09.12.2019 - 15:33 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Konferenz gegen das Vergessen

Bundesweite Vertreter von NS-Gedenkstätten treffen sich zum Austausch in Flossenbürg. Sie diskutieren mit der Politik über Maßnahmen die Erinnerung aufrecht zu erhalten. Dabei sparen sie auch nicht mit Kritik.

Jörg Skriebeleit, Marianne Schieder, Thomas Hacker, Sybille Giel, Erhard Grundl, und Hartmut Koschyk (von links) diskutieren über die Zukunft der Gedenkstätten.
von Stefan NeidlProfil

Der Tag der Befreiung vom NS-Regime jährt sich 2020 zum 75. Mal. Darum trafen sich nun in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg Vertreter der bundesweiten Gedenkstätten zu einer Konferenz darüber, wie die Erinnerung an die NS-Verbrechen aufrecht erhalten werden kann. Denn altersbedingt sterben die letzten Zeitzeugen nach und nach weg. Darum stand die Konferenz unter dem Motto: "Ende der Zeitzeugenschaft und staatlich verordnete Erinnerung".

In einer Diskussionsrunde erläuterten Hartmut Koschyk (CSU), Mitglied der Enquete-Kommission "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur", Erhard Grundl (Grüne), Thomas Hacker (FDP) – beide Obmänner des Kulturausschusses des Bundestags –, Marianne Schieder (SPD), Berichterstatterin der Fraktion, und Jörg Skriebeleit, Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg über die Zukunft der Gedenkstätten. Moderiert wurde die Runde von Sybille Giel vom Bayerischen Rundfunk.

Koschyk warf einen Blick zurück: Anfangs seien Förderungen für diese Institutionen minimal gewesen. Gerade in der ehemaligen DDR sei es mit dem Andenken nicht weit her gewesen, wurden die ehemaligen Konzentgrationslager von der Sowjetunion als Gefängnisse genutzt. Grundl sieht, dass gerade junge Leute die Relevanz in der heutigen Zeit nicht mehr erkennen würden. Dies sei auch dem politischen Auftreten der AfD geschuldet. Gaulands berühmte Aussage von der NS-Zeit als "Vogelschiss in der deutschen Geschichte" fällt mehrere Male.

Darüber sind sich alle Gesprächspartner einig: Die Auseinandersetzung mit dieser Partei, die die NS-Verbrechen relativeren möchte, ist eine der Hauptaufgaben der Politik. Schieder berichtet von Widerstand, wenn gewissen Projekte, wie eine Dauerausstellung, umgesetzt werden sollten. Hacker musste sich seinen Worten nach in Gremien wiederholt bei eingeladenen Experten entschuldigen, die von AfD-Seite grundlos angegriffen würden.

Mit dem Wegsterben der Zeitzeugen gehe auch ein Stück Erinnerungskultur verloren. So stellten sich die Experten die Frage, wie die Jungen weiter zu erreichen seien. Hacker meinte, man müsse sie zu Hause erreichen und nicht erst, wenn Schulausflüge in die KZ-Gedenkstätten stattfinden. Social Media wäre ein Ansatz, jedoch seien die Kosten für eine regelmäßige Moderation hoch.

Skriebeleit nimmt die Politik in die Pflicht, sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Er stellt fest, dass Politiker mehr als früher auf Projekte vom eigenen Interesse schauen. Er würde sich über regelmäßige Treffen und einen Blick auf das große Ganze, anstelle einzelner Projekte freuen.

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