22.08.2019 - 15:51 Uhr
FlossOberpfalz

Respektloser Umgang im Naturschutzgebiet Doost

Die einen nennen den neuen Findlingsweg in Floß einen Höhepunkt und ein Aushängeschild in der Region. Die anderen sprechen zwar von einer guten Idee, sehen aber Verletzungen im Kern des Naturschutzgebietes Doost.

von Uwe Ibl Kontakt Profil

"Es ist schade, dass man Steine bewusst verletzt und beschädigt", sagt der Besitzer des Gollwitzerhofes am unteren, westlichen Doostausgang. Den Wander- und Besinnungsweg "Der Findling" nennt Rüdiger Prölß an sich eine gute Idee. Aber gewünscht hätte er sich mehr Respekt für die Wertigkeit des Naturschutzgebietes. Besonders ärgern ihn die Bronzeplatten, die an Findlingen im und am Bachlauf der Girnitz angebracht sind. Dazu waren die runden Steine zunächst abgeschliffen, und die Reliefs in die Vertiefungen eingelassen worden. "Das ist fast respektlos."

Laut Verordnung ist es in diesem seit 1937 bestehenden ältesten Naturschutzgebiet der Oberpfalz verboten, "Bodenbestandteile abzubauen, Sprengungen oder Grabungen vorzunehmen, Schutt oder Bodenbestandteile einzubringen oder die Bodengestalt einschließlich der natürlichen Wasserläufe oder Wasserflächen auf andere Weise zu verändern oder zu beschädigen." Weiterhin ist es nicht erlaubt, "Bild- und Schrifttafeln anzubringen, soweit sie nicht auf den Schutz des Gebietes hinweisen". Beides haben die Macher des Weges ganz offenbar nicht eingehalten.

Entstanden ist das Projekt auf Initiative von Flosser Bürgern, aufgenommen durch die Beratungsgruppe "Sonderprojekte – Zukunft Floß". In Zusammenarbeit mit dem Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald war für Detailplanung und Realisation das Büro Hofberger und Hartisch beauftragt. Das bayerische Umweltministerium hat die Verwirklichung des Weges unterstützt.

Auch Prölß's Nachbar Stefan Striegl aus Welsenhof betont, dass er prinzipiell nichts gegen den Findlingsweg habe. "Aber der, der sich echt erholen will, schätzt die Natur so, wie sie ist." Als Kind nutzte er ebenso wie Prölß das Findlingseldorado als Spielplatz. Doch mit zunehmender Besucherzahl verändere sich auch die Landschaft am Doost. "Es ist ein Unterschied, ob mal jemand über die bemoosten Steine klettert, oder ob man die Leute dazu animiert." Der ehemals schmale Pfad am Rand der Steine sei mittlerweile breit, zahlreiche Granitbrocken ohne die markante Hülle aus zum Teil lang gewachsenem Moos.

Das führen die beiden auch auf das Konzept der mit Sagen beschriebenen Tafeln im Naturschutzgebiet zurück. Wären sie am Wegrand platziert, wäre das für die beiden leichter zu akzeptieren. Die Aufforderung "Suche die Geschichten und finde dabei deinen Weg", wie sie im Konzept zum Weg steht, ist für die Anlieger eine ebensolche Zumutung gegenüber dem Naturschutzgedanken wie die am unteren Beginn des Doosts: "Springen Sie von Stein zu Stein und entdecken Sie Sagen und Geschichten aus Doost und Region." Die zehn Bronze-Platten sind scheinbar willkürlich auf den Granitbrocken verteilt. Um sie zu finden muss der Weg verlassen werden – laut Verordnung ist auch das verboten.

Sauer stößt den beiden auch eine ebenfalls in Bronze gegossene und im Stein befestigte Idee auf: "Mit etwas Phantasie kann man im Doost jede Menge ‚Dostteufelchen‘ finden. Eine knorrige Wurzel – ein wilder, bemooster Stein – eine Kombination aus Beiden? Machen Sie sich auf die Suche, nach einem Doostteufelchen oder basteln Sie. Vielleicht haben die Kinder Lust? Und es wird eine Doostteufelchenkonferenz daraus", ist dort wörtlich zu lesen. Die beiden Waldbesitzer werten es durchaus als positiv, wenn Kinder einmal aus Totholz im normalen Wald ein Tipi bauen. Die Leute und den Nachwuchs aber dezidiert dazu zu animieren, mit Materialien aus einem Naturschutzgebiet zu spielen, ist für sie ein weiterer Beleg der Respektlosigkeit gegenüber dem besonderen Naturort.

Unverständlich ist für die beiden und für Striegls Frau Katharina außerdem die Auswahl einiger Geschichten. "‚Heimerls Schlupfloch‘ hat nichts mit dem Doost zu tun", wundert sich Prölß über die laut Bronze-Relief in "Bergnetsreuth bei Weiden" angesiedelte Geschichte. Bergnetsreuth liegt unweit des Doosts und ist ein Flosser Ortsteil. "Der Doostnöck ist etwas, von dem wir alle noch nichts gehört haben und wir wohnen schon 30, 40 Jahre am Doost", verweisen sie auf eine andere Sage von einem harfenspielenden gefährlichem Gesellen. Dafür vermissen sie Hinweise auf reelle Gefahren beim Gang über die oft rutschigen Steine.

Beschädigungen:

Obwohl noch neu und noch nicht einmal offiziell eingeweiht haben sich schon Vandalen über die Erklärschilder des Findlingswegs und die Bronzeplatten hergemacht. Von einem "Saustall" spricht Rüdiger Prölß, als er die Beschädigungen sieht, und ist mit dieser Meinung nicht allein. Bei Station 8 scheint es so, als habe der Unhold bei seinem inakzeptablen Tun nicht aus reiner Zerstörungswut gehandelt: Von dem Satz "Sie befinden sich im sagenumwobenen Reich des Doosts" ist nun nur noch "Sie befinden sich im Doost" zu lesen. Absolut unverständlich und nicht tolerierbar sind Hakenkreuze und englische Beleidigungen, die in einige Bronze-Platten geritzt sind. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Kommentar:

Natur als Disneyland

Vermutlich hat der Teufel im Doost mal wieder seine Hand im Spiel gehabt. Wie anders ist es zu erklären, dass aus einer guten Idee von Bürgern am Ende eine Beschädigung der Natur entstanden ist. Statt landschaftsverträglicher Besinnung auf das, was die Region, was den Naturpark so reizvoll und schützenswert, was ihre Menschen so ehrlich und liebenswert macht, ist ein vom künstlichen Disneyland inspirierter, der Natur entrückter Abenteuerspielplatz, quasi ein Doostneyland, geworden.

Von Uwe Ibl

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.