27.08.2021 - 10:29 Uhr
FlossOberpfalz

Bei Sanierung der Flosser Schule Grundstein von 1954 geöffnet

Im Jahr 1955 ziehen die ersten Schüler in den Hauptbau der Flosser Schule ein. Bei aktuellen Sanierungsarbeiten in der Bildungseinrichtung wird der Grundstein geöffnet. In einer Kupferrolle sind eine Urkunde und Münzen enthalten.

Mit drei Hammerschlägen durch Bürgermeister Josef Lehner (rechts) wurde am 11. Juli 1954 der Grundstein für das Zentralschulhaus mit Pausenhalle gelegt.
von Fred LehnerProfil

Seit dem 17. Mai wird das "Zentralschulhaus" in Floß generalsaniert. Spätestens zu Beginn des kommenden Schuljahres 2022/2023 soll alles unter Dach und Fach sein. Damit soll die Grund- und Mittelschule wieder den Standard erhalten, den sie als eine der modern eingerichteten und ausgestatteten Schulen im Neustädter Landkreis schon immer hatte.

Die Generalsanierung des Hauptbaues, der 1955 bezogen wurde, machte eine Öffnung des am 11. Juli 1954 im Rahmen einer kirchlichen Feier mit den beiden Ortsgeistlichen Franz Arnold und Friedrich Zapf gesetzten Grundsteines erforderlich. Vorgefunden wurde eine Kupferrolle mit Urkunde und Münzen (8 Mark und 68 Pfennige – je eine Münze im Nennwert von 1 Pfennig bis zu einem 5 Markt-Stück). Während der ausgebaute Grundstein im Schulhof sicher zwischengelagert wurde und nach Fertigstellung der Sanierung wieder seinen angestammten Platz einnehmen soll, hat Bürgermeister Robert Lindner die vorgefundenen Dokumente mit Kupferrolle bis zur Wiedereinsetzung des Grundsteins im Mauerwerk der Südfassade des Hauptbaues in seinem Amtszimmer sicher aufbewahrt.

Treppenhaus künstlerisch gestaltet

Wertvoll ist die künstlerische Gestaltung des Treppenhauses im Hauptbau. Sie zeigt ein Gemälde des Flosser akademischen Kunstmalers Gottfried Gerstl, der die Tugenden "Gerechtigkeit, Tapferkeit, Tüchtigkeit und Mäßigkeit" darstellte. Im Januar 1956 konnten zehn neue Klassenzimmer bezogen werden. Großräumig die Schulküche mit Nebenräumen, Filmraum und die einladende Pausenhalle mit Brunnen und steinernem Elefanten als Wasserspender (heute am Eingang der Aula aufgestellt). Die Gesamtbaukosten betrugen damals 565 000 Deutsche Mark. Planung und Projektierung lagen in der Hand von Architekt Kurt Hora aus Windischeschenbach.

Bereits zu Beginn der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde der Ruf nach einer Erweiterung der Schule laut. Unter Bürgermeister Hans Ruckdäschel konnte der erste Erweiterungsbau im Jahre 1967 seiner Bestimmung übergeben werden. Am 16. November 1968 erfolgte die Einweihung dieses Bauwerkes, verbunden mit der neu errichteten, modernen Turnhalle und Allwetterplatz durch den damaligen Vorsitzenden des Schulverbandes, Walter Wirth.

Zweiter Erweiterungsbau

Mit der Einführung des 9. Schuljahres im Schuljahr 1969/1970 wurden die Schülerjahrgänge 7, 8 und 9 aus der Nachbargemeinde Flossenbürg ausgegliedert und in die Flosser Volksschule integriert. Die Volksschule zählte damals insgesamt 718 Schüler. Es fehlten vier Klassenräume. Hand angelegt hatte Bürgermeister Fred Lehner mit der Errichtung des zweiten Erweiterungsbaues durch drei Klassenräume, einen Mehrzweck- und Werkraum mit Musiksaal und Nebenräumen. Die Baukosten betrugen 1,9 Millionen Deutsche Mark. In kleinen Schritten erfolgte die Schulhofumgestaltung. Die Aussage von Fred Lehner: „Für unsere Kinder und für die Schule darf uns nichts zu teuer sein. Die Schule ist kein Wirtschaftsbetrieb, sie ist eine Bildungsstätte, die es wert ist zu fördern und zu unterstützen. Jeder Steuerpfennig ist deshalb gut angelegt."

Die bisher letzte bauliche Maßnahme unter Bürgermeister Günter Stich betraf den Abbruch der Schulturnhalle und der Pausenhalle und Schaffung eines neuen Gebäudes mit Aula. Bleibt noch festzuhalten, dass im vergangenen Schuljahr 2020/2021 143 Kinder aus Floß und Flossenbürg von acht Lehrern, fünf Lehrern nach Vereinbarung, drei Fachlehrern, einen Förderlehrer und zwei Lehramtsanwärtern unterrichtet wurden.

