25.06.2019 - 09:56 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Von Donaueschingen zum Schwarzen Meer

Das „Abenteuer Donau“ ist beendet. Seit März war Michael Neumann auf dem zweitlängsten Strom Europas unterwegs. Als Ziel hat er das Schwarze Meer im Visier. Nicht auf einem Kreuzfahrtschiff, sondern im Kajak.

Die letzte Donau-Sandbank. Danach kommt mit dem Schwarzen Meer nur noch eine schier endlose Weite.
von Bernhard NeumannProfil
Am frühen Morgen auf der Donau: Imposante Lichtstimmungen, die bis Mittag brutaler Hitze weichen.
In den ersten Tagen nach dem Start in Donaueschingen beherrschen Schnee, Kälte und Hochwasser die Szenerie.
Eine unangenehme Begegnung: Der Schwan betrachte das Kajak gleich als sein Eigentum und fauchte heftig, als er das Boot wieder hergeben muss.

Das „Abenteuer Donau“ ist beendet. Seit März war Michael Neumann auf dem zweitlängsten Strom Europas unterwegs. Als Ziel hatte er das Schwarze Meer im Visier. Nicht auf einem Kreuzfahrtschiff sondern im Kajak.

Vom Donau-Ursprung in Donaueschingen bis zum Schwarzen Meer, das war die Vorgabe, die sich der Flossenbürger setzte. Komplett verwirklichen ließ sich das nicht. Die Witterung und die zur Verfügung stehende Zeit führten zu Handicaps. Der Wirtschaftsinformatiker trat im Übrigen inzwischen seinen Dienst bei „PTC“ in Unterschleißheim wieder an: „Es war ein Glücksfall, dass ich überhaupt so lange wegbleiben konnte.“

Der Startschuss fiel am 17. März in Donaueschingen. Wenig später schien die Tour zu Ende. Gefährliches Hochwasser, die reißende Strömung, ein Kentern und der Verlust wichtiger Unterlagen erforderten zwangsweise eine längere Pause. Weiter gehen konnte es erst am 19. April, dann in Regensburg: „Ohne erneute Schwierigkeiten. Am 5. Juni erreichte ich das Schwarze Meer.“ Nach einigen Tagen Urlaub landete der Flieger zur Rückkehr am 20. Juni in München. Dazwischen liegt eine Zeit, die unvergesslich bleibt: „Auch wenn sich einiges anders darstellte, als ich es erwartete. Das galt nicht zuletzt für den zeitlichen Ablauf.“ Eine Etappe blieb außen vor. Da musste ein Auto für den Transport herhalten. Ansonsten hätte sich das Kalender-Limit nicht einhalten lassen.

Was gleich auffiel: „In Deutschland und in Österreich sind weite Uferbereiche mit Steinen befestigt. Da kannst du mit dem Kajak nicht einfach raus. Das geht nur in den Häfen oder an wenigen anderen Stellen. Man hat den Eindruck die Donau wird intensiv unter dem Aspekt eines Stromproduzenten gesehen.“ Dennoch gab es viele unvergessliche Impressionen. Dazu zählten die ersten Sonnenstrahlen am Morgen, die bekannte Schlögener Schlinge, die riesige Klosteranlage von Stift Melk oder der rege und spannend zu verfolgende Betrieb in Belgrad mit einer Regatta und einer Militärübung.

Viel Kraft und Zeit erforderte das Umsetzen an den Kraftwerken und Schleusenanlagen: „Vorher musst du rechtzeitig raus, das Kajak mehr oder weniger weit auf einem Radgestell transportieren und anschließend wieder einsteigen.“ Gefährliche Begegnungen mit großen Schiffen gab es nicht. Sorgen machten eher die kleinen und schnellen Motorboote. Sie verursachen einen heftigen Wellengang: „Und nicht zu vergessen auf den Wind. Wenn er dir tagelang ins Gesicht bläst, wird das anstrengend. Unabhängig davon ist es nicht damit getan, sich ins Kajak zu setzen und einfach nur treiben zu lassen. Da musst du schon richtig paddeln. Und zwischendurch einfach mal schnell aufstehen geht nicht.“ Sonnencreme und Neopren-Schutz waren unverzichtbare Hilfsmittel.

