17.09.2020 - 09:59 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Neuer evangelischer Pfarrer für Flossenbürg

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Seit Oktober 2019 ist die Pfarrstelle vakant. Nun wird sie wieder besetzt: Mit einem Vohenstraußer, der dabei auch eine Premiere der besonderen Art feiert.

Der Vohenstraußer Dr. Volker Wappmann wird neuer evangelischer Pfarrer in Flossenbürg.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Pfarrer Dr. Volker Wappmann wird mit dem Einführungsgottesdienst am Sonntag, 8. November, um 14 Uhr in der evangelischen St.-Pankratiuskirche offiziell Nachfolger von Herbert Sörgel. Damit endet in Flossenbürg auch die Zeit der Vertretung durch den Flosser Pfarrer Wilfried Römischer. Im Interview spricht der gebürtige Vohenstraußer über seine neue Aufgabe.

Herbert Sörgel verabschiedete sich Mitte Oktober 2019.

Flossenbürg

ONETZ: Was hat Sie bewegt, die vakante Pfarrstelle in Flossenbürg anzunehmen?

Dr. Volker Wappmann: Ich habe lange überlegt: „Soll ich jetzt noch eine neue Stelle antreten oder nicht?“ Dann tauchte Flossenbürg im Amtsblatt auf. Ein Grund ist: Ich komme nach Flossenbürg, darf aber in Vohenstrauß wohnen bleiben. Der Hauptgrund ist aber: Ich bin gerne Pfarrer und möchte den Beruf weiter ausüben. Ich war jahrzehntelang an Schulen und will meine letzten drei Berufsjahre jetzt als Prediger verbringen. Daher habe ich mir auch die Frage gestellt: „Bist du ein Lehrer oder ein Pfarrer?“

ONETZ: Bleiben Sie den Schülern dennoch als Religionslehrer erhalten?

Dr. Volker Wappmann: Ja, vorläufig aber nur im Gymnasium Neustadt. Lehrer sein macht weiterhin Spaß.

ONETZ: Sie sind ja auch Heimat- und Geschichtsforscher. Freuen Sie sich auf die Aufgabe in einem Ort mit einer solchen historischen Bedeutung wie Flossenbürg?

Dr. Volker Wappmann: Dem Bereich des ehemaligen Konzentrationslagers werde ich mich nicht widmen, das ist einfach ein zu heikles Thema. Ich kümmere mich aber ein bisschen um die Geschichte der Simultankirche in Flossenbürg.

ONETZ: Was wollen Sie anders oder besser machen als Ihre Vorgänger?

Dr. Volker Wappmann: Ich kann mich nicht erheben und sagen, ich bin besser als andere. Ich achte alle meine Vorgänger.

ONETZ: Flossenbürg ist seit 1912 eigenständige evangelische Pfarrei. Die meisten Pfarrer kamen bisher aus Franken, einer sogar aus Amerika. Frage an den Historiker: Wissen Sie, wie viele Oberpfälzer es bisher waren?

Dr. Volker Wappmann: Das weiß ich leider nicht, weil ich mich mit dem Thema bisher noch nicht beschäftigt habe.

ONETZ: Sie sind der erste Oberpfälzer!

Dr. Volker Wappmann: Das überrascht mich jetzt total. Ich staune!

ONETZ: Werden Sie versuchen, das Gemeindeleben wieder aktiver zu gestalten? Der Evangelische Frauenbund zum Beispiel ruht ja derzeit. Könnten Sie sich vorstellen, ihn wiederzubeleben?

Dr. Volker Wappmann: Wenn ich eine Frau wäre, würde ich das tun. Als Mann tue ich mich sehr schwer, einen Frauenbund zu leiten. Fragen Sie meine Frau! (Anm. d. Red.: Karin Wappmann war lange Vorsitzende des Evangelischen Frauenbunds in Vohenstrauß.) Aber es gibt ja noch andere Arbeitsfelder. Vorstellen kann ich mir da manches, aber ob es Realität wird, ist eine andere Frage. Ich will aber versuchen, Akzente zu setzen und den Übergang für die Zeit nach meinem Wirken zu gestalten.

