29.03.2019 - 15:03 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Perspektivenwechsel

Bernhard Neumann zieht zwei Schlüssel aus der linken Tasche seines Sakkos und gibt sie an Bürgermeister Thomas Meiler. Vor 37 Jahren hatte er sie in weniger feierlichem Rahmen bekommen.

Die Ehepartner waren mit eingeladen zur Verabschiedung im Rathaus Flossenbürg. Von links: Klaus und Elisabeth Semmelmann, Bernhard und Marga Neumann sowie Bürgermeister Thomas Meiler.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Mit einem lockeren Empfang verabschiedete die Gemeinde den langjährigen Geschäftsleiter und seine Kollegin Elisabeth Semmelmann in den Ruhestand. "Der unauffällige, ordentliche Beamte hat sich durch gute, praktische Arbeit hervorgetan. Er ist strebsam und verspricht, ein guter Beamter zu werden", zitierte der Rathauschef Neumanns Beurteilung während der Ausbildung zum Regierungsinspektor. In der Abschiedsrede bezeichnete Meiler Neumann als einen der loyalsten Menschen, den er kenne. "Er ist ein Geschäftsleiter, wie man sich einen Geschäftsleiter vorstellt. Einen auf den man sich auch als Bürgermeister immer zu 100 Prozent verlassen kann."

Eigentlich hätte man gar keinen Bürgermeister gebraucht, lobte Meiler. "Du warst und bist in Flossenbürg eine Institution." 95 Prozent aller Anliegen seien über Neumanns Schreibtisch gelaufen. "Alle wussten, dass ihnen unter der Telefonnummer 13 geholfen wird." Als man sich kennengelernt habe, sei die Situation angespannt und schwierig gewesen, meinte der Gemeindechef. Aber Neumann habe immer als Geschäftsleiter zugunsten seines Bürgermeisters und seiner Gemeinde gehandelt. "So eine Einstellung zum Beruf und zum Leben findet man selten."

Bei der Suche nach einem Nachfolger habe man lange gezittert zumal der in Neustadt geborene Geschäftsleiter auch den Posten des Kämmerers in Personalunion betreut habe. "Dann hatten wir Glück." Die beiden Flossenbürgerinnen Diana Kraus und Margit Frauenreuther übernehmen Geschäftsleitung und Kämmerei.

In beiden Amtsstuben, in denen die beiden Damen jetzt sitzen, war auch Neumann tätig. Eineinhalb Jahre nachdem er als Oberinspektor vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung in München ins alte Rathaus Flossenbürg gewechselt war, zog er im Neubau zunächst für kurze Zeit in Zimmer 05, in dem jetzt Frauenreuthers Schreibtisch steht. Kraus beerbt ihn in Raum 03, in dem der Amtsrat über viele Jahre arbeitete.

"Behandelt bitte meine Kollegen, auch die Nachfolgerinnen gut – sehr gut sogar", sagte Neumann beim Abschiedsempfang. "Ich glaube, das kann man gar nicht hoch genug einschätzen, dass man jemand aus dem Ort hat, der diese Aufgaben weiterführt." Der Blick aus dem Sitzungszimmer bot für Neumann bei der Verabschiedung einen Perspektivenwechsel. "Es muss schön sein, hier Gemeinderat zu sein mit der Aussicht bis zur Burg." Er dankte auch im Namen seiner Kollegin Semmelmann den drei Gemeindeoberhäupter, die sie im Rathaus erlebt hatten, sowie den Mitgliedern des Gemeinderats und allen Mitarbeitern einschließlich des Bauhofs für die Zusammenarbeit.

Neumann freut sich im Ruhestand auf eine neue Zeit mit zwei großen Veränderungen. Künftig gebe es für ihn und für Semmelmann weder die Sommerzeit noch den "Schlamo" – den "sch... langen Montag", an dem die Mitarbeiter im Rathaus bis 20 Uhr für die Bürger da sind. Zum Abschied überreichte er eine Spende für die Bibliothek. Neumann bekannte, selbst bisher nur zwei Bücher aus der Bücherei ausgeliehen zu haben. Eines davon über die Haltung von Meerschweinchen.

Eine der zuverlässigsten im Rathaus:

Elisabeth Semmelmann sei eine der zuverlässigsten Mitarbeiterinnen in der Gemeindeverwaltung, hob Bürgermeister Thomas Meiler hervor. Die Flossenbürgerin arbeitet seit 1990 im Rathaus und kümmerte sich in dieser Zeit im Zimmer 01 um ein breites Aufgabenspektrum von der Betreuung der gemeindliche Mietwohnungen bis zum Passwesen. "Dort geht jeder Besucher zuerst hinein. Von erfreulichen Dingen bis zu Beschwerden landet alles zunächst dort." Semmelmann habe 1995 das Standesamt mit übernommen. Meiler: "Ein forderndes Amt mit vielen Tätigkeiten im Hintergrund." Die Flossenbürgerin war nach der Ausbildung zur Steuer- und Wirtschaftsgehilfin und einer Tätigkeit bei der Raiffeisenbank Floß ins Rathaus ihrer Heimatgemeinde gewechselt. (ui)

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