Gelegentlich schlug das Vorhaben aufs Gemüt: „Tagelang links und rechts nur grün zu sehen, ist auf Dauer belastend. Umso wichtiger ist die ein oder andere Abwechslung. Reizvolle Blicke in die Landschaft oder die Besichtigung von Städten und Sehenswürdigkeiten boten einen Ausgleich.“ Eine Exkursion in Wien ließ sich nicht unter „Erholung“ einordnen. Einige Tage machte eine heftige Magen- und Darmerkrankung zu schaffen. Es blieb glücklicherweise das einzige gesundheitliche Handicap.

Fast schon amüsant waren die Warnungen für das jeweils folgende Land: „Der Hinweis ‚Da musst du aufpassen’ entpuppte sich als nicht zutreffend. Ich bekam viele echt gute Ratschläge, aber das mit dem Aufpassen stimmte nicht. Je weiter stromabwärts ich kam, umso freundlicher und hilfsbereiter wurden die Menschen.“ Selbst zwei Polizeikontrollen brachten keine Unannehmlichkeiten: „Im Gegenteil. In Rumänien warnten die Polizisten eindringlich davor, ins Schwarze Meer hineinzupaddeln. Berechtigterweise, denn das wäre extrem gefährlich.“

Kurzweilig und kameradschaftlich fielen die Treffen mit anderen Kajak- oder Kanufahrern aus: „Einer ist noch bis August unterwegs. Ein anderer reist jedes Jahr mit Bahn und Bus für zwei Wochen mit seinem Faltboot an und bewältigt die Donau etappenweise.“ Und dann war da noch der Extrem-Franzose, der auf der Donau, entlang der Küste des Schwarzen Meers, über den Bosporus, das Marmarameer und das Mittelmeer zurück in die Heimat paddeln will.

Ein Naturerlebnis der besonderen Art gab es auf dem Weg durch das riesige Donaudelta. Der 39-Jährige wählte entgegen der ursprünglichen Absicht nicht den nördlichen „Sulina-Arm“, sondern den südlichen „St.-Georgs-Arm“. Dort herrscht weitaus weniger Schiffsverkehr: „Der Blick schweift bis zum Horizont und die außergewöhnliche Tier- und Pflanzenwelt beeindruckt tief. Plötzlich war aber alles weg. Außer Wasser gab es nichts mehr. Das Ziel war mit einem schwer zu beschreibenden Glücksgefühl erreicht.“

Die Liste der auf der Reise passierten Länder reicht von Deutschland über Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Kroatien und Bulgarien bis hin zu Rumänien. Eine Sorge erledigte sich überraschend. Die Flossenbürger Aluminiumgießerei Schulte & Schmidt betreibt im rumänischen Brasov ein Werk. Ein LKW wird nicht nur Auto-Zubehörteile sondern auch das Kajak transportieren.

Einblicke in die Mammuttour gibt es im Herbst. Die Raiffeisenbank Floß feiert für den Bereich von Flossenbürg heuer das 100-jährige Bestehen. Im Rahmen der Feierlichkeiten ist ein Vortrag mit Donau-Impressionen geplant. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Eine Bilderauswahl lässt sich unter der Adresse „https://www.instagram.com/run.eu“ schon jetzt im Netz finden.

Neumanns Kurzbilanz fällt positiv aus: „Rückblickend betrachtet war es ein außergewöhnlicher Lebensabschnitt mit vielen Erlebnissen. Unvergessen bleiben der fast schon lebensgefährliche Kenter-Unfall gleich zu Beginn, vor allem aber die schönen, spannenden oder nachdenklich stimmenden Geschehnisse.“

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