06.06.2019 - 15:39 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Königliche Hoheit besucht Gedenkstätte

Das Mammut-Programm ähnelte einem Staatsbesuch. Der fast 86-jährige Herzog Franz von Bayern absolviert mehr als acht Stationen an zwei Tagen in der Oberpfalz. Abschluss und Höhepunkt ist Flossenbürg

Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit erläutert Herzog Franz von Bayern (Erster und Zweiter von rechts) das historische Geschehen anhand der Gedenktafeln. Mit dabei auch Regierungspräsident Axel Bartelt und Flossenbürgs Bürgermeister Thomas Meiler (Dritter und Vierter von rechts)
von Siegfried BühnerProfil

Gäbe es in Bayern noch eine Monarchie, wäre Herzog Franz von Bayern der König. Das Oberhaupt des Hauses Wittelsbach ist Urenkel des letzten bayrischen Königs Ludwig III. Im Allgemeinen lebt er sehr zurückgezogen in München im Schloss Nymphenburg und ist bekannt als Kunstsammler und Hundefreund. Seine Teilnahme an der Eröffnung des Museums der Bayrischen Geschichte animierte Herzog Franz zu einem Besuchsprogramm in der Oberpfalz, das ihn an dunkle Tage seiner Kindheit erinnerte.

Kaum jemand weiß, dass die Nazis auch nicht davor zurückschreckten, Mitglieder der königlichen Familie in einem Konzentrationslager einzusperren. Doch im September 1944 war es soweit. Zusammen mit seinem Vater Albrecht von Bayern und anderen Familienmitgliedern wurde der damals 11-jährige Franz zunächst ins Konzentrationslager Sachsen, später in den Lager Flossenbürg und Dachau gefangen gehalten. Im Konzentrationslager Flossenbürg war die Familie von Februar bis April 1945 eingesperrt, bevor sie dann bis zur ihrer Befreiung am Kriegsende nach Dachau verlegt wurde.

Der Besuch der Gedenkstätte in Flossenbürg führte den Herzog zurück in diese Vergangenheit. Er kam in Begleitung von Regierungspräsident Axel Bartelt sowie Flossenbürgs Bürgermeister Thomas Meiler. „Ich erinnere mich noch gut an unsere Ankunft im Lager“ erzählte der Herzog. Alles sei sehr voll und eng wie in einer Bienenwabe gewesen. „Wir kamen alle unter falschem Namen, dennoch hatte es sich längst im Lager herumgesprochen, wer wir sind.“ Ein Raubmörder, der „Kapo“ im Lager war, hätte der Familie viel geholfen. Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit führte den Besucher und seine Begleitung durch das ehemalige Konzentrationslager. Er berichtete, dass zum Zeitpunkt der Ankunft der königlichen Familie das Lager mit 15.000 Häftlingen mehr als überfüllt gewesen sei.

Je länger sich Herzog Franz dort umsah, desto mehr Erinnerungen kamen auf. Während des Rundgangs durch das Gelände sagte er plötzlich: „Genau hier an dieser Stelle stand die Baracke, in der ich und meine Familie lebten“. Davor hätten viele aufeinander geschlichtete Leichen gelegen. Allerdings hätte er fast immer nur in der Baracke bleiben müssen und andere Häftlinge nicht gesehen. Auch an einen kleinen Kohleofen in der Baracke konnte Herzog Franz sich gut erinnern. Hundegebell sei heute noch mehr in seinen Ohren als Gewehrschüsse. Beim Blick auf das Krematorium bemerkte der Herzog „das war damals weiß angestrichen und es gab hier keine Bäume“. Die Hiob-Figur des Künstlers Fritz Koenig vor dem Exekutionsplatz ist für den Herzog eine „gute Antwort“. Überhaupt sehr nachdenklich und beeindruckt zeigte sich der Herzog auch an der Stelle, an der am gleichen Tag Dietrich Bonhoeffer und Wilhelm Canaris ermordet wurden. Weil die Anlage heutzutage so viel Ruhe ausstrahle, sei sie der richtige „Ort zur Sammlung“. fasste er seine Eindrücke zusammen.

Hintergrund:

Herzog Franz von Bayern erzählte beim Rundgang durch die Gedenkstätte auch, dass seine Familie in Ungern in „Schutzhaft“ genommen worden und dann über Weimar nach Oranienburg gebracht worden wäre. Die weiteren Verlagerungen, unter anderem nach Flossenbürg, hätten vor allem mit einem sich laufend verändernden Frontverlauf zu tun gehabt, vermutet Gedenkstättenleiter Skriebeleit. Nach dem Kriegsende besuchte der Herzog das Gymnasium im Benediktinerkloster Ettal und studierte anschließend Betriebswirtschaft. Seit 1998 ist er Oberhaupt der Wittelsbacher, hat allerdings keine Nachkommen. Heute ist er Träger zahlreicher Ehrentitel, unter anderem ist er Ehrensenator der bayrischen Akademie der Künste und Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland. Er ist Ehrenbürger der Stadt München und Ehrendoktor der Ludwig-Maximilian-Universität München. (sbü)

Herzog Franz von Bayern (Mitte) im Gespräch mit Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit (rechts). Regierungspräsident Axel Bartelt hört zu.
"Genau hier waren wir untergebracht" zeigt Herzog Franz von Bayern in der Nachbildung des Lagers Flossenbürg
Gedenkstättenleiter Jörg Skriebeleit führt die Besucher durch die Ausstellungsräume.
Je länger Herzog Franz von Bayern in der Gedenkstätte verweilt, desto mehr Erinnerungen kommen auf.

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