Flossenbürg
09.12.2018 - 10:31 Uhr

Gedenkstättenarbeit ohne Granitabbau

Die Kommune wünscht sich Koexistenz und keinen harten Schnitt. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ging es um die Frage, ob der Granitabbau im sogenannten Osti-Steinbruch tatsächlich eingestellt werden muss.

Auch markante Granitgebäude sind im Osti-Steinbruch zu finden. Sie stammen aus der Zeit des Konzentrationslagers. Um das Gelände gibt es derzeit Meinungsdifferenzen. Bild: nm
Auch markante Granitgebäude sind im Osti-Steinbruch zu finden. Sie stammen aus der Zeit des Konzentrationslagers. Um das Gelände gibt es derzeit Meinungsdifferenzen.

Die Gemeinderäte sahen ein Miteinander von Gewerbe und KZ-Gedenkstätte durchaus möglich. Welch hohen Stellenwert das Thema in der Grenzgemeinde hat, zeigte sich am Freitag im Rathaus. 35 Zuhörer, darunter eine Reihe von Mitarbeitern der Granitwerke Baumann, drängten in den Sitzungssaal. Sie verfolgten zunächst den von Bürgermeister Thomas Meiler verlesenen Text eines Briefes. Der wurde Ministerien, Politikern und verschiedenen Organisationen zugestellt.

Konkret geht es darin um die Absicht des Staates als Grundstückseigentümer, das Pachtverhältnis für das Wurmstein-Gelände mit den Granitwerken Baumann 2024 zu beenden. Der Steinbruch soll in die Gedenkstättenarbeit einbezogen werden. Meiler brachte deutlich zum Ausdruck, dass es angebracht gewesen wäre, die Gemeinde in das Vorgehen einzubeziehen: „Das war eigentlich zugesichert. Wir wurden aber außen vor gelassen.“

Die Arbeit von Seiten des Staates und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten sei ohne Zweifel extrem hoch einzustufen. Nicht untergehen dürfe aber der Aspekt „Ort des Granits“. Es brauche jedenfalls, so der Hinweis des Bürgermeisters, kein „entweder/oder“, sondern ein gutes Miteinander: „Kleine Korrekturen hätten es auch getan.“ Die drei Fraktionen im Gemeinderat hatten das Schriftstück bereits in Händen und bekräftigen an dem Abend mit ihrer Unterschrift den Wunsch, es nicht bei den aktuellen Vorgaben zu belassen.

Das rückte auch Wolfgang Baumann in den Mittelpunkt. Der Inhaber der Granitwerke bekam Gelegenheit zur Stellungnahme und nutzte die ausführlich. Gleich zu Beginn fuhr er schwere Geschütze auf: „Das vereinbarte Stillschweigen war offensichtlich ein Fehler. Wir haben uns daran gehalten und die Folge war, dass die Firma und besonders auch die Mitarbeiter diffamiert wurden. Basis sind unwahre Behauptungen und bewusst lancierte Falschmeldungen.“

Das betreffe Schäden an der sogenannten Häftlingswand ebenso, wie eine alte Treppe oder die Zerstörung des Häftlingszauns, um nur einige Beispiele zu nennen: „In Wirklichkeit war es herumliegender Stacheldraht jüngeren Datums.“ Baumann forderte auf, die von einer Privatperson initiierte, einseitige und grundlose Vorwurfskampagne endlich zu beenden. Ziel müsse es vielmehr sein, die von der Staatsregierung in der Vergangenheit angekündigte Balance von Steinbruch und KZ-Gedenkstätte zu schaffen: „Noch dazu wird an der Häftlingswand gar nicht gearbeitet. Das war in der Vergangenheit nicht der Fall und das haben wir auch nicht vor.“

Maximilian Üblacker sen. steuerte eine weitere Wortmeldung bei. Auch sein Metall- und Schrotthandel sei von der Thematik betroffen: „Die Existenz eines Familienbetriebs steht auf dem Spiel.“ Wie es weitergeht, bleibt derzeit abzuwarten. Meiler verwies auf erste eingegangene Stellungnahmen zu seinem Brief: „Es gibt Wünsche für persönliche Gespräche, damit es doch noch ein gutes Ende geben kann.“

 
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