12.02.2020 - 10:46 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Flossenbürg aus der Schieflage geholt

Nichts weniger als die Ortschaft aus dem finanziellen Desaster geholt zu haben, reklamieren die CSU und Bürgermeister Thomas Meiler für sich. Zeitgleich mit dem Abbau der Schulden seien Millionen in die Zukunft investiert worden.

Bürgermeister Thomas Meiler erläutert in der Auftaktveranstaltung der CSU seine Vorstellungen für die kommenden sechs Jahre.
von Gabi EichlProfil

Der Saal im renovierten Theresienheim ist voll, als Thomas Meiler und die CSU ihre Pläne für die kommende Legislaturperiode vorstellen. Unter den Gästen sind auch der SPD-Kandidat Holger Bannert und die FWG-Markträte.

Die CSU-Vorsitzende Christina Rosner erinnert an die Situation, in der Meiler 2014 als Zweiter Bürgermeister die Amtsgeschäfte übernommen hatte. Damals habe sich die finanzielle Misere in ihrem ganzen Ausmaß offenbart, nachdem vorher jahrelang unter anderem keine Abschlüsse des Kommunalunternehmens veröffentlicht worden seien. Die damalige „finanzielle wie juristische Schieflage“, von der Rosner spricht, untermauert Meiler mit dem Hinweis, ihm sei - kaum 14 Tage im Amt - geraten worden, schleunigst wieder zurückzutreten, um nicht Gefahr zu laufen, selbst belangt zu werden. Er sei geblieben und heute befinde sich das Kommunalunternehmen auf einem guten Weg, zuletzt habe man um die 200.000 Euro Gewinn eingefahren. Für Rosner ein klarer Beweis dafür, dass das damalige Versprechen, „Taten statt Worte“, zu 100 Prozent umgesetzt worden sei.

Von der 1 Million Euro Schulden seien inzwischen um die 800.000 Euro getilgt. Ein Umstand, den auch Abgeordneter Stephan Oetzinger lobend herausstellt. Lebensqualität werde vor Ort geschaffen, sagt der CSU-Kreisvorsitzende; eine geordnete Finanzlage sei die Voraussetzung dafür.

Meiler zählt rückblickend Projekte auf, die seinen Worten zufolge besonders gelungen sind. Er nennt die Sanierung der Gaisweiher-Anlage, das Bemühen um eine dezentrale Versorgung mit Ökostrom („wir könnten heute bilanziell 80 Prozent aller Haushalte versorgen“), die Sanierung des Ortsteils Vogelherd, die Schaffung von günstigen Mietwohnungen in der Flosser Straße 6 und demnächst in dem Neubau in der Birkenstraße 9 und die Sanierung des Theresienheims in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde.

Warum seien Straßen außerhalb ausgebaut worden, wo es doch im Ort so dringlich sei? Meiler hat eine einfache Erklärung: Es habe Zuschüsse in Höhe von 90 Prozent dafür gegeben; in einem solchen Fall müsse man kurzfristig die Prioritäten anders setzen. Die Innerortsstraßen sollen laut Meiler dennoch schrittweise in den kommenden fünf Jahren saniert werden; durch die Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung sei das aber für weniger begüterte Gemeinden wie Flossenbürg nicht leichter geworden.

Vereinsleben wie kaum anderswo

Doch auch wenn die Gemeinde finanziell nicht auf Rosen gebettet sei, habe man immer versucht, die örtlichen Vereine nach Kräften zu unterstützen, sagt Meiler. Und das Vereinsleben im Ort sei nach wie vor mehr als intakt; immer wieder höre er von Zugezogenen, ein Vereinsleben wie hier hätten sie noch nicht erlebt. Im vergangenen Sommer hätten die Vereine gezeigt, was sie für ihre Gemeinde zu leisten bereit seien, als kurzerhand Ehrenamtliche für die geschlossene Gaststätte am Gaisweiher eingesprungen seien.

Die Ziele der CSU Flossenbürg:

Bürgermeister Thomas Meiler hat einiges vor in den kommenden sechs Jahren, sollte er im Amt bleiben. Der Standort der Firma Schulte & Schmidt, der größte Arbeitgeber im Ort, soll durch eine Gasleitung gesichert werden. Seit drei Jahren arbeite man an einem Energiekonzept, das anfangs weder finanzierbar noch förderfähig gewesen sei. Zusammen mit der OTH Amberg-Weiden sei man inzwischen bei einem „Power to Gas“-Konzept, also der Umwandlung von Strom in Wasserstoff, einem innovativen Konzept, das deutschlandweit bisher einmalig sei. Demzufolge solle Wasserstoff erzeugt werden mit dem Überstrom aus Photovoltaik- und Windanlagen, und dieser Wasserstoff solle bei Schulte & Schmidt genutzt werden; man hoffe, dieses Konzept umsetzen zu können, sagt Meiler.

Was tun gegen den Wegzug aus der Ortschaft? Meiler setzt eigenem Bekunden nach auf billiges Bauland. Das Baugebiet Kapellenberg im Ortsteil Altenhammer soll wie berichtet um noch einmal neun Parzellen erweitert werden.

Die Imagepflege des Ortes mit seinen beiden Kernpunkten, der Burgruine und der KZ-Gedenkstätte, soll vorangetrieben werden. Unter anderem habe man ein Natur-Kultur-Konzept für die nächsten zehn Jahre erarbeiten lassen, das Stück für Stück umgesetzt werden solle.

Das Thema Wasser und Abwasser habe Priorität, sagt Meiler. Hier habe eine Befahrung aber gezeigt, dass das örtliche Kanalsystem keineswegs in so schlechtem Zustand sei wie befürchtet.

Chancen sieht Meiler eigenen Worten nach in dem Zusammenschluss der Gemeinden im östlichen Landkreis unter dem Stichwort „Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept“ (ILEK); zusammen sei mehr zu erreichen, seien andere Fördergelder zu generieren.

Große Bedeutung komme dem Tourismus zu; die sanierte Gaisweiher-Anlage habe im vergangenen Jahr 300 Prozent mehr Besucher gezählt.

Die Ortsteile habe man ebenso im Blick wie den Ort selbst. Mit Altenhammer habe man sich im vergangenen Jahr schon beschäftigt; man wisse, dass es dort erhebliche Defizite gebe. Ziel sei eine Dorferneuerung, um die grundlegenden Strukturen zu verbessern.

Die CSU-Vorsitzende Christina Rosner sieht in der Digitalisierung, wie sie sagt, große Chancen für den Ort. Arbeitsplätze seien heute schon vielfach nicht mehr an einen Standort gebunden, warum also nicht von Flossenbürg aus arbeiten?

Bürgermeister Thomas Meiler erläutert in der Auftaktveranstaltung der CSU seine Vorstellungen für die kommenden sechs Jahre.

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