02.09.2018 - 09:22 Uhr
FloßOberpfalz

"Wir leben im Tal der Seligen"

Das Biergartengespräch ist ins Wasser gefallen. Es mag also am Regen gelegen haben, dass die CSU beim Bürgergespräch mit Staatskanzleichef Florian Herrmann, der am Freitag den Markt besucht hat, weitgehend unter sich geblieben ist.

Staatskanzleichef Florian Herrmann (Dritter von rechts), umgeben von lokalen CSU-Mandatsträgern und -Kandidaten, beim Bürgergespräch im Kreislehrgarten.
von Gabi EichlProfil

Herrmann musste sich mit seiner Entourage in den Seminarraum des Kreislehrgartens drängen. Die Bürger, die zum Gespräch gekommen waren, waren überwiegend CSU-Mitglieder. Landtagskandidat Stephan Oetzinger meinte flapsig, der Regen im Gepäck des Ministers sei sozusagen Erste Hilfe für die Landwirtschaft, damit es vielleicht doch noch klappt mit dem vierten Schnitt.

Alles andere als abgehängt

Herrmann zeigte sich beeindruckt davon, was in Floß in den vergangenen Jahren erreicht worden sei. Wörtlich sagte er: "Da kann man nur mitgerissen sein." Derlei positive Entwicklungen sehe er auch in anderen Regionen des Freistaats, die wie die Oberpfalz als vermeintlich abgehängt gälten. Und bezogen auf den gesamten Freistaat meinte er: "Stabilität in einer Welt der Unsicherheit, das ist Bayern." Herrmann ging noch weiter: "Wir leben in einem Tal der Seligen." Er warnte jedoch im selben Atemzug, dass sich das sehr schnell ändern könne, wenn aus einer "Unzufriedenheit wegen Kleinigkeiten" eine Protestwahl resultiere. Verlässlichkeit in der Politik sei mit den Extremen auf beiden Seiten des Spektrums nicht zu haben. Auswüchse wie die Silvesternacht 2015 in Köln oder zuletzt die Randale in Chemnitz könne er in Bayern nicht ganz ausschließen, "aber fast", sagte Herrmann. "Wir haben einfach eine andere Grundstrategie in der Inneren Sicherheit."

Der CSU-Sprecher im Marktrat, Harald Gollwitzer, brachte die Rede auf die zusätzliche Wohnraumförderung der Staatsregierung, die einer Familie mit zwei Kindern über einen Zeitraum von zehn Jahren 40.000 Euro beschere. Der stellvertretende Landrat Albert Nickl fügte an, dass es derzeit Fördermittel für die Schaffung von Wohnraum gebe "wie noch nie". Was zu dem Einwand aus den Reihen der Bürger führte, wie man diese Fördermittel nutzen solle, wenn man keinen Handwerker mehr finde, der einem das Haus baut. Daraus entstand eine Diskussion über die nach wie vor mangelnde Attraktivität der meisten Handwerksberufe, was zu dem erheblichen Mangel an Fachkräften geführt habe.

Sorge um den Mittelstand

Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht warnte, die berufliche Bildung habe in den vergangenen Jahren so stark gelitten, "wenn wir da nicht gegensteuern, bricht uns der Mittelstand komplett weg". Und Nickl meinte, es müsse vor allem in die Köpfe der Eltern, wie schön ein Handwerksberuf sein könne.

Der CSU-Ortsvorsitzende Sebastian Kitta fragte den Minister, was die Staatsregierung nach der Wahl zu liefern gedenke. Darauf antwortete Herrmann aber nur mit den bekannten Zielformulierungen: besserer ÖPNV, mehr technische Innovation, mehr Lehrer, mehr Polizisten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp