14.04.2019 - 21:23 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Film über Pepeks verlorene Kindheit

Seine Kindheit hat Josef Salomonovic in Litzmannstadt, Auschwitz-Birkenau und Stutthof verbracht – in Konzentrationslagern und Ghettos. "Genaugenommen fehlt mir nichts", sagt Salomonovic. "Außer meiner Kindheit, die wurde mir genommen."

Der Holocaust-Überlebende Josef Salomonovic (rechts), genannt Pepek, im Gespräch mit Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Seine Geschichte erzählt er in einem Film, der 2018 erschien. Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg lud Salomonovic ein und zeigte den Streifen von Peter Hackl. Es war der Auftakt der Feier zum 74. Jahrestag der Befreiung des KZ Flossenbürg.

In dem Film besucht Salomonovic die Stationen seiner Kindheit. Josef Salomonovic kommt am 1. Juli 1938 in Ostrava (Ostrau) zur Welt, seine Mutter Dora nennt ihn Pepek. Die jüdische Familie zieht zunächst nach Prag. Dezember 1941. "Komm Pepek, wir machen einen Ausflug nach Polen", fordert Dora den Buben auf. Doch die Eltern, die Brüder Michael und Josef haben nicht gewusst, "dass es so schlimm wird", sagt Josef Salomonovic im Film. Sie gelangen ins Ghetto Lódz (Litzmannstadt). Wenig Essen, kaum Platz zum Leben, Zwangsarbeit. Die Nazis bereiten die Ermordung der Juden vor, sperren Straßen, durchsuchen Häuser. Die Familie hat Glück, wie so oft in den folgenden, schrecklichen Jahren. Am nächsten Tag stellt der Junge traurig fest: "Die Spielkollegen waren nimmer da."

Juni 1944. Weil die Rote Armee immer näher an Lodz heranrückt, transportieren die Nazis KZ-Häftlinge in Viehwagen nach Auschwitz. Familie Salomonovic bleibt nur ein paar Tage und kommt dann ins KZ Stutthof bei Danzig. "Wenn man sich in einem KZ an Regeln hält, überlebt man nicht", sagt der Historiker Bertrand Perz im Film. Auch Josefs Eltern versuchen, ihre Situation zu verbessern. Doch als der Vater um Vitamintabletten für Michael bittet, wird er mit einer Giftspritze in sein Herz ermordet. Der Mutter gelingt es, Michael aus dem Männer-Lager zu sich zu holen – Josef war immer bei ihr.

November 1944. Dora, Josef und Michael werden ins Flossenbürger Außenlager Dresden überstellt. Damit die Buben nicht von der Mutter getrennt werden, gibt Dora sie als Michaela und Josefa aus. Diese Angaben finden sich in den Akten in Flossenbürg, berichtet Jörg Skriebeleit, der Leiter der KZ-Gedenkstätte.

Nach der Auflösung des Lagers gelingt der Mutter mit den Söhnen auf dem Todesmarsch die Flucht. Ein Eisenbahner versteckt sie in einer Scheune eines Bauernhofs in Brnírov, Tschechien. Dorthin kehrt Josef Salomonovic, einer der jüngsten Überlebenden des Holocaust, immer wieder zurück. Salomonovic, der nun in Wien lebt, bringe der Bäuerin immer Mozartkugeln mit. Er bekomme Äpfel, Eier und Nüsse.

April 2019. "Er hat lange nichts erzählt", sagt Skriebeleit über den Gast. Salomonovic konnte nicht über die Schrecken sprechen. "Erst als ich in Rente ging, dachte ich: 'Etwas soll bleiben'", gesteht der 80-Jährige. Memoiren schreiben wollte er nicht. "Ein Film ist für junge Leute besser." Sohn Peter ist bei der Veranstaltung in Flossenbürg mit dabei: "Jedes Mal freut es mich, wenn er es macht: den Film, in Schulen gehen. Auch, wenn er es mir nicht erzählt hat."

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