24.01.2020 - 12:37 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Förderverein müsste zigmal mehr Mitglieder haben

Dem Förderverein für die KZ-Gedenkstätte steht ein ereignisreiches Jahr bevor. Das wird in der Jahreshauptversammlung im Saal des Bildungshauses deutlich.

Vorsitzender Karlhermann Schötz (links) und Kassier Alexander Sailer berichten über Neuigkeiten beim Förderverein für die KZ-Gedenkstätte.
von Redaktion ONETZProfil

Vorsitzender Dekan Karlhermann Schötz, ging in seinem Bericht zunächst auf die grundsätzlichen Anliegen des Fördervereins ein und blickte zurück. Am 24. Januar 1945 hätten sich etwa 41.500 Menschen im KZ Flossenbürg und seinen Außenlagern befunden. "Eine nüchterne Zahl, hinter der zigtausende individuelle Schicksale von Menschen stehen, die zu Nummern gemacht wurden." Um die Erinnerung an diese Menschen wach zu halten, die hier Unsagbares erlebt haben, gebe es die Gedenkstätte. Durch den in den letzten Jahren immer offener zu Tage tretenden Rassismus, den wiedererstarkten Antisemitismus und den ausgeprägten gewaltbereiten Nationalismus werde die Wichtigkeit der Arbeit in der Gedenkstätte nur zu deutlich, merkte Schötz an. "Im Sinne der Stärkung unserer Demokratie müssten Fördervereine Tausende von Mitgliedern haben." Immerhin konnte

der Vorsitzende einen Zuwachs auf 162 Mitglieder vermelden.

2020 sei mit dem 75-jährigen Ende des Zweiten Weltkriegs und den Tagen der Befreiung vom Nationalsozialismus ein besonderes Jahr. "Für uns bedeute es, 75 Jahre ohne Krieg im eigenen Land, für andere bedeute das Kriegsende Befreiung von Unterdrückung, Folter, Menschenverachtung und Tod und ein Leben danach mit den Erinnerungen daran", sagte Schötz. Gedenkstätte und Förderverein richten am Samstag, 25. April, ein Überlebendentreffen mit Empfang aus, das der Männergesangverein Flossenbürg mitgestaltet und bei dem Gedenkstätte und Ort Hand in Hand gehen. Diese Veranstaltung, so Schötz, sei für viele, die kommen, fast ebenso wichtig wie der Festakt am 26. April, denn sie gebe Möglichkeiten der Kommunikation und des schon fast familiären Gesprächs. Er, Schötz, sei dankbar für all die Menschen – ehemalige Häftlinge und Angehörige – die sich hierher auf den Weg machten, uns ihre Freundschaft schenkten und so Versöhnung über verschiedene Generationen und Nationen möglich machten.

Kassier Alexander Sailer gab einen detaillieren Bericht über die vergangenen beiden Jahre ab und hob hervor, dass der Förderverein nach wie vor vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt sei. Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit ging zunächst auf das am 21. Januar vom Bayerischen Kabinett verabschiedete „Gesamtkonzept für die Erinnerungsarbeit“ für die nächsten zehn Jahre ein, in dem auch Flossenbürg ein Schwerpunkt ist (wir berichteten): die Einbeziehung des Steinbruchgeländes in die Gedenkstätte mit Übernachtungshaus und eine Kooperation mit der Universität Regensburg, mit einem „Zentrum der Erinnerungskultur“ und Plätzen für Studienzwecke. Man müsse den Freistaat für diese „erstmaligen und epochalen“ Beschlüsse loben.

Geplante Veranstaltungen:

Für den großen Gedenkakt im April, über den auch das Bayerische Fernsehen berichten wird, gebe es eine enorme Anzahl von Anmeldungen, so dass die Kapazität des Zeltes schon von 700 auf 1000 Personen erhöht werden musste. Am 13. Februar wird in der Gedenkstätte die Ausstellung „Geschichte eines Lebens“ des Steinmetzes Shelomo Selinger, für den der Flossenbürger Granit prägend war und dessen Lebenswunsch damit erfüllt wird, eröffnet. In Prag erfolgt am 6. Mai die Eröffnung der deutsch-tschechischen Ausstellung der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg mit dem Titel „Heute ein Heiliger, morgen ein Schweinehund - Tschechoslowakische Schicksale im 20. Jahrhundert“. Darin ist der mährische Landwirt Radomír Faltýnek neben einer jüdischen Malerin aus Prag, einem sudetendeutschen Kommunisten, einem Diplomaten in Diensten von Staatspräsident Beneš und einem US-amerikanischen Filmregisseur ei-ner von 15 Protagonisten, die alle als tschechoslowakische Staatsbürger im KZ Flossenbürg oder einem seiner Außenlager inhaftiert waren. Der Förderverein zahlt für seine Mitglieder die Fahrt zur Ausstellungseröffnung; in Planung ist auch ein weiterer Bus für Nichtmitglieder. Am 17. Juni wird in der Gedenkstätte die Ausstellung „Das Ende der Zeitzeugenschaft?“ eröffnet.

Sie leiteten die Jahreshauptversammlung: zweiter Vorsitzender Landrat Andreas Meier, Bürgermeister Thomas Meiler, Schriftführer Johannes Ibel, Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit, Vorsitzender Dekan Karlhermann Schötz und Kassier Alexander Sailer (von links).
Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit informiert über die aktuelle Situation.

Lesen Sie hier über die Pläne der Staatsregierung für die KZ-Gedenkstätte.

Flossenbürg

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