23.09.2021 - 15:03 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Flossenbürger Kirchenvorstand schmeißt nach Differenzen mit Pfarrer hin

In der evangelischen Kirchengemeinde brodelt es: Pfarrer und Kirchenvorstand können nicht miteinander, die Gemeinde will ihr Bonhoefferhaus behalten – und dann ist da noch der ungeliebte Zusammenschluss mit der Flosser Kirchengemeinde.

Der Verkauf des Pfarrhauses (links) ist beschlossen, vom Bonhoefferhaus (rechts) mag sich die Kirchengemeinde nicht trennen.
von Gabi EichlProfil

In der evangelischen Kirchengemeinde in Flossenbürg geht es drunter und drüber. Alles hat miteinander zu tun und auch wieder nicht. Für Dekan Thomas Guba, gerade einmal seit Dezember vergangenen Jahres im Amt, Grund genug, eine Gemeindeversammlung einzuberufen. Immerhin hat er („vom Donner gerührt“) ganz unvorbereitet, wie er sagt, Ende August erfahren müssen, dass dem Flossenbürger Pfarrer Dr. Volker Wappmann plötzlich der Kirchenvorstand abhanden gekommen ist. Und dass keiner der gewählten Ersatzleute einspringen will.

Seither muss Guba zusammen mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Dekanatsausschusses, Käthe Pühl, Kirchenvorstand in Flossenbürg spielen – und er hat als solcher nun auch das Bonhoefferhaus auf dem Schreibtisch, das die Kirchengemeinde sich nicht mehr leisten kann, an dem jedoch noch viele Herzen hängen.

Zukunft liegt in Zusammenschluss

Der neue Dekan sieht die Sache pragmatischer als die kleine Kirchengemeinde mit ihren etwa 380 Mitgliedern. Er lässt von Anfang an keinen Zweifel daran, dass deren Zukunft seiner Ansicht nach in einem Zusammenschluss mit der Flosser Gemeinde liegt. Wenn Wappmann in etwa einem Jahr in den Ruhestand gehe, werde Flossenbürg ohnehin keinen evangelischen Pfarrer mehr bekommen. „Es gibt einfach nicht mehr genügend Pfarrer“, sagt der Dekan. Der Zusammenschluss mit Floß soll daher zum 1. Januar 2022 Realität werden.

Guba sucht den knapp 40 anwesenden Gemeindemitgliedern deutlich zu machen, dass der Verkauf des Bonhoeffer-Hauses, in dem die Versammlung an diesem Abend tagt, ebenso unumgänglich sei. Die Kirche könne sich derlei nicht mehr leisten. Und den Erlös für die Immobilie könne man gut für das Kirchengebäude brauchen. Guba schlägt vor, das Gespräch mit der katholischen Pfarrgemeinde zu suchen und deren renoviertes Theresienheim mit zu nutzen.

Die Landeskirche habe nicht zuletzt wegen der Pandemie gewaltige Ausfälle zu verkraften, sagt Guba, müsse aber gleichzeitig Löhne weiter bezahlen. Im Publikum flüstert an dieser Stelle jemand: „Die Kirche ist pleite.“

„Das gehört nicht hierher“

Der Verkauf des Bonhoefferhauses ist der Dreh- und Angelpunkt der Gemeindeversammlung. Die zurückgetretenen Mitglieder des Kirchenvorstands, die sich für einen Verkauf ausgesprochen haben, wenn auch sehr schweren Herzens, wie sie sagen, sind nicht dieses Themas wegen zurückgetreten, versichern sie auf wiederholte Nachfrage aus den Reihen der Anwesenden. Vielmehr gehe es um Differenzen mit dem Pfarrer, die jedoch niemand konkretisiert. „Das gehört nicht hierher“, sagt das ausgeschiedene Kirchenvorstandsmitglied Waltraud Riedel.

