10.07.2019 - 15:25 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Flossenbürg, Ort zum Wohnen und Erinnern

„Wie kann man nur hier wohnen?“ Diese Frage macht den Bewohnern der Vogelherd-Siedlung in Flossenbürg bis heute zu schaffen. Eine Informationstafel soll nun erklären, warum einst Wohnhäuser auf den Lagerterrassen gebaut wurden.

Eine Informationstafel für eine nicht alltägliche Siedlung: Bürgermeister Thomas Meiler, Werner Richter, Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger, Roland Pichl, Lena Möller (von links).
von Gabi EichlProfil

Mit der Enthüllung der Infotafel an der Kreuzung Egerlandstraße/Silberhüttenstraße findet ein von Bürgermeister Thomas Meiler angestoßenes Forschungsprojekt seinen Abschluss und wenn es nach den Vogelherd-Bewohnern geht, endet damit auch das Kopfschütteln über die „Heime des Glücks auf Stätten des Leids“.

Die vielzitierte Schlagzeile der Oberpfälzer Nachrichten „Auf Stätten des Leids Heime des Glücks“ anlässlich des Richtfestes zum letzten Bauabschnitt 1961 ist auch der Titel der Masterarbeit der Kulturwissenschaftlerin Lena Möller, die nun in Buchform vorliegt.

Möller hat die Geschichte der Vogelherd-Siedlung ein Jahr lang erforscht, Archive durchstöbert, Gespräche mit Fachleuten und Anwohnern geführt. Sie war damit sozusagen die „geborene“ Rednerin für die Enthüllung der Infotafel. Sie habe hier eine Nachbarschaft kennengelernt, die durch das Erlebnis der Vertreibung aus der Heimat ein großes Gemeinschaftsgefühl verbinde. Die Interviews, die sie im Rahmen ihrer Arbeit geführt habe, gäben einen sehr persönlichen Einblick in die Gefühlswelt dreier Generationen von Bewohnern der Siedlung. Möller dankt ausdrücklich für die Offenheit, mit der sie aufgenommen wurde.

"Versöhnliches Potenzial"

Die junge Wissenschaftlerin bezeichnet den Vogelherd in ihrem Buch als einen „zwiespältigen Ort vieler Geschichten“; das möge negativ klingen, berge aber auch ein versöhnliches Potential. Der Ort könne zu einem Ort der Begegnung werden, wenn es gelinge, einander zuzuhören statt auszugrenzen. Wenn es gelinge, hier den berechtigten Verweis auf eine sehr spät und überwiegend von außen angestoßene Vergangenheitsbewältigung zu akzeptieren, dort sich die Erzählungen von einer glücklichen Kindheit auf dem Gelände anzuhören. Auf der Informationstafel finden sich daher auch beide Perspektiven.

Als „Wohn- und Gedächtnisort“ wird der Vogelherd auf der Tafel bezeichnet. Die Texte beschreiben in Kurzform, wie es Ende der 1950er Jahre zu dem Bau der Wohnhäuser für Vertriebene auf dem Grund der einstigen Häftlingsbaracken kam. Bürgermeister Thomas Meiler dankte in dem Zusammenhang den Vogelherd-Bewohnern Werner Richter und Roland Pichl, die Möller ganz besonders unterstützt haben. Zum Abschluss verschiedener Städtebaumaßnahmen am Vogelherd seien auch zwei Plätze mit Bänken geschaffen worden; der besondere Zusammenhalt der Siedlung habe sich erst wieder beim jüngsten Straßenfest mit mehr als hundert Besuchern gezeigt.

Gelungene Integration

Von einer Stätte des Grauens einerseits, aber auch einem Ort, an dem die Integration Heimatvertriebener besonders gut gelungen sei, spricht MdL Stephan Oetzinger. Beeindruckend sei auch zu sehen, was mit Mitteln der Städtebauförderung zu erreichen sei. Das Areal sei nach den jüngsten Sanierungsmaßnahmen enorm aufgewertet.

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