17.01.2020 - 14:05 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Andrang in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Am 23. April jährt sich zum 75. Mal der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg. Nicht nur dieser Jahrestag macht 2020 zu einem besonderen Jahr in der Gedenkstättenarbeit.

Jugendliche aus zahlreichen Ländern und Angehörige früherer Häftlinge ziehen beim jährlichen Gedenken an die Befreiung des KZ Flossenbürg mit Kränzen zum Tal des Todes. 2020 dürfte dieser Tross länger denn je werden.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

75 Jahre danach bedeuten für Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit und seine Mitarbeiter zunächst einmal jede Menge zu tun. Zum Wochenende der offiziellen Erinnerungsakte am 25. und 26. April haben sich so viele Besucher angemeldet wie noch nie, obwohl nur noch eine Handvoll ehemaliger Häftlinge am Leben ist.

"Wir planen inzwischen mit einem 1000-Mann-Zelt und müssen in der Stadthalle Neustadt ganz eng zusammenrücken", umreißt Skriebeleit die logistischen Herausforderungen samt Verköstigung, Sicherheitsvorkehrungen, Betreuung, Übersetzungen, Technik und Material. "Nie zuvor haben uns so viele Familien und Angehörige früherer Gefangener auf einmal besucht."

Bekanntheitsgrad wächst rapide

Eine Folge davon, dass Flossenbürg den Beinamen "vergessenes KZ" zugunsten des preisgekrönten europäischen Erinnerungsorts abgestreift hat. Der macht nicht nur in der Wissenschaftswelt Furore, sondern hat dank wachsender pädagogischer Angebote sowie digitalen Mitteln wie Totenbuch und Häftlingstransport-Archiv auch eine enorme Breitenwirkung. Nicht umsonst war Flossenbürg im Dezember Schauplatz der mehrtägigen Bundesweiten Gedenkstättenkonferenz bei der das Thema Erinnerungsarbeit ohne Zeitzeugen im Mittelpunkt stand. Um dem steigenden Interesse Rechnung zu tragen und auszuloten, welche Wege Erinnerungskultur zukünftig beschreiten könnte, füllt sich der Programmkalender der Gedenkstätte für das ganze Jahr rasant. "Wir haben erstmals drei Wanderausstellungen, neue tolle Bildungsprogramme und ein Migrationsprojekt", nennt Skriebeleit einige Eckpunkte. Zudem überträgt das Polizeipräsidium Oberpfalz seine politisch-historische Bildung der Gedenkstätte.

Zum Gedenkakt mit Kranzniederlegung im Tal des Todes am Sonntag, 26. April, hat sich bereits hochrangiger Besuch angesagt. Neben Entwicklungshilfeminister Gerd Müller spricht Ministerpräsident Markus Söder und ein Vertreter des Bundestags. Letzteres könnte darauf hindeuten, dass Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth anreist, die die Gedenkstättenarbeit seit Jahren verfolgt.

Neben starken Delegationen aus vielen Ländern freut sich Skriebeleit vor allem auf zwei Amerikaner. Einer davon ist Vernon Schmidt, der 2017 zum ersten Mal die Gedenkstätte besuchte. Schmidt war als 19-jähriger Soldat der 90. Infanterie-Division dabei, als die US-Army am 23. April 1945 dem Morden im KZ eine Ende machte.

Enkel mit berühmtem Namen

Der andere ist George Patton-Waters, der Enkel von George S. Patton, einem der berühmtesten Generäle des Zweiten Weltkriegs. Militärische Meriten verdiente er sich im Wüstenkrieg in Tunesien, als Kommandeur bei der Landung von US-Truppen auf Sizilien und bei der Vorbereitung der alliierten Invasion in der Normandie 1944.

Unabhängig davon steht an diesem Wochenende eine Art Wachablösung an. Der langjährige Häftlingssprecher Jack Terry, der als jüngster Flossenbürger Gefangener 1945 befreit wurde, übergibt sein Amt als Vertreter betroffener Familien in jüngere Hände. Es sind die des Belgiers Yves Durnez. Sein Vater hat das KZ mit knapper Not überlebt, seine beiden Onkel nicht. Der Grundschullehrer Durnez steht Skriebeleit seit Jahren nahe und bringt sich vielfältig in die Gedenkstättenarbeit ein.

Von einem Nebenprodukt dieser Zusammenarbeit profitiert die Gemeinde Flossenbürg besonders. Es mündete 2018 in eine Städtepartnerschaft mit Durnez' Heimatort Wervik im südlichen Flandern.

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