Schulgeschichte des Marktes

Dass die Schulgeschichte des Marktes bis in das Jahr 1543 als Herzog Ott-Heinrich von Neuburg, dem auch die Herrschaft Floß gehörte, zurückgeht, mag ebenso überraschen wie die Tatsache, dass anfangs in einer evangelischen wie auch katholischen Pfarrschule Unterricht erteilt wurde. Wie in allen anderen Orten auch galt bis 1652 der Grundsatz: "Wes das Land, des die Religion". Die Pfarrschulen wurden nur von wenigen Kindern besucht und zwar ausschließlich freiwillig. In einem Artikel des früheren Schulleiters Josef Menner ist zu lesen, dass für Floß erstmals 1560 ein Schulmeister unterrichtete. Aus dem Jahre 1575 ist bekannt, dass 20 Knaben die Pfarrschule besuchten, von denen drei das Deklinieren und das Konjugieren und sogar neun die lateinische Lesekunst lernten. Sie war zum Vorlesen des Evangeliums in lateinischer Sprache notwendig. Auch der Chorgesang wurde fleißig geübt. Nur acht Knaben galten als deutsche Schüler.

Das Jahr 1830 brachte die Einführung des Schulzwangs. Alle Eltern wurden durch den Staat verpflichtet, ihre Kinder zu einem von ihm angestellten Lehrer in die Schule zu schicken. Der Unterricht der Kinder fand nach Konfessionen im evangelischen Landgemeindehaus und im "Bäu" (an dieser Stelle steht heute das neue Rathaus) statt. 1898 bekamen schließlich die Protestanten und 1906 die Katholiken je ein eigenes Schulhaus mit zwei und drei großen Schulräumen und einigen Lehrerdienstwohnungen. Von 1938 wurden die katholische und evangelische Bekenntnisschule zu einer Gemeinschaftsschule zusammengefasst, die bis 1945 bestand.

Dass von 1824 bis 1878 in Floß auch eine jüdische Religionsschule bestand, die dann in eine öffentliche israelitische Volksschule umgewandelt wurde, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, weil auf dem Judenberg zu dieser Zeit 72 jüdische Familien mit 391 Personen wohnten.

Schülerzahl wächst auf 930

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 brachte eine geradezu revolutionäre Entwicklung im Schulwesen. Trostlos die Zustände der Schulgebäude und Unterrichtsräume. Durch den Zustrom vieler Evakuierter, Heimatvertriebener und Flüchtlinge wuchs die Schülerzahl auf 930 an. Der bisherige Höchststand. Die Kinder wurden in 15 Klassen unterrichtet. Kommunalpolitisches Thema Nummer eins war die erdrückende Schulraumnot. Frühere Barackenräume mussten behelfsmäßig als Schulräume benützt werden. Es fehlte an allen Ecken und Enden, unzureichend die hygienischen Verhältnisse. Für bedürftige Kinder gab es eine kostenlose Schulspeisung.

Für den ab Mai 1948 amtierenden Bürgermeister Josef Lehner hatten die Sicherung der Trink- und Brauchwasserversorgung und schließlich die dringende Lösung der Schulraumnot höchste Priorität. Bis zur Fertigstellung der zentralen Wasserversorgungsanlage im Jahre 1954 bestanden in Floß nicht weniger als 37 Wasserleitungsgenossenschaften.

So sieht die Flosser Grund- und Mittelschule künftig aus

Floss
Die südliche Fassade des Hauptbaues der Schule wird nicht verändert. Trotzdem wurde der im Jahre l954 gesetzte Grundstein im Rahmen der Generalsanierung der Schule entfernt und derzeit im Schulhof gelagert. Der Grundstein soll wieder seinen alten Platz finden.
Im Grundstein waren eine Kupferrolle mit Urkunde ( siehe Bild ) und Münzen im Werte von 8.68 Deutsche Mark eingemauert.
Hintergrund:

Urkunde beschreibt Teil der Flosser Schulgeschichte

  • In Urkunde ist festgehalten, dass das Baugrundstück 1951 von den Eheleuten Emma und Karl Gries zum Preis von 17 000 Deutsche Mark käuflich erworben wurde.
  • Der Spatenstich für Hauptbau mit zehn neuen Klassenräumen und Pausenhalle war am 3. Oktober 1953. In der Urkunde steht, dass dieses Schulhaus eine Erziehungs- und Kultstätte für 604 Kinder, davon 358 aus Floß, aus den Gemeinden Schönbrunn 85, Gösen 36, Grafenreuth 46, Schlattein 41, Gailertsreuth 34 und der Ortschaft Pauschendorf in der Gemeinde Bergnetsreuth 4, sein soll.
  • Aufgeführt sind die Namen der Mitglieder des Schulverbandes.
  • In der Urkunde heißt es: „Möge dieses Haus allzeit der Jugend die Kraft vermitteln um im Leben an Seele und Geist gesund zu bleiben. Der Allmächtige gebe dazu seinen Segen".

 

 

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