09.07.2019 - 10:04 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Grenzerfahrung für angehende Architekten

„Grenzen. 8 Materialien, 8 Orte, 20 Antworten“: Das war Thema eines Masterstudios der Architekten Peter und Christian Brückner als Gastprofessoren an der Hochschule Biberach bei Professor Matthias Loebermann.

Eine Studentin erklärt einem Besucher ihr Konzept.
von FSBProfil

Im Fachgebiet „Baukonstruktion und Entwerfen“ sollten 20 Aufgaben von 20 Studenten (davon 16 Frauen) an 8 Orten (5 diesseits und 3 jenseits der deutsch-tschechischen Grenze) mit architektonischen Mitteln beantwortet werden. Die Endpräsentation hatte bereits am 9. Mai in der Hochschule stattgefunden Die beeindruckenden Ergebnisse wurden nun als Modelle und auf Schautafeln sowie persönlich durch die Studierenden auch bei der Eröffnung der Ausstellung im Veranstaltungssaal der KZ-Gedenkstätte vorgestellt.

Leiter Dr. Jörg Skriebeleit freute sich, in seinem Haus, das auch versuche, Grenzen zu überschreiten, einen Raum als Präsentationsfläche für architektonische Entwürfe zur Verfügung stellen zu können.

Loebermann betonte, dass gerade das Masterstudium einen Mehrwert beinhalten müsse, bei dem die Wirklichkeit nicht real gebaut, sondern im Sinne einer denkbaren Umsetzung entworfen wird. Die Aufgabe habe gelautet, was Material leisten könne, um etwa griffig, einmalig und experimentell zu gestalten. Hierzu sprach er allen Studierenden des Masterstudios großes Lob aus, mit viel Engagement und Bravour ihre Aufgaben gemeistert und zudem die Ausstellung und eine Dokumentation erstellt zu haben.

Grenzen und Grenzüberschreitung beschäftigen, prägen und begegnen Peter und Christian Brückner auf vielfältige Weise und sind ein wiederkehrendes Thema ihrer Arbeit. Im Leben wie in der Architektur gelange man immer wieder an Grenzen, die überwunden werden müssen. Deshalb mussten die Studierenden, so Peter Brückner, durch Suchen mit allen Sinnen und präzisem Beantworten der Aufgaben Grenzen erkennen und überschreiten. Normalerweise würden sowohl die Aufgaben klar formuliert als auch ein Grundstück als Grundlage des Entwurfes vorgegeben. Hier sei jedoch der akademische, sehr experimentelle Ansatz die Umkehrung des gängigen architektonischen Prinzips gewesen: Per Losverfahren bekam jeder der 20 Studierenden einen Ort und ein Material zugeteilt.

Die acht Orte waren ein Steinbruch in Flossenbürg, eine Ruine in Sibyllenbad, Hermannsreuth als geteiltes Dorf, der Bahnhof in Schirnding, das Skilanglaufzentrum Silberhütte, die Heilbäder Franzensbad und Marienbad und der Stausee Eger. Bei den Materialien standen Beton, Glas, Holz, Kunststoff, Metall, Naturstein, Textilien und Ziegel zur Verfügung. Durch dieses neue Verfahren, sich einen Ort selbst zu erarbeiten, und zu recherchieren, was ihm fehlt, wurden die Studierenden gezwungen, genau hinzusehen, mit Menschen vor Ort zu reden und eine persönliche Haltung zu entwickeln. Im nächsten Schritt wurden durch eine gemeinsame dreitägige Exkursion Spurensuche und Grenzerfahrung Bestandteil der Antworten. Jeder Studierende stellte sich seine(r) Aufgabe.

Es galt, frei über Material, Ort und Aufgabe nachzudenken und Denkmodelle für die Zukunft dieser Orte zu entwickeln. Die Architektur wurde als grenzüberschreitendes Medium genutzt, um den Blick für neue, doch längst vorhandene, aber oft verborgene, selbstverständliche Phänomene des Lebens zu schärfen. So entstanden sehr unterschiedliche, individuelle und innovative Entwurfsansätze. Durch viel Experimentieren und mit erzeugtem Teamgeist kamen spannende Ergebnisse und Konzepte heraus, vom Schwimmbad über Schulungs- und Sozialzentren bis hin zu einem Gradierwerk und einer begehbaren Skulptur. Für Flossenbürg ergaben sich eine Diskothek mit Restaurant und Veranstaltungsbereich, eine Begegnungsstätte in Form einer Jugendherberge sowie ein Bürgerhaus, für die Silberhütte eine neue Empfangssituation mit Orten zum Essen, Zuschauen und Übernachten, einem Wellnessbereich und einem Sportzentrum.

Auch für Christian Brückner sind die Modelle, Bilder und Pläne etwas Faszinierendes. Hinzu kämen die Erklärungen der anwesenden Studierenden in Gesprächen zu ihren Werken. Die Orte, die Region und die Menschen durch ihre Augen gesehen, bedeuteten einen Mehrwert und etwas Neues für jeden aus unserer Heimat. Die nicht alltägliche, sehenswerte Ausstellung ist nur noch bis diesen Donnerstag, 11. Juli, zu den Öffnungszeiten der Gedenkstätte zu besichtigen.

Gradierturm Franzensbad (hinten) und Neustrukturierung
Gedenkstätte Hermannsreuth (links) und Schwimmbad Eger-Stausee (rechts vorne)
temporärer Pavillon Franzensbad
Sibyllenturm
Reges Interesse der Besucher an den Reden und den Ausstellungsstücken
Reges Interesse der Besucher an den Reden und den Ausstellungsstücken.
Begrüßungsreden.
Reges Interesse der Besucher an den Reden und den Ausstellungsstücken
Begegnungsstätte Flossenbürg (hinten)
Reges Interesse der Besucher an den Reden und den Ausstellungsstücken
Sozialzentrum Schirnding
Begrüßungsreden durch Jörg Skriebeleit (02a). Professor Loebermann (02b), Architekt Peter Brückner (02c) und Architekt Christian Brückner (02d)
Sie sind stolz auf die in der Ausstellung vorgestellten Ergebnisse: Von rechts: Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit, Professor Matthias Loebermann, die Architekten Peter und Christian Brückner sowie Kreisbaumeister Werner Kraus
Begrüßungsreden durch Jörg Skriebeleit (02a). Professor Loebermann (02b), Architekt Peter Brückner (02c) und Architekt Christian Brückner (02d)
Begrüßungsreden

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