Wenn ich mich um ein lebendiges Gemeindeleben bemühe, dann gehört das Bonhoeffer-Haus einfach dazu. Ich bin davon überzeugt, dass es eine Lösung gibt, und auf die werden wir hinarbeiten.

Dr. Volker Wappmann

ONETZ: Vor 50 Jahren wurde das Gemeindehaus für Versammlungen sowie Veranstaltungen gebaut und nach Pfarrer Dietrich Bonhoeffer benannt, der am 9. April 1945 im damaligen Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet wurde. Jetzt soll das Gebäude verkauft werden. Muss die Kirchengemeinde, das Dekanat oder sogar die Landeskirche vor diesem historischen Hintergrund nicht Interesse daran haben, es zu behalten?

Dr. Volker Wappmann: Mir hat einmal ein Kirchenvorstand gesagt, dass Flossenbürg immer eine Pfarrstelle bleibt wegen Bonhoeffer. Wir haben 370 Gemeindeglieder, da werden woanders die Gemeinden längst aufgelöst. Es ist also etwas Besonderes, wenn nochmal ein neuer Pfarrer kommt. Also doch Bonhoeffer?

ONETZ: Wie könnte eine künftige Nutzung des Gebäudes aussehen?

Dr. Volker Wappmann: Wenn ich mich um ein lebendiges Gemeindeleben bemühe, dann gehört das Bonhoeffer-Haus einfach dazu. Ich bin davon überzeugt, dass es eine Lösung gibt, und auf die werden wir hinarbeiten. Ich habe eine positive Einstellung zu dem Haus, wohlwissend, dass damit viel Geld verbunden ist. Entscheiden muss aber auch der Kirchenvorstand.

ONETZ: Als Stadtrat von Vohenstrauß verfolgen Sie ja sicherlich das politische Geschehen in Flossenbürg. Aktuell droht die Debatte um das Steinhauerhaus den ganzen Ort zu spalten. Müssen sich die Kirchen, müssen sich die Pfarrer hier nicht auch einmischen?

Dr. Volker Wappmann: Wenn sie in den Fall eingearbeitet sind, warum sollten sie dann nicht ihre Meinung sagen? Ein Urteil mute ich mir derzeit aber nicht zu, weil ich, wie gesagt, noch nicht eingearbeitet bin.

ONETZ: Wie wollen Sie die ökumenische Zusammenarbeit mit Ihrem katholischen Amtskollegen Georg Gierl gestalten?

Dr. Volker Wappmann: Ich werde auf alle Fälle in den nächsten Wochen meinen Antrittsbesuch bei ihm machen. Ich hoffe auf ein gutes Miteinander.

ONETZ: Was können Sie in Ihren letzten drei Berufsjahren bewegen?

Dr. Volker Wappmann: Ich würde sagen: „Schaumermal.“

ONETZ: Wie sieht die Zeit danach aus, könnten Sie sich vorstellen, weiterzumachen?

Dr. Volker Wappmann: Ja. Wenn es gelingt, und ich den Eindruck habe, dass mein Wirken in Flossenbürg Früchte trägt, kann ich mir vorstellen, zu verlängern.

Zur Person:

Dr. Volker Wappmann

Dr. Volker Wappmann wurde 1957 in Vohenstrauß geboren. 1977 machte er das Abitur am Augustinus-Gymnasium Weiden, danach studierte er evangelische Theologie in Erlangen und München. Wappmann ist seit 1981 mit Ehefrau Karin verheiratet, mit der er vier Kinder hat. 1982 war er Vikar im unterfränkischen Maroldsweisach und 1984 Pfarrer in Wildenreuth. Seit 1990 ist er Pfarrer im Schuldienst, ab 1996 am Kepler-Gymnasium in Weiden und am Neustädter Gymnasium.

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