Ganz spontan ist das Treffen am Mittwoch nicht. Der Sulzbach-Rosenberger feiert auf seinem Lieblingsfleckchen Erde den 80. Geburtstag.
Im September 1975 kam Müller mit der Familie auf den damals neu angelegten Campingplatz Gaisweiher. Und seitdem will er nicht mehr weg: „Ich hab' hier alles miterlebt und könnte ein Buch über das Geschehen in den 44 Jahren schreiben.“ Tatsächlich gemacht hat er das nicht. In der Sonne sitzen, Natur und Ruhe genießen, das ist ihm wichtiger.
Wenn er aber ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert, hören ihm die Nachbarn und Freunde am Platz gerne zu. Sie sind ebenfalls seit Jahrzehnten Camper in der Grenzgemeinde. Müller ist ihr „Alterspräsident“. Er ist der Camper, der am Gaisweiher am längsten ein zweites Zuhause hat: „Ich war zuvor auf einem anderem Platz. Flossenbürg wurde dann aber meine erste Wahl.“
Immer wieder verweist der ehemalige Soldat, Fahrlehrer und Sparkassen-Cheffahrer auf den Charakter des Geländes: „Hier ist es möglich, einfach einmal abzuschalten, eine Amsel aus der Hand zu füttern und Natur pur zu genießen.“ Besonders am Herzen liegt ihm der Kontakt mit den anderen Campern. Es ist eine große Familie mit einem ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl.
„Natürlich knirscht es ab und zu. Dann spricht man sich aus und die Unstimmigkeiten sind wieder vom Tisch.“ Wenn ein guter Rat gebraucht wird, steuert Müller den gerne bei. Und Neuankömmlinge werden immer wieder einmal zum „Kaiser-Wilhelm-Günter“ geschickt. Nur unter dem Namen „Günter“ würde ihn kaum jemand kennen. Den Spitznamen haben ihm vor langer Zeit Freunde wegen seines besonderen Schnurrbartes verpasst.
Zusammen mit Ehefrau Karin erinnert sich der Camper gerne an die ersten Jahre in Flossenbürg. Da war das Paar mit der Tochter auch häufig während des Winters hier: „Sie lernte beim ‚Fusal’ das Skifahren.“ Mit den Freunden wurde oft eine Schneebar aufgebaut und bei klirrender Kälte gefeiert. „Altersbedingt geht das nicht mehr so intensiv“, schmunzelt Müller. Wobei aber der gemütlich eingerichtete Wohnwagen auf dem Platz mit der Nummer 428 selbst bei Extremtemperaturen wohlig warm ist.
Worüber er sich aus ganzem Herzen freut, ist der Aufwärtstrend am Gaisweiher. Die Sanierung des Platzes und der sanitären Anlagen locke neue und jüngere Gäste in die nördliche Oberpfalz. Positiv schätzte der Jubilar auch die Schaffung des neuen Jugendzeltplatzes ein: „Toll, dass hier so oft junge Leute kommen. Und wenn es mal ein bisschen lauter wird, macht das nichts. Der Erdwall lässt den Lärm kaum nach vorne.“
Für den Verein „Campingfreunde Gaisweiher“ freute sich Jürgen Markelstorfer über die Vitalität und Kameradschaft des dienstältesten Campers. Die Campingfreunde haben sich zum runden Geburtstag etwas einfallen lassen. Sie „entführten“ Günter und Karin Müller zum Brunch in den „St. Ötzener Hof“, kümmerten sich um ein geselliges Beisammensein und überraschten ihn mit einer neuen Jacke mit aufgedrucktem Vereinsemblem.
Auch Bürgermeister Thomas Meiler machte „Kaiser Wilhelm“ seine Aufwartung. Er gratulierte mit einem Geschenkkorb und freute sich über die gute Laune bei dem Völkchen am Gaisweiher: „Günter Müller ist ein typisches Beispiel dafür, wie gut ein Miteinander vom Campern, Verein und Kommune funktionieren kann. Wenn dann noch die aktuelle positive Entwicklung gelobt wird, freut sich auch ein Bürgermeister.“













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