23.08.2019 - 18:49 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Frenzel: "Wir sehen unsere Zukunft in Flossenbürg"

Eric Frenzel stammt aus Sachsen, lebt aber seit knapp zehn Jahren in der Oberpfalz. In unserer Rubrik "Zugroast" erklärt er, warum er sich in der Region so wohlfühlt - auch wenn es mit dem hiesigen Dialekt am Anfang schwierig war.

Eric Frenzel lebt seit knapp zehn Jahren in Flossenbürg.
von Julian Trager Kontakt Profil

Dreifacher Olympiasieger, siebenfacher Weltmeister – und seit knapp zehn Jahren auch Wahl-Oberpfälzer: Eric Frenzel (30) stammt aus Geyer im Erzgebirge, seit 2010 lebt er aber mit seiner Frau Laura, die aus Flossenbürg kommt, und den drei gemeinsamen Kindern in der Oberpfalz, 2010 haben sie ein Haus in dem Ort im Kreis Neustadt/WN gebaut. Der Nordischer Kombinierer (Skispringen und Skilanglauf) fühlt sich in seiner neuen Heimat wohl – auch wenn es mit dem Oberpfälzer Dialekt am Anfang schwierig war.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Eric Frenzel: Ein Grantler eher selten. Ich bin vor allem sehr offenen und freundlichen Menschen begegnet. Sicherlich gibt es den ein oder anderen Sturkopf. Das ist aber im Erzgebirge nicht anders, die sind auch sehr heimatverbunden. Das ist ähnlich, deswegen habe ich mich hier von Anfang an wohlgefühlt.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Das ist sehr speziell. Laura hat damals Hochdeutsch mit mir gesprochen. Wenn sie aber im Internat mit ihrer Mutter telefonierte, hat sie Dialekt gesprochen. Da habe ich mich sehr schwer getan, es zu verstehen. Daher hatte ich erwartet, dass das mit dem Dialekt schwer werden würde, gerade bei der älteren Generation. Es hat aber dann recht gut und schnell funktioniert. Der Dialekt war nie ein Minuspunkt, ich habe mich gut eingegliedert. Wir wohnen in einer sehr ruhigen Ecke in der Oberpfalz. Ich fühle mich hier mit meiner Familie richtig wohl. In der Region kann man sehr gut wandern, Radfahren. Mit dem Gaisweiher vor der Haustür ist es perfekt für die Kinder.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Eine gewisse Wehmut ist schon da. Da die Regionen aber ähnlich sind und nicht weit auseinander liegen, komme ich hier und dort auf meine Kosten. Wir haben in Flossenbürg ein Haus gebaut, das erste Kind geht schon in die Schule und solange sich bei mir beruflich nicht groß was ändert, haben wir vor, unseren Lebensmittelpunkt hier zu lassen. Grundsätzlich sehen wir unsere Zukunft in Flossenbürg. Aber man sollte niemals nie sagen. Im normalen Trainingsalltag bin ich jede Woche in der alten Heimat, Oberwiesenthal ist ja mein Trainingsstandort. Die Fahrt dauert nur eineinhalb Stunden. Wenn ich oben bleiben muss, dann schlafe ich halt bei meinen Eltern.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Grundsätzlich muss ich nicht viel erzählen. Wir haben hier sehr viele Besucher. Meine Freunde aus der Schulzeit kommen sehr, sehr gerne. Daher kennen sie die Region. Sie fühlen sich hier wohl, sie kommen gerne zu uns – glaube ich jedenfalls. Da die auch kleine Kinder dabei haben, gehen wir im Sommer an den Gaisweiher, das ist für Familien ideal. Und wir wandern oder sind auf der Silberhütte.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Mittlerweile habe ich keine Probleme mehr, das läuft sehr gut. Bei manchen speziellen Wörter muss ich noch nachfragen, aber das wird seltener. Die Kinder fangen langsam auch schon mit dem Oberpfälzer Dialekt an. Und ich bin jetzt schon fast Übersetzer für Besucher, die hier viele Wörter nicht verstehen.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Ich fühle mich auf jeden Fall aufgenommen. Ob ich den Erzgebirgler in mir ablegen kann, glaube ich nicht, das wird immer überwiegen. Aber ich fühle mich hier sehr wohl.

Serie "Zugroast":

In der Kolumne "Zugroast" stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind - und hier eine neue Heimat gefunden haben.

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