Wappmann, der gegen einen Verkauf des Bonhoefferhauses ist, sagt, er habe zunächst den Eindruck gehabt, die Zusammenarbeit sei recht gut. Plötzlich habe es geheißen, er sei parteiisch, bevorzuge „gewisse Leute“, drücke Sachen durch, und dann habe er „auf einen Schlag“ vier Kündigungsschreiben ausgehändigt bekommen. Wappmann spricht von mangelndem Vertrauen; er habe geglaubt, mit ihm könne man durchaus umgehen, „aber scheinbar kann man das doch nicht“. Der als einziger im Amt verbliebene Kirchenvorstand Walter Lugert sagt, die anfangs guten Gespräche seien „plötzlich vergiftet“ gewesen.

Wappmanns Vorgänger, Pfarrer Herbert Sörgel, bislang nicht bekannt als Parteigänger der Kirchenobrigkeit, stellt sich auf die Seite des Dekans. Es sei eine „Milchmädchenrechnung“, zu glauben, man könne das Bonhoefferhaus halten und weiter betreiben, sagt er. Man müsse eine Kirchengemeinde „für morgen erziehen und nicht für gestern“.

Mit 30:7 Stimmen sprechen sich die anwesenden Gemeindemitglieder gegen einen Verkauf des Hauses aus. Ein Votum, das zwar keinen verbindlichen Charakter hat, das der Dekanatsausschuss aber berücksichtigen werde, sagt Guba.

Sorge: Zersplitterung der Gemeinde

Unter anderem wird die Sorge geäußert, durch einen Verkauf zersplittere die Gemeinde noch mehr. Die ausgeschiedenen Kirchenvorstände versichern wiederholt, auch ihrerseits alles versucht und diskutiert zu haben, um einen Verkauf abzuwenden. Aus der Versammlung kommen vereinzelte Vorschläge, wie das Haus zu halten sei; ein paar Hände heben sich, als der Dekan fragt, wer denn bereit sei, an einem Konzept mitzuarbeiten. Sörgel sagt, ein solches Konzept müsse Hand und Fuß haben, „a bissl was zamschreiben, ist keine Hilfe“. Guba sieht die Gemeindemitglieder, die für einen Erhalt des Hauses gestimmt haben, „jetzt auch in der Pflicht“.

Volker Wappmann ist seit vergangenem Jahr der evangelische Pfarrer von Flossenbürg

Flossenbürg
Der Saal des Bonhoefferhauses ist voll. Die Gemeindeversammlung stimmt mit 30:7 gegen einen Verkauf des Hauses. Die Entscheidung liegt jedoch beim Dekanatsausschuss.
Der Ton bleibt bis zum Schluss sachlich, niemand wird beleidigend. Dafür dankt Dekan Thomas Guba (rechts) ausdrücklich; links im Bild Pfarrer Volker Wappmann.
Info:

Um was geht es?

  • Zum 1. Juli 2021 legen die vier Mitglieder des Kirchenvorstands Waltraud Riedel, Irene Grünwald, Margit Frauenreuther und Kurt Hofmann ihr Amt nieder; bereits im Mai ist Werner Meier zurückgetreten.
  • Pfarrer Dr. Volker Wappmann, seit November 2020 im Amt, hat damit nur noch ein einziges Kirchenvorstandsmitglied: Walter Lugert. Die Ersatzleute sind nicht bereit, einzuspringen. Pfarrer und Kirchenvorstand sind handlungsunfähig.
  • Am 1. August übernimmt der Dekanatsausschuss als übergeordnetes Gremium die Arbeit des Kirchenvorstands, vorerst bis Ende des Jahres.
  • Beschlossen ist vorerst nur der Verkauf des Pfarrhauses, für den Verkauf auch des Bonhoefferhauses waren nur die ausgeschiedenen Kirchenvorstände.
  • Zum 1. Januar 2022 wird die Kirchengemeinde Flossenbürg in die evangelische Gemeinde Floß eingegliedert, die dann „Floß-Flossenbürg“ heißt. Im gemeinsamen Kirchenvorstand haben die Flossenbürger wie bisher sechs Sitze.

„Wir werden nicht nur in Flossenbürg verkaufen müssen.“

Dekan Thomas Guba

 

 

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