Zeit investiere ich: In Zuhören, Informieren, Hinterfragen, Zuständigkeiten und Hintergründe herausfinden - und mir immer zwei Seiten anzuhören.

Im Gemeinderat würde ich mir manchmal wünschen: Dass es mir gelingt, dass frei und nur in der Sache argumentiert und beraten wird und alte Animositäten abgebaut werden; dass wir uns gemeinsam und über Fraktionen hinweg den anstehenden Themen widmen und gemeinsame Lösungen finden, deshalb habe ich eine Klausurtagung aller Markträte angeregt, um gemeinsam die Hauptthemen der nächsten sechs Jahre zu beraten und festzulegen.

Meine Familie schimpft manchmal, weil ...: Da schimpft bis jetzt keiner.

Zur Person:

Robert Lindner

Erster hauptamtlicher Bürgermeister des Marktes Floß, 56 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, Mitglied der SPD.

Zusammensetzung des Marktgemeinderates: CSU sechs Sitze, SPD fünf, FDP/UB vier, AfD einer.

Reinhard Sollfrank hat in Parkstein für einen Paukenschlag gesorgt und die amtierende Bürgermeisterin abgelöst. Er hat in den ersten Monaten seiner Amtszeit so einiges umgekrempelt. esseiner Amtszeit erlebt?

Parkstein

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.